Der ging ins Netz

22. Mai 2009, 16:18
  • Ein Tennisclub, in dem Fisch von außergewöhnlicher Qualität serviert wird - das gibt es jetzt in Hütteldorf.
    foto: gerhard wasserbau

    Ein Tennisclub, in dem Fisch von außergewöhnlicher Qualität serviert wird - das gibt es jetzt in Hütteldorf.

  • Nichtmitglieder willkommen!
    foto: gerhard wasserbau

    Nichtmitglieder willkommen!

In der Kantine eines exklusiven Wiener Tennisclubs lässt sich ganz herausragender Fisch genießen

Auf den ersten Blick ist der Colony-Club in Wien-Hütteldorf bloß ein großer Tennisclub - dem dicken Parkplatz nach zu schließen, einer für die eher gut gepolsterte Kundschaft. Wer sich weiter vorwagt (was hier durchaus erwünscht ist), entdeckt aber ein mondänes Vereinshaus, an dem in der Folge nicht bloß die architektonische Qualität auffällt.

Da wäre zum Beispiel der Oberkellner der Kantine, ein Mann mit besten Umgangsformen, der so gar nicht wie ein klassischer Vertreter des grantigen Gewerbes anmutet - und sich als Miteigentümer des Clubs herausstellt. Ernst Scholdan ist eigentlich Topmanager und Immobilienentwickler, die Idee zum Kellnerieren im eigenen Club kam ihm, weil er im Zuge der Wirtschaftskrise "genug von schlaflosen Nächten" hatte. Dafür sorgt nun schiere körperliche Beanspruchung. Aber Scholdan hat sichtlich Spaß daran, den baffen Mitgliedern plötzlich richtig hochklassige Küche und Weine an einem Ort zu bieten, wo sie derlei mit Sicherheit nicht erwarten.

Sardinenfilets mit Bärlauch

Clubsandwich und Fritteusenschnitzel (bislang die stärksten Umsatzbringer) flogen gleich einmal aus der Karte, stattdessen setzt Scholdan mit seinem Küchenteam (Peter Mark und Danijel Duspara) auf Wildfisch - und zwar in einer Qualität und zu einem Preis, von der sich die einschlägigen Restaurants der Stadt gleich einmal etwas abschauen dürfen. Duspara, der schon im Langusta für hinreißende Meeresküche mit französischem Einschlag stand, füllt etwa Sardinenfilets mit Bärlauch (grandios!), bettet eine Schnitte vom Wildfang-Steinbutt auf zart gebuttertes Püree aus den ersten Frühlingszuckererbsen, bedient Sportler aber auch mit den nötigen Kohlehydraten - in Form von Spaghetti Vongole wohlgemerkt.

Auf der Standardkarte gibt es neben Suppen und Eintöpfen aus der Suppito-Küche von Scholdans Frau Andrea auch Wirtshausklassiker wie Kalbsgulyás, Backhendl oder ziemlich epochale Schinkenfleckerln. Wenn der Oberkellner aber erst einmal bei Tisch angedampft ist, um anzupreisen, was für Fisch er gerade frisch aus dem Kroaten-Kühllaster angelandet hat, wollen die Wenigsten etwas anderes bestellen: Der Mann gilt nicht zufällig als PR-Genie. (Severin Corti/Der Standard/rondo/22/05/2009)

 

Colony Club
Helene-Odilon-Gasse 1 (Ecke Stockhammerg. 8-18)
1140 Wien
Tel.: 01/911 45 42-20
tgl. 11-23, Frühstück ab 8 Uhr
VS EURO 4,10-15,90, HS EURO 6,90-18,90, Mittagsmenü EURO 10,90-12,90

Fotos: Gerhard Wasserbauer

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11 Postings

Die schmeissen Kalbfleisch in eine ungarische Hirtensuppe? Nobel, nobel!

die tennisclub-version einer sulianka....

"Gulasch" ist heute "österreichische" Küche ... auch wenn unser Gulasch etwas anders ist als das ungarische Gulyas.
Man merkt anderen Rezepten ja auch oft nicht an, wo sie herkommen ... "Wienerschnitzel" stammt aus Afrika (Methode zur Haltbarmachung von Fleisch als Reisevorrat: Paniern und bochen) und kam dann über Italien (... milanese?) nach Österreich :)

Pörkölt grüßt,

und das Wiener Schnitzel aus Afrika kann man wirklich der Hitze zuschreiben,
der momentanen!

"Wirtshausklassiker wie Kalbsgulyás"

Bfff. Immer wieder, und nicht nur hier. Gulasch scheibt sich der Wirtshausklassiker, oder das was man ausserhalb Ungarns darunter versteht.
Ein ungarisches "Gulyás" hat damit überhaupt nichts zu tun und die Verwendung dieser (hier falschen) Bezeichnung wirkt im Zusammenhang mit einem (Saft)Gulasch gekünstelt, provinziell, gespreizt...

das tolle ist..

..wie scholdan sich neu aufstellt. da ziehe ich meinen hut vor..

sie haben eine schreckliche sprache.

Ich bin ja nur ungern aussen vor, aber warum?

Ö.v.H.

"Ich bin ja eigentlich ganz anders, aber ich komme so selten dazu."

Sardinen, Olivenöl, Knoblauch -
wer braucht da schon den Mode-Bärlauch?!

Sehr übersichtlich

das Tellerbild.

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