Alles anders

28. Juni 2009, 16:00
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Was wurde eigentlich aus J. Lindeberg? Um die coole schwedische Marke ist es ruhig geworden - Das ändert sich jetzt

Jemandem wie Pierangelo d'Agostin begegnet man in der Modeszene nicht alle Tage. "Mode ist vollkommener Blödsinn", sagt er mit ausladenden Handbewegungen: "Um 2000 Euro kaufe ich lieber ein Kunstwerk als ein Kleid." Widerspruch ist sinnlos. D'Agostin weiß, woran er glaubt. Schließlich kennt er die Modeszene wie seine Westentasche.

Bevor er bei der schwedischen Marke J. Lindeberg engagiert wurde, werkte der italienische Designer viele Jahre bei Jil Sander. Erst unter Jil persönlich, dann unter ihrem Nachfolger Raf Simons. Was er über Letzteren zu sagen hat, macht er nur unter der Voraussetzung, dass man ihn nicht zitiert. Der High Fashion hat d'Agostin abgeschworen. Er tritt nun für "Mode mit einer konkreten Haltung" ein.

Das coole schwedische Label J. Lindeberg fällt einem dafür nicht an allererster Stelle ein. Es machte sich mit Golf-Kleidung einen Namen und seinem vom Rock 'n' Roll inspirierten Stil. Die cleane skandinavische Ästhetik trifft auf abgewetzten Gitarrenlook, sozusagen. Doch das ist schon einige Saisonen her. Johan Lindeberg, der Gründer der Marke, verkaufte vor zwei Jahren den Großteil seiner Anteile an den Peak-Performance-Gründer Stephan Engström - und zog in die USA. Dort bringt er mittlerweile William Rast, das Label von Justin Timberlake, auf Vordermann.

Green Clothing

"Ich kenne Johan nicht, und er interessiert mich auch nicht", gibt d'Agostin unumwunden zu. Rock 'n' Roll ist seine Sache nicht. Was Wunder, wenn man in seinem bisherigen Designerleben für ein dem Minimalismus verpflichtetes Label gearbeitet hat. "In Zukunft werden andere Dinge wichtig werden: Die Käufer wollen wissen, woher die Stoffe kommen und wer sie unter welchen Bedingungen verarbeitet hat." Green Clothing heißt das Zauberwort.

Noch ist das Konzept bei J. Lindeberg aber nicht wirklich spruchreif. Im Vordergrund steht anderes: Aus der Mode- und Golfmarke soll eine Mode- und Sportmarke werden. Der erste Schritt wird dabei die im Herbst in die Geschäfte kommende Skikollektion sein. Das Know-how dafür bringt Stephan Engström von Peak Performance mit. Allerdings ist diese Marke preislich ganz anders aufgestellt. Bei J. Lindeberg geht es um den Käufer, der sich bereits im schönen Flagshipstore in Soho in New York mit Röhrenjeans eingedeckt hat und am Wochenende zum Skifahren nach Aspen will.

"Warum sollen Käufer, die Wert auf Ästhetik legen, bei Skibekleidung Abstriche machen müssen?", fragt Pierangelo d'Agostin. Ja, wieso eigentlich? Von den schnellen Trends der Modeindustrie hat der Designer die Nase voll. "Jil Sander ist jetzt Chefdesignerin des japanischen Kleidermultis Uniqlo. Eine neue Zeit ist angebrochen." D'Agostin verspricht bleibende Werte. Mal schauen, wie lange sie sich halten. (hil/Der Standard/rondo/26/06/2009)

  • Mode mit Haltung ist das Zauberwort von J. Lindeberg...
    foto: hersteller

    Mode mit Haltung ist das Zauberwort von J. Lindeberg...

  • ...unter der neuen kreativen Führung von Pierangelo d'Agostin.
    foto: hersteller

    ...unter der neuen kreativen Führung von Pierangelo d'Agostin.

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