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Der "schönste Tag des Lebens".
+++Pro
Von Julia Raabe
Strip am Polterabend? Selbstverständlich (wenn man denn schon zu einem angestrengt ausgelassenen Jungesellinnen- respektive Junggesellenabschied gezwungen wird), weil:
1. Fremdglotzen besser als Fremdgrapschen ist.
2. Man sich in schwierigen Momenten des Ehelebens sagen kann: "Ich habe nichts ausgelassen."
3. Man als Frau zumindest einmal im Leben Ahnung davon bekommt, wie ein Waschbrettbauch aus der Nähe aussieht.
4. Saufen allein auch keine Lösung ist.
5. Es sich nicht lohnt, wildfremden Menschen Präservative und andere Peinlichkeiten als Polterabendspiel in Fußgängerzonen zu verkaufen, nur um sich und den Freunden einen Vollrausch zu finanzieren (so lustig können Stuttgarter sein).
6. Die meisten Polterabendbudgets sich ohnehin in einem derart bescheidenen Rahmen bewegen, dass die dargebotene Vorstellung abschreckende Wirkung hat.
7. Man sonst die "Arschkarte der Spaßbremse hat" (O-Ton Kollege Christoph Prantner)
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Contra---
Von Sigi Lützow
Gekonntes Entkleiden ist, da besteht gar kein Zweifel, eine wichtige und nützliche Fertigkeit des Menschen. Und gar nichts spricht dagegen, dies auch zur Erbauung anderer zu tun. Wenn die denn moralisch gefestigt und/oder an den Agierenden, die Agierende gebunden sind. Aber welche Polternde, welcher Polternde ist schon moralisch gefestigt, am von den lieben Mitfeiernden organisierten Höhepunkt der meist gut geölten Ausschweifungen, die zuweilen bis in die frühen Stunden des "schönsten Tags des Lebens" dauern können?
Wer hielte da die Hand ins hinterhältig geschürte Feuer, dass der oder die Beglückte, völlig entflammt für den begnadeten Körper, ihn nicht besitzen will, ganz und gar? Oder, noch schlimmer, zwar entflammt, sich gerade noch zurückhält, aber im Hinterkopf das Bild hat vom schönen Leib? Wo es dann arbeitet bis zum geforderten Ja und weit darüber hinaus. Da haben die Lustigen dann einen Keim gelegt. Geht er auf, dann im schlimmsten Fall für den nächsten Polterabend, und den nächsten, und den nächsten ... (Der Standard/rondo/29/05/2009)
Die Suche in Taschentiefen oder Zimmerfluchten ersparen oder Understatement mit einem einzigen Klingelton
So ein charakterstarker Sattelschutz gibt uns den allerschönsten Schliff im Meer des seriösen Gleichklangs - Oder: der Schoner steht dem Wesen des Radfahrens entgegen
Die dumme Augustine trug sie und wurde umjubelt, aber der Modetrend gilt als Gegenteil von Freiheit
Maunchmoi is scho vü gscheida, ma bleibt bei dem wos ma dalernt hot oder Hochsprache ist Facebook-Sprache
Die gedruckte Zeitung darf nicht sterben - oder: Wenn gedruckte Gedanken zu Wischdiensten abkommandiert werden, sterben sie einen feuchten Tod
Einen Goldfisch damit nach Hause transportieren oder Liebe geht durch den Magen
Ein Zeichen einer erwarteten Gemütlichkeit oder so graziös wie Bambi auf dem zugefrorenen Teich
Ein gerade unübertreffliches Glücksrezept oder logistischer Stress durch neumodisches Brauchtum?
Weshalb das viel gepriesene "Runner's High" in der Stadt mitunter auf sich warten lässt und das duch-die-Stadt-joggen eine Sightseeing-Tour ersparen kann
"Damit sich nicht wieder irgendein Armleuchter in den Luster hängt" oder "Fröhlichkeit ganz ohne Alkohol ist immer etwas gezwungen"
Seine Entscheidung - "eine oda auße?" - jederzeit staufrei revidieren oder es ist nicht der Mensch, der den Rhythmus vorgibt
Her mit der heißen Ware, oder sind erotische Geschenke einfach nur peinlich?
"Welcher Superstar wird dich heiraten?" oder Danke, wir wollten es echt nicht so genau wissen
Wer die Lure aus dem Stockwerksautomaten am Platz genießt, versäumt nichts Spannendes - oder die Sitten im Büro sind immer nur so rau wie das Leben auf der Straße
"Das WC ist nicht Rückzugsraum, sondern reine Bedürfnisanstalt" oder: "Undenkbar, dieses Elend den Blicken einer weiblichen Laufkundschaft preiszugeben"
Heißer Tee, Suppe oder auch Punsch oder die Eismischerzunft soll endlich auf den Klimawandel reagieren
Rockgott versus Gott der Allmächtige - zumindest wenn es um die Frage nach hell oder dunkel geht
"Mindestens haltbar bis ..." - "Best before" ist schlicht irreführend übersetzt oder ein farbenprächtiger Abdruck einer Fontäne an der Toilettenwand
Weshalb der Alltag der KollegInnen schon interessant ist und portionierte Grußbekanntschaften einem weißen Wal das Leben schwer machen
In der Leichtigkeit muss man das Üppige wählen oder der Schaum, ein Traum
Gluck, gluck, und runter damit oder rot steht für Wärme, Leidenschaft und große Gefühle
Wer nicht mit Kanonen auf Brösel schießt, greift zum Bartwisch und dessen Zwilling, dem Schauferl oder ihr Traditionsritter von der traurigen Gestalt
"Du, in meinem Zelt ist eh Platz für zwei!" oder eine Mischung aus Schweiß und Uringeruch
Man kann sich, muss sich aber nicht festlich kleiden oder das Wohnzimmer ist und bleibt eine pinguinfreie Zone!
"Wer hielte da die Hand ins hinterhältig geschürte Feuer, dass der oder die Beglückte, völlig entflammt für den begnadeten Körper, ihn nicht besitzen will, ganz und gar?"
Wenn das reicht um schwach zu werden, ist es besser man kommt vor dem Ja-Wort drauf als nachher.
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