Unter der Glutglocke

2. Juli 2009, 16:49
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    foto: dieter schütz/pixelio.de

    Die Insel Hvar vor Split: Hier werden Sardellen noch ganz privat in Salz gelegt.

Was im und um das Unesco-Weltkulturerbe Split neben Prsut und Meeresfisch noch gekostet werden sollte, hat Severin Corti erkundet

Wer sich Split vom Meer nähert, erlebt eine weiße Stadt mit großzügiger Hafenpromenade - ein Ensemble aus mittelalterlichem Stadtzentrum, Fin-de-Siècle-Architektur und dem vielgerühmten Palast des römischen Kaisers Diokletian. Dieser wurde um das Jahr 300 erbaut, erstreckt sich über 300 Meter entlang der Riva-Promenade - und wurde seit der Völkerwanderung als befestigte Wohnanlage adaptiert, was ihm doch ein ganz besonderes Aussehen verleiht: Innen eine mittelalterliche Stadt, die immer wieder durch pompöse Bögen, Säulen und Portale kontrastiert wird - außen eine klassische Fassade, deren Pracht durch willkürlich eingebaute Fenster und Balkone etwas unzweifelhaft (und höchst sympathisch) Balkanisches vermittelt.

Wer sich Split vom Land nähert, erlebt eine beispielhaft hässliche Stadt, in der Billigmodernismus und unregulierte Privatbauten eine grässlich wuchernde, ärmliche Klein-Großstadt geschaffen haben - bis man endlich zum Meer hinunterkommt, wo die Altstadt und der Hafen liegen. Dann ist eh wieder alles gut.

Dalmatien besteht hauptsächlich aus Meer und dessen unmittelbarer Einfassung: Karge, felsige Landstriche einerseits. Prächtige, venezianisch, griechisch oder ragusisch inspirierte Küstenstädte mit fantastischer Wasserqualität, uralter Geschichte und den wohl besten Meeresfrüchten des Mittelmeers anderseits. Auf den Hängen der schroffen Gebirgszüge kann man noch Spuren von Terrassenanlagen erkennen - einst wurde hier das weithin gerühmte dalmatinische Gemüse angebaut. Seit dem Krieg aber scheint auch diesbezüglich ein Bruch stattgefunden zu haben: Sie sind verwaist. Auf den Märkten gibt es zwar süße Feigen, kleine, intensiv saftige Pfirsiche und die vielgerühmten (zu Ćevapčići völlig unverzichtbaren) süßen, milden Gemüsezwiebeln - ansonsten aber kaum Spuren von der Vielfalt an hausgezogenem Gemüse, die hier einst Standard war.

Das beklagt auch Küchenchef Tomislav Niksić vom Hotel Le Méridien Lav, das etwas außerhalb Splits in einer privaten Bucht samt Yachthafen, Wellnesstempel, Kasino und anderen Lustbarkeiten liegt. "Vieles wird heute aus Italien importiert, weil die Tradition des Gemüseanbaus durch den Krieg unterbrochen wurde", sagt er, "aber ich bin immer auf der Suche nach lokalen Lieferanten, die mir ihre Schätze überlassen". So gibt es im Le Méridien bereits zum Frühstück den zart geräucherten und luftgetrockneten, dalmatinischen Prsut (das Wort stammt vom italienischen Prosciutto ab), den wunderbaren Rahmfrischkäse Kajmak, aber auch köstliche Tomaten und Früchte aus den umliegenden Dörfern. Abends serviert Niksić verfeinerte dalmatinische Küche, in der die Früchte des Meeres einen wichtigen Platz einnehmen. Seine außergewöhnliche Fertigkeit bei der Zubereitung von Angler und Goldbrasse, Oktopus und Jakobsmuschel war wohl mit ein Grund dafür, dass das Haus mit den besonders geräumigen Zimmern im Vorjahr zum besten Hotel Kroatiens gekürt wurde.

Abseits der Luxusgastronomie gibt es eine Fülle autochthoner Genüsse zu entdecken, die zeigen, wie vital das Interesse der Dalmatier an wirklich gutem Essen der bodenständigen Art ist.

