Conrad Seidl las die aktuellen Welt-Bierstatistiken - sie sind ernüchternd
181.561.600.000 Liter Bier sind im Vorjahr weltweit getrunken worden - 2.846.900.000 mehr als 2007. Das geht aus dem neuesten Barth-Report hervor, für den das bedeutendste Hopfenhandelshaus der Welt zusammenträgt, was sich in der Brauereiszene tut.
Die Bierstatistik ist ein recht brauchbarer Überblick über politische und gesellschaftliche Veränderungen - man kann daraus etwa ablesen, dass im Jahr 2007 in Eritrea noch 223.000 Hektoliter Bier produziert wurden (etwa so viel, wie die Zwettler Brauerei im Jahr herstellt), dass 2008 aber nur noch 3000 Hektoliter gebraut wurden. Dabei ist Afrika insgesamt ein wachsender Biermarkt - in ärmeren Ländern zeugt wachsender Bierkonsum von steigendem Wohlstand und dem Entstehen eines Mittelstands.
In reicheren Ländern, die gesättigte Biermärkte darstellen, sinkt der Bierkonsum dagegen tendenziell. Das gilt für Südafrika (Ursprungsland des mit 9,6 Prozent weltweiten Marktanteil zweitgrößten Bierkonzerns SAB Miller) ebenso wie für fast alle westeuropäischen Länder.
Man sieht in der Barth-Statistik auch, wie sich die Rauchverbote schädlich auf die Bierkultur ausgewirkt haben: In Großbritannien, wo das Bier früher traditionsgemäß im Pub getrunken wurde, betrug der Rückgang des Konsums 3,74 Millionen Pints in nur einem Jahr - und das, was doch konsumiert wurde, ist industriell hergestelltes billiges Lagerbier, das dosenweise daheim gesoffen wird. Das Real Ale, das im Fass gereifte typisch englische Bier, ist dagegen vom Aussterben bedroht.
So ändert sich nach und nach auch der Biergeschmack: Eigenständige Biere, die sich unter anderem durch eigenständige, typische Hopfensorten auszeichnen, werden zurückgedrängt, wenn sich die Menschen im Supermarkt mit Einheitsbieren versorgen. In England wurden Anbauflächen der landestypischen Sorte Fuggles gerodet. In Frankreich ging es der traditionellen Sorte Strisselspalter an den Kragen: Diese Hopfensorte wird weniger nachgefragt, seit die Kronenbourg-Brauerei von Carlsberg übernommen wurde.
So geht der Trend zum Einheitsbier weiter - der für den weltweiten Ausstoß-Anstieg verantwortliche asiatische Konsum betrifft eben vor allem solche Massenbiere. Ernüchternd. (Conrad Seidl/Der Standard/rondo/24/07/2009)