Bier im Gerede

Asiens Durst

23. Juli 2009 16:46
  • Artikelbild
    Foto: apa/dpa/peter kneffel

    So geht der Trend zum Einheitsbier weiter.

Conrad Seidl las die aktuellen Welt-Bierstatistiken - sie sind ernüchternd

181.561.600.000 Liter Bier sind im Vorjahr weltweit getrunken worden - 2.846.900.000 mehr als 2007. Das geht aus dem neuesten Barth-Report hervor, für den das bedeutendste Hopfenhandelshaus der Welt zusammenträgt, was sich in der Brauereiszene tut.

Die Bierstatistik ist ein recht brauchbarer Überblick über politische und gesellschaftliche Veränderungen - man kann daraus etwa ablesen, dass im Jahr 2007 in Eritrea noch 223.000 Hektoliter Bier produziert wurden (etwa so viel, wie die Zwettler Brauerei im Jahr herstellt), dass 2008 aber nur noch 3000 Hektoliter gebraut wurden. Dabei ist Afrika insgesamt ein wachsender Biermarkt - in ärmeren Ländern zeugt wachsender Bierkonsum von steigendem Wohlstand und dem Entstehen eines Mittelstands.

In reicheren Ländern, die gesättigte Biermärkte darstellen, sinkt der Bierkonsum dagegen tendenziell. Das gilt für Südafrika (Ursprungsland des mit 9,6 Prozent weltweiten Marktanteil zweitgrößten Bierkonzerns SAB Miller) ebenso wie für fast alle westeuropäischen Länder.

Man sieht in der Barth-Statistik auch, wie sich die Rauchverbote schädlich auf die Bierkultur ausgewirkt haben: In Großbritannien, wo das Bier früher traditionsgemäß im Pub getrunken wurde, betrug der Rückgang des Konsums 3,74 Millionen Pints in nur einem Jahr - und das, was doch konsumiert wurde, ist industriell hergestelltes billiges Lagerbier, das dosenweise daheim gesoffen wird. Das Real Ale, das im Fass gereifte typisch englische Bier, ist dagegen vom Aussterben bedroht.

So ändert sich nach und nach auch der Biergeschmack: Eigenständige Biere, die sich unter anderem durch eigenständige, typische Hopfensorten auszeichnen, werden zurückgedrängt, wenn sich die Menschen im Supermarkt mit Einheitsbieren versorgen. In England wurden Anbauflächen der landestypischen Sorte Fuggles gerodet. In Frankreich ging es der traditionellen Sorte Strisselspalter an den Kragen: Diese Hopfensorte wird weniger nachgefragt, seit die Kronenbourg-Brauerei von Carlsberg übernommen wurde.

So geht der Trend zum Einheitsbier weiter - der für den weltweiten Ausstoß-Anstieg verantwortliche asiatische Konsum betrifft eben vor allem solche Massenbiere. Ernüchternd. (Conrad Seidl/Der Standard/rondo/24/07/2009)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 26
1 2
NegR h.c.
27.07.2009 17:03

Solange man in östereichischen Landeshauptstädten höchstens zwei Sorten belgischer Biere kaufen kann, schauts allerdings duster aus. Real Ale vermisse ich hingegen gar nicht.

alsowirklich
04.09.2009 21:59
entsetzlich...

sollen wir's abschaffen für Sie, das real ale?

NegR h.c.
05.09.2009 13:56

Setzen Sie Ihre Meinung immer absolut? Wenn nein, warum unterstellen Sie mir das?

Toeris
26.07.2009 13:54
Als Ex-Raucherin

fühle ich mich in schottischen und englischen Pubs pudelwohl. Ich muss gestehen, in einem verrauchten wiener Wirtshaus tät ich es nicht so lange aushalten und da bleibt's auch bei einem kleinen Bier zum Essen. In Schottland stand ich da sehr lange mit anderen zusammen, hab die Live-Musik gehört, den Leuten beim Tanzen zugesehen, und hatte einige "half-pint-bitter-please" hinter mir.

inness robins
24.07.2009 14:14
Kaukasier

die meisten Asiaten reagieren auf Alkoholkonsum mit einem Flushingsyndrom. Die werden jetzt alle Erröten, bei dem Bierkonsum!
Bei den Schwarzafrikanern-ebenfalls für den Alkoholkonsum genetisch nicht wirklich geeignet-wird sich bloß die Optik nicht ändern.
Wir Kaukasier sind sind sind die größten Biertrinker!

