Bier im Gerede

Was ist original?

09. Juli 2009 16:31
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    Foto: apa/ap/petr david josek

    Die Brauerei in Pilsen reagierte klug, ließ die Bezeichnung "Pilsner Urquell" schützen und hatte damit ihr geistiges Eigentum halbwegs auf dem Trockenen.

Was sagt die Bezeichnung des Bieres über seine Herkunft aus, fragt Conrad Seidl

Mit Zipfer ist alles klar: Bier mit diesem Namen kommt nicht von einem Herrn Zipfer, sondern aus der kleinen oberösterreichischen Ortschaft Zipf, deren Brauerei im Vorjahr ihr 150-jähriges Bestehen gefeiert hat. Das war allerdings nicht immer so: Ein halbes Jahrhundert lang wurde Zipfer auch in der 1923 dazugekauften Brauerei in Wörgl gebraut.

War das damals ein echtes Zipfer? Hier gehen die Meinungen auseinander. Mein englischer Kollege Peter Ogie hat einmal argumentiert, dass ein Bier dann original ist, wenn der Braumeister der ursprünglichen Brauerei bestätigt, dass auch das Bier aus dem anderen Unternehmen den Vorgaben entspricht. Das würde etwa auch auf ein in Wieselburg gebrautes Heineken zutreffen: derselbe Konzern, dasselbe Rezept, dieselbe Linzenz. Der Vollständigkeit halber sei gesagt, dass Peter Ogie vor seiner journalistischen Karriere selbst Braumeister war und daher vielleicht eine eher industrienahe Position vertritt.

Ein Pilsner aus Pilsen

Die andere lautet: Ein Zipfer Bier möge aus Zipf kommen. Ein Murauer aus Murau. Ein Pilsner aus Pilsen. Diese letzte Forderung ist einfach nicht aufrechtzuerhalten: Seit im Jahr 1842 ein gewisser Josef Groll das erste Bier der heute gängigen Pilsner Brauart hergestellt hat, ist Pils, Pilsner oder Pilsener längst zu einem Stilbegriff geworden. Als in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts die Idee des Markenschutzrechts aufkam, galt der Anspruch des damaligen "Bürgerlichen Brauhauses zu Pilsen", Pilsner als Herkunftsbezeichnung schützen zu lassen, als verwirkt.

Die Brauerei in Pilsen reagierte klug, ließ die Bezeichnung "Pilsner Urquell" schützen und hatte damit ihr geistiges Eigentum halbwegs auf dem Trockenen. Dazu muss man wissen: Als Herr Groll nach Pilsen berufen wurde, sollte er eigentlich dort "bayerisches" Bier brauen - den bis in die 1920er-Jahre populären dunklen, vollmundigen Lagerbierstil, der auch als "Münchner Typ" gilt. In Pilsen wollte das aufgrund der dort vorhandenen Rohstoffe nicht recht gelingen, das Bier wurde heller - eben das, was wir heute als pilstypisch kennen.

Sogar Pilsner Urquell wird heute in Lizenz in Polen gebraut. Umgekehrt ist es dem bayerischen Brauerbund in der Vorwoche gelungen, den Herkunftsschutz für "bayerisches Bier" durchzusetzen - in der EU darf niemand außerhalb Bayerns mit einer bayerischen oder Bavaria-Marke für Bier werben. (Conrad Seidl/Der Standard/rondo/10/07/2009)

Kommentar posten
20 Postings
rohrspatz
07.10.2009 20:53
und?

gibts dazu auch eine eigene meinung oder wird nur der kollege zitiert?

Chris_SM
15.07.2009 22:34
Eigentlich

Eigentlich bin ich der Meinung, das Qualitätsbier nur dann "original" ist wenn es in der Stammbrauerei gebraut wird. Heineken und Carlberg sind ja definitiv keine Qualitätsbiere.
Und nach dieser Defininition müsste das Reininghaus Jahrgangspils Gösser heißen, denn dort wird es ja gebraut.

Interessant wäre es wie es mit Guinness,(definitiv ein Qualitätsbier) ausschaut? Wird das Guinness das es bei uns gibt in Irland gebraut? Auch in diesem Fall würde ich dafür eintreten, dass nur das irische Guinness als original bezeichnet werden sollte.

trifasciata
31.07.2009 11:16

Wie definieren Sie Qualitätsbier? Persönlicher Geschmack?

