Süß ist einfach, herb muss man lernen, meint Luzia Schrampf
"Irgendwie schmecken alle Sommerweine ähnlich", wird anlässlich des Grillabends gemosert. "Aber herb zum Beispiel ist ein cooler Geschmack." Herb ist frisch, behaupte ich dazu. Tatsache ist aber, dass sich viele dagegen sträuben, weil dieser Geschmack klar negativ besetzt ist. Herb ist übrigens nicht gleich bitter. Eine herbe Schönheit ist immer noch attraktiv, eine verbitterte Miene dagegen nicht. Herb heißt nicht automatisch unreif. Das wäre hantig, wie bei Obst, das zu früh gepflückt, dafür begast und "nachgereift" in den Supermarktregalen liegt. Artverwandt zu herb ist resch, hat aber Säure dabei.
Süß ist leicht. Vom Babyalter an haben wir süß intus. Weil man ständig damit bombardiert wird, bleibt man auch allzu leicht daran hängen. Süß macht vieles zugänglich: zum Beispiel Milchreis, dessen schleimige Konsistenz nicht nur bezaubert, oder Kaffee, der - von Natur aus ein Bittergetränk - durch Zucker gefügig gemacht wird. Süße im Wein deckt vieles zu, Fehler wie Uninteressantes.
Spannend wird es erst wieder in Kombination mit allen anderen Komponenten, vor allem mit sauer und salzig. Klingt kompliziert, was sich da abspielt? Dafür schmeckt's prächtig abwechslungsreich. (Luzia Schrampf/Der Standard/rondo/31/07/2009)