Vom Beckenrand springen

2. Juli 2009, 15:50
  • Ja, Teufelskerle waren wir.
    foto: der standard

    Ja, Teufelskerle waren wir.

Ein Zipfel Anrachie - Oder: Schön brav bleiben

+++Pro
Von Sigi Lützow

Herr Bademeister hieß er, schön war er, sportlich und streng, die Aushilfskraft im Jörgerbad. Seiner geliehenen Macht allzu bewusst. Ein Jäger in kurzen Hosen und Muskelshirt, die fleischgewordene Herausforderung. Und man prüfte ihn, Nachmittag für Nachmittag. Eine Gruppe Unerschrockener, bereit, die Konsequenzen zu tragen für ihr regelwidriges Tun. Freilich konnte Herrn Bademeisters Auge nicht überall sein, also wurde vom Beckenrand gesprungen, einmal links, einmal rechts, dass es eine Freude war, wurden die Blöcke gemieden. Verwarnungen wurden kassiert wie Auszeichnungen: "Burscherl, beim nächsten Mal bist du draußen", sagte Herr Bademeister. Ein Pfeiferl stand ihm nicht zu Gebote, die Stammgäste hatten sich beschwert, wegen des ständigen Lärms. Also zerspragelte sich Herr Bademeister, Nachmittag für Nachmittag, und in der schwülen Luft des Jörgerbades lag ein Hauch von Anarchie. Eines Tages war er verschwunden, der Herr Bademeister, gebrochen wohl ob seiner Machtlosigkeit. Ja, Teufelskerle waren wir.

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Contra---
Von Renate Graber

Festgesetzt haben sich die Bilder in meiner Erinnerung wie Kalk an der türkisen Bassinwand. Zuerst tiefes Tröten, das uns zum Wellenbecken rief. Die Hierarchie daselbst war unverrückbar: im Seichten die Kleinen und die hasenfüßigen Beckenrandschwimmer. Im Nur-für-Schwimmer-Tiefen die Mutigen, die den - wie mir damals schien: meterhohen - Wellen ohne Boden unter den Füßen trotzten. Dann, eine kurze Unaufmerksamkeit des Badewaschels nützend, geschah es. Gekonnt köpfelte ein Verwegener vom Beckenrand in die Wellen. Wurde, begleitet von markerschütternden Trillerpfeiferltönen, vom empörten Badewart (bis heute weiß ich nicht, ob Badewascheln sprechen können) an den Ohren herausgezogen und des Beckens verwiesen. Seine Freunde aber auf der Wiese hinten, das sah ich genau, feierten ihn: Held des Tages. Schwimmbadanarchie? Vorschriften missachten? Meine Freunde und ich, wir braven Beckenrandschwimmer, wir haben uns das nie getraut. Auch später nicht. Wir gefährden doch keine Beckenrandschwimmer. (Der Standard/rondo/03/07/2009)

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13 Postings
Bis 16 Jahre darf man, danach wird es zunehmend peinlich.

Eindeutig PRO

und das sag ich als ehemaliger Badewaschl

Homer heißt er und ist Bademeister.

Es ist eine Frechheit, was sich die Jugend von heute erlaubt!

Mit einer rücksichtslosen Brutalität gefährden sie das Leben anderer Badender, indem sie vom Beckenrand in das Wasser springen. Ich selbst gehe nur mehr mit Helm ins Wasser.

Pro & Contra


Find' ich gut: Endlich einmal ein Anlaß, wo eigentlich die Pro- und Contra-Artikel beide dafür sind!

:-)

Arme Großstadtindianer!

Bei uns am Wörthersee war erst die Steigerungsstufe (fangen spielen; haschen im Bad-sprech) verboten.Zu seinen besseren Zeiten ist der zuletzt 80jährige Bademeister noch verfolgend nachgesprungen, dann nur mehr Megafon auf der Brücke. Ein Badehosenwechsel (weil mehr merkte er sich nicht), und weiter gings ;-).
Also: Eindeutig PRO

dieses blöde pro und kontra geht mir so auf die nerven. pro und kontra sackkratzen, pro und kontra seitenscheitel, pro und kontra caffe corretto.
überhaupt diese ganze fehlgeburt rondo. come, media crisis, come.

danke!

das mußte einmal gesagt werden.

bist auch so einer, der schon als 70jähriger geboren wurde, gell?

Anarchie der Knöpfe.

PRO ! PRO !

kann man da auch kontra sein

wenn man nicht gerade badewaschl ist?

Kontra

Ja, Schwimmer, denen immer so ein "Anarchist" bestenfalls vor den Kopf oder im schlechtesten Fall ins Kreuz springt. Schon einmal überlegt warum das Schwimmbad und nicht Springbad heißt? ;-)

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