Die Konoba Menego auf der Split vorgelagerten Insel Hvar etwa hat sich auf ausschließlich hausgemachte Köstlichkeiten spezialisiert. Vom (verbesserungsfähigen) Wein bis zu (unvergesslichen) Sardellen aus dem Salz wird hier alles selbst gemacht - der Duft der an der Decke reifenden Würste und Schinken umhüllt die Gäste wie ein Versprechen, dass hier alles aus einer Hand kommt.

Frosch vom Rost

Nostromo am Fischmarkt von Split darf als eines der besten Fischrestaurants der Adria gelten. Die kapitalen Scampi, fantastischen Messer-, Steinbohrer- und anderen Muscheln, die Seeanemonen und -igel, die hier in privat anmutendem Ambiente serviert werden, sind zu Recht weit über die Grenzen Kroatiens berühmt - und günstig ist das alles auch noch!

Im Mühlenwirtshaus Radmanove Mlinice, an den Ufern der kristallklaren Cetina gelegen und einst ein Rückzugsort für die gefürchteten Piraten der nahen Hafenstadt Omis, werden Fleisch und Gemüse nach uralter Tradition auf offenem Feuer, unter der Glutglocke "Peka" gegart. Vom Rost kommen nicht nur köstliche Würste, junge Aale (grandios!) und Forellen, sondern auch köstliche Frösche, die, wie auf dem Balkan üblich, im Ganzen gegrillt werden.

In Split selbst sollte man das populäre Buffet Fife direkt am Fischerhafen nicht versäumen: Hier wird zu extrem günstigen Preisen eine fantastische, volkstümliche Küche geboten, wo von taufrischen Rotbarben über Stockfischeintopf bis zu Kutteln, gefüllten Gemüsen und außergewöhnlich gutem Ćevapčići ein breites Panorama jener Kultur ausgebreitet wird, die in Dalmatien absolut auch über den Gaumen zu genießen ist. (Severin Corti/DER STANDARD/Rondo/3.7.2009)

Informationen:
Hotel Le Méridien Lav, Split, Tel.: +385 (0)21 500500
Konoba Menego, Hvar
Nostromo, Split, beim Fischmarkt
Mühlenwirtshaus Radmanove Mlinice, Omis
Buffet Fife, Trumbiceva Obala 11, Split, beim Fischerhafen, Tel.: +385 (0)21 345 223

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 37
1 2
skipper2002
70
pure abzocke

wer dort noch hinfährt ist selber schuld.ich bleib in slowenien,da bekommt man noch was für sein geld.

Anti Staberl
00
26.8.2009, 13:25

Dem stimme ich nur insoferne zu, da? man als Yachtler da und dort ganz schön abgezockt, ja fast ausgeraubt wird. Aber am Festland bzw. als Nichtyachtler ists immer noch herrlich und vor allem günstig, dort zu essen, wo halt die Einheimischen hingehen.

piipo
05
keiner zwingt Sie , ich fahre lieber nach Kroatien

Para Dox
00
Was auch sehr gut war:

Mali Ston (kurz vor Dubrovnik am Beginn der Halbinsel Pelješac). Soll angeblich DAS Muschelparadies Dalmatiens sein. "Fang"frische Austern und Muscheln aller Art in allen Variationen.

Anti Staberl
00
26.8.2009, 13:23

Ist es auch ! Es ist aber so, daß die Preise auch schon "Festlandniveau" erreicht haben, aber einen unschätzbaren Vorteil hat: Fang bzw. Erntefrisch.

salzstangerl1
00

Ich freu mich einfach auf meinen Urlaub :D

Schlapsi
41
Piratenvermehrung

Die Nachfahren der Seeräuber von Omis haben sich offensichtlich auf ganz Dalmatien ausgebreitet, wo sie als Gastronomen ihr Unwesen weitertreiben. Besonders arg sind die Typen auf den Inseln, die den Seeglern das Geld aus der Tasche ziehen und das für aufgetaute Fische aus der Teifkühltruhe.

Schwedenbåmbe
20

Vollkommen richtig! Wir haben unser Boot auch in Kroatien und sind ernsthaft am Ueberlegen, es nach Griechenland zu verlegen, weil die mit den Preisen völlig abfahren!

yotix
 
00

Ähnliche Touristenabzocker sind ja in Österreich alles andere als selten; es sei daran erinnert, was in den "nobleren" Skiorten für ein Seiderl Bier verlangt wird ...

