Postkarte mit Hotel

3. August 2009, 16:45
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Die Terrasse macht den Schau-Rausch und ist das Highlight des Hotel Stein. Das Haus kombiniert 50er-Jahre Schick mit frecher Gestaltung

Sagen wir es geradeheraus: Wer in Salzburg war und nicht zumindest auf einen Drink auf der Steinterrasse war, hätte sich den Weg in die Mozartstadt fast sparen können. Er hat den eigentlichen Blick auf das Weltkulturerbe Altstadt glattweg versäumt. Hier oben im achten Stock, unmittelbar am rechten Salzach-Ufer, präsentiert sich die Stadt in ihrer allerfeinsten Postkartenansicht: die mittelalterliche Festung über dem mächtigen Barockdom, rechts davon die gotische Spitze der Franziskanerkirche. Gehalten wird das Bild vom mächtigen Felsaufbau des Untersbergs im Hintergrund. Mehr Ansichtskarte geht nicht.

"Salzburg ist eine kitschig schöne Stadt", sagt denn auch Peter Sterlinger, Direktor des Hotel Stein und damit auch Hausherr der legendären Steinterrasse. Der 47-Jährige führt seit zwei Jahren das Hotel am Giselakai und weiß genau um die Wirkung der Location: "Natürlich leben wir von der Aussicht." Auch wenn die Terrasse mit ihren 125 Plätzen wetterbedingt bestenfalls 120 Tage im Jahr bespielbar ist. Die restliche Zeit heißt es, nach drinnen, in die großzügig verglaste Bar und Lounge ausweichen.

Die prominente Lage des seit 1399 als Unterkunft genutzten Gebäudes birgt freilich auch die Gefahr, sich zu sehr auf diese Anziehungskraft zu verlassen. Und so ist das Hotel Stein nach einer Renovierung in der Mitte des vergangenen Jahrhunderts über die Jahrzehnte immer weiter hinter den erforderlichen Standards zurückgeblieben. Bis der Salzburger Immobilienentwickler Haythem Al Wazzan 2001 das denkmalgeschützte Haus erwarb und nach seinen Vorstellungen renovieren ließ. Die 55 Zimmer zählende Herberge der Vier-Sterne-Kategorie wurde technisch auf den Stand der Zeit gebracht.

Al Wazzan hat selbst gestaltet. Herausgekommen ist eine Mischung aus nostalgischem 50er-Jahre-Schick - ganz retro etwa die Lobby und der Salon im Parterre - gepaart mit gerade für Salzburger Verhältnisse überraschend frechen Gestaltungen: "Viel Violett und Zebradecken mit Pelzchen", nennt Sterlinger als Beispiel. Da muss dann auch der Hoteldirektor selbst lächeln. Alles eben "ein bisschen anders". Sehr individuell, "Künstler, Schauspieler, Intellektuelle", so beschreibt der Hotelchef seine Gäste. "Wir sind zwar designt, aber kein Designhotel", wehrt er ab. Im Stein setze man auf Lebensgefühl, auf Lifestyle. (Thomas Neuhold/DER STANDARD/Rondo/31.7.2009)

Informationen:
Hotel Stein

  • Kult, Retro, Lifestyle und so viel Salzburg, dass es fast schon wieder kitschig wird: Zimmer im Hotel Stein.
    foto: www.hotelstein.at

    Kult, Retro, Lifestyle und so viel Salzburg, dass es fast schon wieder kitschig wird: Zimmer im Hotel Stein.

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