Größe zählt

5. Juni 2009, 17:00
2 Postings

Magnumflaschen sind schön, findet Luzia Schrampf

"Weshalb eigentlich die Aufregung?" Der Freund verdreht die Augen. Dreimal innerhalb einer Stunde wird er Zeuge aufgeregten Smalltalks über eine jüngst vergangene Verkostung, bei der der Geburtstag eines Weines mit Proben aller Jahrgänge aus Magnumflaschen begangen wurde. "Eineinhalb Liter Wein in einer Flasche sind schlicht unhandlich. Diese Umbauten im Kühlschrank, wenn man sie kühlen möchte", hält er mit Vernunftargumenten dagegen, "viel zu viel für einen, und selbst zu zweit ... abgesehen von den Kosten."

Den Magnumeffekt unter Weinfans gibt es natürlich: Zunächst ist es die Vorfreude auf höchsten Weingenuss. Danach ist es die mündliche Nachbereitung, die jene, die nicht daran beteiligt waren, meist nervt. Die technische Seite der Magnum-Liebe ist leicht erklärt: Weine, vor allem jene mit höherem Anspruch, brauchen eine Reifezeit in der Flasche, um runder zu werden. Durch das Verhältnis Sauerstoff zu Flüssigkeitsmenge zu Verpackungsgröße reift Wein in Magnums langsamer und gediegener. Während bei Weinen in 0,375-Liter-Halbflaschen der eingeschlossene Sauerstoff auf eine geringe Flüssigkeitsmenge trifft, ist das Verhältnis bei größeren Gebinden deutlich besser und bei 1,5-Liter-Flaschen annähernd ideal. Auch Temperaturschwankungen im Lagerkeller wirken sich weniger direkt aus.

Viel schöner ist der psychologische Aspekt: In Magnums wird Besonderes gelagert. Wird aus der Magnum ausgeschenkt, ist das ein außergewöhnlicher Wein bei einem ebensolchen Event für spezielle Gäste. Das macht Freude.

Was ist dann gegen den Doppler vulgo die Austromagnum einzuwenden? Gar nichts, technisch betrachtet. Im Kühlschrank tat er sich immer schwer. Imagemäßig war er das Gefäß für den Schankwein beim Wirten, "bessere" Weine füllte man in Bouteillen. Wie Franz Hannabauer im wunderbaren Ersten burgenländischen Mundartwörterbuch erklärt, wurde "Doubla, der; Mz -: ... mit fortschreitender Steigerung der Lebensqualität bzw. der Lebensansprüche immer mehr von Bouteille, Stifterl u. a. kleineren Behältnissen verdrängt". Ein Dopplereffekt im Zusammenhang mit Wein kann jedoch im Vergleich zum Magnumeffekt ein unschöner sein, wie bei so manchem Gezeche schon erlebt wurde: Die Realität rauscht aus unerwarteter Richtung heran, überholt und schlägt ein. (Luzia Schrampf/Der Standard/rondo/05/06/2009)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Durch das Verhältnis Sauerstoff zu Flüssigkeitsmenge zu Verpackungsgröße reift Wein in Magnums langsamer und gediegener.

Share if you care.