Männliche Beinrasur

30. Juli 2009, 17:00
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Im glatten Bein spielen die Muskeln sichtbarer - Oder: Pelz lädt nicht zwingend zum Knuddeln ein

+++Pro
Von Thomas Rottenberg

Die Tour-de-France-Affinität ist eine Lüge: Kein Mann kompensiert sein "Ich wär gern so wie die"-Dilemma per Haxenkahlheit. Denn die Radlerschur zieht schon deshalb nicht, weil diese Glätte – oft – endet, wo die Hose beginnt. Und das schaut aus, wie ... Egal.

Fakt ist: Im glatten Bein spielen die Muskeln sichtbarer. Es greift sich kompakter an. Das wirkt. Nur: Darf man das sagen? Nö. Drum labern wir von "Massage". Von "Hygiene". Von "weniger Keimen bei Verletzungen". Klar doch.

Was wir lieber verschweigen: Die blanke Wade ist eine Botschafterin des Frauenverstehens. Anders gesagt: Sie hilft beim "Einedrahn". Schließlich haben Frauen heute körperhaarlos zu wirken. Rasierpickel? Stoppel? Übersehene Härchen? Geht gar nicht. Punkt.

Das glatte Herrenbein jedoch sagt: "Ich kenne deine Mühe. Ich kann sie einordnen – und weiß sie also wertzuschätzen." Das zieht. Und provoziert (weiblichen) Forschergeist. Obwohl die Frage "Bist du überall rasiert? Wirklich überall?" natürlich kaum gestellt wird. Zumindest nicht verbal.

Contra---
Von Petra Stuiber

Damit keine Missverständnisse aufkommen: Frau verliert sich keineswegs vorzugsweise in dicht bewaldeter Männlichkeit, Pelz lädt nicht zwingend zum Knuddeln ein. Das ist schon fast eine Primärprägung, seit sich der muskulöse, gut aussehende Sportstudent, der den Gänsestall von 15-Jährigen auf den Schulskikurs begleitete, bei näherer Betrachtung als schwarz rückenbehaartes Exemplar entpuppte. Dieser Schock saß tief.

Zum Glück tauchte einige Jahre später der gut aussehende männliche Mensch mit breiter (!), muskulöser (!!), spiegelglatter (!!!) Brust auf – er hatte das Zeug zum Monatsabschnittpartner. Bis er eines Tages mit spitzer, großer Zehe die weibliche Wade entlangfuhr und missbilligend feststellte: "Du kratzt." Um sogleich sein eigenes, glattrasiertes Bein zu präsentieren. Tatsächlich spiegelte die männliche Wade schöner und war obendrein viel wohlgeformter als die weibliche – was durch die perfekte Rasur noch betont wurde. Und schon war der Monatsabschnitt vorbei. Wer braucht schließlich männliche Wadlkonkurrenz? (Der Standard/rondo/31/07/2009)

  • Und schon war der Monatsabschnitt vorbei. Wer braucht schließlich männliche Wadlkonkurrenz?
    foto: der standard

    Und schon war der Monatsabschnitt vorbei. Wer braucht schließlich männliche Wadlkonkurrenz?

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