Schwedenbåmbe
00

Ach, ist es denn wieder erlaubt, Steinbohrermuscheln zu essen? Die waren doch mal unter Schutz gestellt, oder erinnere ich mich da falsch?

Corello
 
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nein ist es nicht. sie erinnern richtig.

besser gesagt, die "Ernte" ist verboten.

Leider sind sie zu gut, womit unter Wasser manchmal nur noch Riff-Ruinen bleiben.

(letztes Jahr haben wir tatsächlich beim Tauchen einen Einheimsichen ertappt, der in 15 m Tiefe mit dem Vorschlaghammer...)

15 er
72
preise???

ich bin sehr oft in Kroatien, aber wenn ich guten Fisch um einen vernünftigen Preis essen möchte gehe ich in Wien was Essen! ;-)

Anti Staberl
00
26.8.2009, 13:29

Eh klar, selber schuld wenn man dort hineingeht, wo keine Einheimischen sind ! Wenn ich zwischen Brela und Dubrovnik (nur dort in Süddalmatien ist es traumhaft schön) einige wenige Kilometer landeinwärts in ein Gostilnja gehe, dann erwartet einem herrliche Fischgerichte zu sensationellen niedrigen Preisen......man muß halt dazu etwas mündig sein....

salzstangerl1
00
16.7.2009, 20:42
Je

weniger von Ihrer Sorte rutnerfahren umso schöner mein Urlaub :D

Mazzesinsulaner
 
00

>preise???
>ich bin sehr oft in Kroatien, aber wenn ich guten >Fisch um einen vernünftigen Preis essen möchte >gehe ich in Wien was Essen! ;-)

zB das Kornat in der Marc Aurel Strasse. Schön mit der U1 oder U 4 Schwedenplatz erreichbar.

Patria Sardegna
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naja,aber wenn ich ein drachenkopf oder ein knurrhahn möchte,muss ich in wien auch schon weiter fahren.wo sind die fische teuer in kroatien,so ein schwachsinn!!!

ad vocem
02
*lol*

Selber schuld, wenn sie in die übelsten Touristenfallen reintappen.

Weiß nicht, wie es weiter südlich ist - aber auf Istrien kenne ich einige sehr gute Lokale, wo sie z.B. für die "Klassiker" Brasse oder Wolfsbarsch max. 8-12 EUR zahlen. In Wien locker das Doppelte.

Para Dox
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Normalerweise gilt eher Istrien als teuer und der Süden als billiger.

Schlapsi
00

Bitte um Namen in Istrien, weil, wenn ich mehrere ausprobieren muss, bin ich bald konkursreif.

Anti Staberl
03

Blödsinn, dann muß man eben dorthin essen gehen, wo die Einheimischen einkehren. Und dort hast die wahren, also sehr günstigen Preise !

lustiger
00
Tipps...

... hast du das gute Tipps? Ich war letztes Jahr in Istrien und da waren die Preise wie in Wien!

Anti Staberl
00
26.8.2009, 13:32

Istrien ist nicht Koratien. Istrien ist PseudokroatischItalienisch.....so richtig kroatisch ists erst ab Split, eher noch ab Brela/Makarska bis Dubrovnik, auch die Inseln davor wie Brac, Hvar, Korcula und Mljet.

Sonny Crockett
00
28.6.2010, 10:47

Also ab Split wirds erst kroatisch...*ERBRECH*

lustiger
00
26.8.2009, 15:16

Ich weiß. Nur wollte ich auch mal nach Istrien.
Bin sonst immer gleich weiter runter gefahren. Hvar ist meine Lieblingsinsel in Kroatien und über Dubrovnik gibt's eh nichts zu sagen - einfach traumhaft.

Flash Gordon
00
Dalmatien - Brela - Restaurant Volat

Riesen Portionen, sehr gut, Aperitif und Verdauungsschnapserl aufs Haus, preiswert, Bedienung 1A.

Tipp:
gegrillte Kalmare mit viel Knoblauch oder T-Bone Steak.

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