Padam statt Padam

12. Juni 2009, 12:50
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Wir könnten nämlich alle viel glücklicher sein, wenn wir uns mehr erlauben und nicht so viel verbieten würden

Zora, Leslie und Yvonne saßen in der Sauna und verglichen ihre Zehennägel, als der Typ in der hintersten Reihe Hakki anpöbelte: "Ihr habts uns gerade noch gefehlt", sagte er zu Hakki, der hier jeden Freitag in die Sauna ging. "An die Tschuschen haben wir uns noch gewöhnt, aber an euch nie! Gehst du überhaupt arbeiten? Oder beziehst Sozialhilfe, ha?"

Yvonne wollte sich den Aufguss nicht verderben lassen und rief: "Ruhe!" Hakki sagte: "Lass ihn reden, dann geht es ihm besser." Der Typ redete sowieso: "Wir wollen hier keine Moscheen, verstehst? Und keine Kopftücher, verstehst? Verbieten sollte man das. Hier sind wir daham und nicht der Islam."

Zora, die Schauspielerin, wickelte ihr Handtuch um den Kopf und stellte sich vor den Typen: "Padam statt Padam!", sagte sie laut. "Verstehst?" Der Typ verstand nicht: "Padam?" Zora nickte: "Ja genau: Padam. Wir könnten nämlich alle viel glücklicher sein, wenn wir uns mehr erlauben und nicht so viel verbieten würden. Und damit die Muslime hier glücklich sind, brauchen sie Moscheen, verstehst? Und du könntest dir einmal andere Augenlinsen erlauben statt dieser grellblauen. Du bist ja schon ganz unlustig von denen. Und ich glaube, so ein Turban würde dir auch extrem gut stehen, darf ich dir einen um den Kopf wickeln?"

Der Typ schwieg und schwitzte. Aber der Tag endete doch noch gut, vor allem für Zora. Sie verliebte sich nämlich in Hakki, weil Hakki ihr ins Ohr geflüstert hatte: "Jenseits von richtig und falsch liegt ein Ort. Dort treffen wir uns." Und Zora war anfällig für diese leisen Liebesflüstereien der Sufisten. (Adelheid Wölfl/Der Standard/rondo/12/06/2009)

 

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    Und damit die Muslime hier glücklich sind, brauchen sie Moscheen, verstehst?

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