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"Das bedeutet, dass dieser Zustand des Geistes oder des Bewusstseins als latente Erfahrungsmöglichkeit, als eine Art neuronale Matrix im Nervensystem des Menschen angelegt ist."
"Der Zustand des Highseins", schreibt der diesbezüglich selbstredend keineswegs unerfahrene Ethnopharmakologe Christian Rätsch in seinem Begleitaufsatz zu Michael Glawoggers aktuellem Film Contact High, könne "auch ohne den Gebrauch von Drogen auftreten".
"Das bedeutet, dass dieser Zustand des Geistes oder des Bewusstseins als latente Erfahrungsmöglichkeit, als eine Art neuronale Matrix im Nervensystem des Menschen angelegt ist." Der "Zustand des High" müsse also lediglich ausgelöst werden, und das könne sowohl pharmakologisch als auch nonpharmakologisch geschehen.
Einer dieser nonpharmakologischen und somit nach hiesiger Gesetzeslage völlig unverdächtigen Auslöser zumindest gärtnerischer Hochgefühle wächst in Peru und heißt Salvia discolor oder Peruanischer Salbei.
Prachtpflänzchen
Und nein, wir verwechseln den Guten jetzt nicht mit der mexikanischen Cousine Salvia divinorum, auch Wahrsager- oder Aztekensalbei genannt. Der ist ein Kapitel für sich, aber über seine offenbar vorhandenen inneren Werte hinausgehend eher unscheinbar, um nicht zu sagen hässlich. Der Peruanische Salbei hingegen ist ein Prachtpflänzchen. Er wächst etwa einen halben Meter groß und in locker schwingenden, hängenden Ästchen. Die Blätter sind oben ledrig-dunkelgrün und unten silbrig behaart. Die Blüten sind überhaupt die Sensation, denn die haben die außergewöhnlichste Farbe, die sich denken lässt:
Sie sind dunkellila, fast schwarz - und das ergibt mit dem zierlichen Blattwerk und den schlanken, silbriggrauen Stängeln ein farbig-strukturmäßiges Gesamtensemble, das an botanischer Eleganz kaum zu überbieten ist. Zudem duftet dieser Salbei außerordentlich intensiv und ist am ehesten mit dem Aroma von Schwarzen Johannisbeeren vergleichbar, und zwar in allen seinen Teilen, sodass er kleinere Räume auch olfaktorisch mit seiner Präsenz aufs Angenehmste erfüllt.
Der langen Schreibe kurzer Sinn: Der Peruanische Salbei ist eine botanische Schönheit der Extraklasse, die man sofort sein Eigen nennen möchte. Doch er ist schon in seiner Heimat selten, und noch seltener kriegt man ihn hierzulande.
Ohne Drogen high
Von Contact High konnte also die längste Zeit keine Rede sein, obwohl die Begehrlichkeit groß war seit jenem Moment, da ich eines dieser Salbeiexemplare in einem mit seltenen Pflanzen überhaupt wohlbestückten Eigenheim erblicken durfte. Da man aber nicht überall unverschämt gleich die Schere zücken und Ableger einstreifen kann, fristete ich solchermaßen angefixt in der Folge ein salbeiloses Dasein, bis ich ihn in der Kräutergärtnerei Bio Feigenhof in Simmering fand und augenblicklich erstand.
Christian Rätsch hat so was von recht. Wir Gärtner können auch ohne Drogen high sein. Kaufen Sie sich auch einen. Nicht zu viel gießen und möglichst hell stellen. Die neuronale Matrix im Nervensystem aktivieren - nur durch Schnuppern, Betrachten, Glücklichsein. (Ute Woltron/Der Standard/rondo/26/06/2009)
Tipp
Angeblich kann man, wenn man das gern hat, mit dem Peruanischen Salbei auch allerlei Räucherungen durchführen. Er zählt aber unter den vielen dafür geeigneten Salvien offenbar doch nicht zu den Besten, denn sonst hätte ihn Christian Rätsch in seinem ziemlich interessanten Buch zum Thema erwähnt. Hat er aber nicht, wohl aber unzählige andere Pflanzen sowie die uralte Kulturgeschichte, die mit dem Entzünden von Räucherwerk verknüpft ist. Sehr interessant, auch für nichträuchernde Nichtschamanen. Das Buch heißt Räucherstoffe. Der Atem des Drachen (EURO 29,90) und ist im AT Verlag erschienen.
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