Micstar69
20.07.2009 11:07

Guinness wird ausschliesslich in Dublin gebraut

zephyri secundi
16.07.2009 09:58

Qualitätswein ist in Österreich genau definiert,
der Begriff Qualitätsbier nicht.

tramezzino
11.07.2009 21:14
das villacher

kommt tatsächlich aus villach - besser wird es dadurch aber leider auch nicht (ein schwacher trost, dass es besser als schleppe schmeckt).

KAL.
10.07.2009 10:42

Da der (mengenmäßige) Hauptbestandteil der Biere Wasser ist, stimmen viele Argumente hier nicht.
Vom Zipfer in Wörgl angefangen.

Trinkt Biere wie Hirter oder Murauer!

tramezzino
13.07.2009 21:35

mohrenbräu ist unter den gewöhnlichen bieren auch nicht so übel, das murauer war vor 25 jahren richtig gut.

Möter
15.07.2009 01:05
ich sage nur:

Kellerbier!

Das herbe rote Spezial ist wohl nicht jedermanns Sache, kann aber problemlos als Abendessenersatz eingesetzt werden. 0,5 l haben geschaetzte 700kcal

trifasciata
31.07.2009 11:18
So gesehen

können Sie auch mit einem Stamperl Slibowitz zu Bett gehen...

Möter
01.08.2009 08:20

Spezial und Schnaps kommen immer als Paar daher. Schwer zu trennen. Schon oftmals, nachm Holzschitta, kommt der Karl vorbei und die Abende verschwimmen und verschwinden im Sog der Herbe des Spezi-ols.

zephyri secundi
14.07.2009 09:53

Murauer Märzen nimmt es auch jetzt noch mit vielen anderen auf!

Ludovico Settembrini
08.08.2009 12:41

ja, das murauer ist ein gutes bier!

lumpi8
10.07.2009 08:28
Budweiser

Weiß jemand was es mit dem US-amerikanischen Budweiser oder Bud auf sich hat, was dieses Gschloder mit dem herrlichen Bier aus Budweis zu tun hat?
PS: Juhu, morgen geht's wieder mal in's Schweitzer Haus!

Renate Zipfel
15.07.2009 17:33
Budweiser

Das Budweiser Bier kommt im Original aus Budweis und ist Markengeschützt . Die Amis wollten die Brauerei schon vor vielen Jahren um eine Unsumme kaufen, was die Tschechen klugerweise abgelehnt haben. Die Marke konnten sie in Europa schützen. Daher dürfen die Amis ihr Schlodder-Bier nicht unter diesen Namen in Europa verkaufen - und darum ging es sicherlich (daher auch nur "Bud"). Man kann in Budweis die Brauerei besichtigen und es gibt dazu auch ein hervorragendes Restaurant.

trifasciata
31.07.2009 11:22

Es wäre schön, wenn Sie Recht hätten.. (ist aber nicht so einfach, in Spanien zB. wird Bud als Budweiser und Budweiser als Budvar verkauft)

Micstar69
20.07.2009 11:10

Budweis bezieht sich auf die Herkunftsstadt sowie den Familiennamen der Brauereigründer. Einer der Brüder ist dann nach Amerika ausgewandert

Christoph ************
09.07.2009 20:56

Was ist da jetzt mit der Marke "Bavaria" aus Holland? Haben die den Rechtsstreit gegen Bayern verloren? Zu wünschen wäre es, denn deren Produkt ist nichts weniger als Rufmord für bayrisches Bier.

Ich finde prinzipiell aber nichts daran, wenn Bier auch woanders gebraut werden kann. Solange die Qualität stimmt. Zumindest Unternehmensintern wird sowas ja eh nicht auf die leichte Schulter genommen und genau betrachtet, ob da analytisch oder sensorisch Unterschiede zwischen Standorten feststellbar sind. Wenn nicht, denke ich mir, ist da ja auch kein Problem. Natürlich, das Einverständnis des ursprünglichen Erzeugers wäre da noch ein Thema, aber sonst....

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