Günther Hase
 
14.01.2010 17:38

irgendwelche Quellen dazu oder nur irgendein stereotyper blödsinn? Hat eher mit gewöhnungseffekt zu tun denke ich (also kulturell bedingt). Hab einen vietnamesischen Kumpel der sauft mich locker unter den Tisch.

trifasciata
27.07.2009 13:10
Wusste nicht,

dass am Kaukasus so viel Bier getrunken wird...

zephyri secundi
27.07.2009 15:18

Kaukasus liegt aber in Asien.

Möter
24.07.2009 02:09
Keine Sorge

Ich denke die traditionellen oder qualitative hochwertigen Biere werden nicht aussterben, so pessimistisch muss man nicht sein. Es wird wohl bald einen Gegentrend geben und kleine Brauereien werden entstehen. In Amerika war es ja so, wo die 'craft brewer' irgendwann genug vom Einheitslager hatten und es jetzt recht viele hochwertige Biere gibt. Auch z.B. das belgische Saison Bier war glaub ich in den 50ern/60ern vom Aussterben bedroht, dann kam aber auf einmal wieder eine Nachfrage auf.

Allerdings nervt der 'Trend zum Einheitsbier' als Konsument schon ein bisschen, das kann ich nicht leugnen. Es wird aber hoffentlich bald wieder mehr Vielfalt geben.

Walter Tiefenthaler
24.07.2009 01:59
ernuechternd...

...teilweise. wie sollen aber die asiaten, die keine traditionelle bierkultur haben ueber nacht neue sorten entwickeln? mit dem japanische superdry gibt es aber schon erste entwicklungen... leider ist dieser im ansatz sehr gute artikel zu kurz. es wirkt, als haette herr seidl nur seine redaktionsquote erfuellen wollen.

Bierpapst
16.08.2009 14:49

Die Länge des Textes ist durch das Layout des Rondo vorgegeben - und darauf habe ich keinen Einfluss.
Sonst schreib ich gerne mehr.

Walter Tiefenthaler
16.08.2009 19:44
Ja Bitte...

...Ihre Artikel sind immer eine Freude, weil Kompetent!

KAL.
17.08.2009 11:11

Die über Bier, ja.

miguelito
23.07.2009 19:52
bar-fahrrad

dieses gefährt könnte durchaus hilfreich sein den bierumsatz wieder anzukurbeln (in doppeltem sinne).

http://tinyurl.com/lo6fqt

:-)

Ludovico Settembrini
24.07.2009 20:47

das beste bier-fahrrad ist das fat tire der new belgium brauerei aus colorado :-D

Austrian ExPat
30.07.2009 15:22
Also bei mir war das immer "hit or miss"

meistens miss. Ueblicherweise grausliches G'schlader. Und ich hab mich wirklich bemueht es zu moegen.
Die Biere von Lost Coast Brewing Co., Sierra Nevada Brewing Co, El Toro Brewing Co. haben mir immer viel besser geschmeckt.

Aber das ist natuelich persoenlicher Geschmack...

Der Österreicher
23.07.2009 18:39

Das echte britische Bier stirbt aus, weil sich das der Brite nicht mehr leisten kann. Daher auch die Verschiebung von Pub Bier zu billigem Lagerbier zuhause.

Das hat nichts mit dem Nichtrauchergesetz zu tun.

Franz A.
24.07.2009 22:32
Bierrauchen

Der Zusammenhang zwischen dem Bier-Umsatzrueckgang und dem Rauchverbot ist allerdings offensichtlich.

Prof. Dr. Abdul Nachtigaller
13.08.2009 11:15

da gleichzeitig mit dem rauchverbot eine heftige erhöhung der bierpreise stattgefunden hat (teilweise um 10% und mehr), muss der direkte zusammenhang zumindest hinterfragt werden.

Poldi Fesch
01.10.2009 20:36
der hat schon seine

Logik, "zahl ma ?" "I rauch no aus"; "gut, bestell i no a Seidel".. "zahl ma ?" " I trink no aus" gut, bestell i usw. usw.

Walter Tiefenthaler
24.07.2009 02:00
es wird bald eine neue sorte von pubs geben...

Erich Hofbauer
24.07.2009 13:05

Kühlschrank mit Dosenbier oder Getränkeautomat und selbstbedienung?

Walter Tiefenthaler
25.07.2009 02:15
wer uk kennt...

...weiss wie realistisch ihr zynismus ist. ja auch das kann leider drohen.

Gehoarg
24.07.2009 11:13
nämlich?

Walter Tiefenthaler
25.07.2009 02:15
armenpubs...

...die sich aus privaten initiativen entwickeln werden. es gibt schon erste ansaetze und die wohnzimmeratmosphaere erinnert an alte zeiten.

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 26
1 2

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.