Wein im Gerede

Lasst Tulpen sprechen

21. Mai 2009, 16:00
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    foto: apa/ap/sven kaestner

    Tulpenform bei Weingläsern

Von Gläsern, Gefäßen und Designern berichtet Luzia Schrampf

Das Yauatcha in London: Die Atmosphäre im durchgestylten China-Restaurant ist hektisch, der Geräuschpegel dementsprechend. Die Speisekarte mit Dimsum und vielem Artverwandten liest sich köstlich und bringt einen nicht dem Bankrott näher, die Weinkarte ist wohldurchdacht und fair kalkuliert. Wie die Freundesrunde erfreut feststellt, schmeckt das Essen noch viel besser, als es sich liest: feine Geschmäcker, originelle Kombinationen, alles frisch zubereitet und als Draufgabe designmäßig eins a präsentiert. Man einigt sich auf einen deutschen Riesling, Unplugged 2007 vom Weingut Tesch von der Nahe. Der wird postwendend serviert und in Gläser in der Form eines Zahnputzbechers gegossen. Die Runde hofft das Beste, aber leider - die Theorie, dass guter Wein aus jedem Gefäß gut schmeckt, geht einfach nicht auf.

Der Zahnputzbecher ist todschick, keine Frage. Dass sich die Tulpenform bei Weingläsern, mal mehr, mal weniger eckig, weltweit als Standard durchsetzte, hat einen Grund, und zwar einen triftigen: Wein riecht und schmeckt aus diesen dünnwandigen Stielgläsern einfach erfreulicher, während er im nach oben hin konisch erweiterten Kelch, dessen Glas die Stärke eines Beißrings hat, nur ein Schatten seiner selbst ist. Und gutes Essen und Trinken wird durch diese einfache Gefäßsache besser.

Ein Selbstversuch lohnt sich. Selbst der simpelste Wein wird aus einem Kaffeehäferl, aus dem Henkelglas und aus dem Stielglas anders schmecken. Für besonders feine Zungen gibt es Gläser, die durch Unterschiede in Größe und Form den Charakter der jeweiligen Rebsorte oder Region besonders klar betonen sollen. Ob es nun ein eigenes Glas für Roten Veltliner von südlich exponierten Lössterrassen oder für Cabernet vom Schotter des linken Ufers braucht, wird im jeweiligen Haushalt zu diskutieren sein.

Keine Diskussion gab es im Yauatcha. Die Bitte um ein anderes Glas kann der freundliche Kellner nicht erfüllen, wir seien aber nicht die Ersten, tröstet er. "So sorry!", aber auf die Gläser habe der Designer bestanden. Aber vielleicht nimmt er sich ja einmal Zeit für einen Selbstversuch. (Luzia Schrampf/Der Standard/rondo/22/05/2009)

Michael Holzermayr2
00
28.5.2009, 15:51
Sie trinkt den Wein

ja doch aus dem Kaffeeehäferl, siehe Kehrtwende.

jumpingjack flash
01
25.5.2009, 14:57

ein sehr guter wein im becher und ein sehr schlechter wein im geschliffenen glas schmecken nach der theorie in etwa gleich.
ideal ist die flasche - die nase an die dünne öffnung - da geht kaum aroma verloren und je nach lust und laune den hals weiter oder weniger weit in den gaumen - gluckgluck! - ein weiterer vorteil - genormte verkostung die nicht von irgendeiner glasform abhängig ist.

tramezzino
00
26.5.2009, 10:55

diese form der verkostung ist z.b. bei bieren durchaus erprobt...

"auf de hüsn, obe damit"

jumpingjack flash
00
26.5.2009, 11:22

ja, da muss das riedl-marketing noch viel arbeiten.
wie schaut das ideale nullkommajosef glas aus?

tramezzino
02
26.5.2009, 11:49

oben geschlossen ;-)

Mr. Plow
00
27.5.2009, 08:14
der tag beginnt erfreulich,

wenn man was zu lachen hat. der war gut :)

Girigaribaldimeckmeck
00
23.5.2009, 11:58
Tulpen sind auch etwas für edle Biere.

zephyri secundi
00
22.5.2009, 18:21
Stielstilgläser oder Stilstielgläser?

Argumentationsnotstandshilfespender
00
30.5.2009, 13:23
still zerbrochne

durchdestylte stilstielgläser

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