Spontan am Pool getraut

13. April 2009, 16:25
  • Der Ort Oia thront 300 Meter hoch über der Ägäis auf der Steilküste von Santorin. Im Frühling hält sich der Kreuzfahrttourismus noch in Grenzen.
    foto: pixelio.de/schwizer

    Der Ort Oia thront 300 Meter hoch über der Ägäis auf der Steilküste von Santorin. Im Frühling hält sich der Kreuzfahrttourismus noch in Grenzen.

  • Anreise & Unterkunft:
Flüge mehrmals pro Woche z. B. von Wien aus via Nürnberg nach Santorin mit Air Berlin Hotel "Perivolas Traditional Houses", Tel: 0030/22860/71308
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    Flüge mehrmals pro Woche z. B. von Wien aus via Nürnberg nach Santorin mit Air Berlin
    Hotel "Perivolas Traditional Houses", Tel: 0030/22860/71308

Santorin steht für Romantik und wird von vielen Verliebten überrannt. In der Vorsaison findet man auf der Kykladen-Insel noch unberührte Flecken

Sie passen auf den ersten Blick nicht mehr ganz in die Zeit. Trotzdem gibt es noch etwa 250 davon auf dieser Insel. Ihre Besitzer verdienen gut an ihnen, vermieten sie für bis zu 50 Euro pro Tag. Und das nicht an die vielen Fremden, sondern vielmehr an Einheimische: an die, die an schwierigster Stelle bauen wollen, wo mit Lastwagen, mit Kränen nichts zu wollen ist. Die Maulesel sind es, die Santorins gewagte Bauvorhaben möglich machen - Hotels am Abhang, Restaurant-Terrassen über dem Abgrund in Oia, in Firostefani und Imerovigli mit bestem Blick aus bis zu 300 Meter Höhe herab auf den gewaltigen wassergefüllten Krater, auf die vorgelagerten Inseln Thirassia, Nea und Palea Kameni. Und auf den Sonnenuntergang!

Denn vor allem deswegen kommen die Fremden aus aller Welt hierher und sind plötzlich bereit, zehn Euro für ein gutes Glas Wein, 18 für einen Salatteller, und beizeiten über 300 für ein Zimmer zu zahlen. Sie kommen, wegen der besonderen Aussicht von jenen drei Bilderbuch-Orten aus. Santorin, eine halbe Flugstunde von Athen entfernt und erst durch einen gewaltigen Vulkanausbruch vor rund 3600 Jahren in seine heutige Form gepresst, ist die Kykladen-Insel der Honeymooner, weil hier die Kulisse stimmt. Weil sich schneeweiße Quaderhäuser und hellblaue Kuppeln an den Kraterrand des eingestürzten und längst mit Ägäis-Wasser gefüllten Vulkans von einst klammern, über dem Abgrund zu schweben scheinen und von dort jenen Bildband-Titelfoto-Ausblick bieten. Die trittsicheren Maulesel machen es möglich, Zementsäcke und Steine noch über schmalste Pfade zu schleppen. Tief unten zerschneiden derweil Kreuzfahrtschiffe und stattliche Privatyachten die spiegelglatte See.

Im Hochsommer sind es viele, die auf der Steilküsten-Seite der Insel diesen Zauber suchen - die Passagierscharen der manchmal zeitgleich fünf Kreuzfahrtriesen auf Reede, die Tagesausflugs-Touristen aus dem Badeort Kamari an der gegenüberliegenden Inselseite, wo die Strände sind. Sie stehen sich beim Träumen gegenseitig im Weg. In der Nebensaison bis Mitte Juni und wieder ab September ist das anders. Da entfaltet diese Insel ihr Flair. Und diejenigen, die es als Hotelier oder Gastwirt mit inszenieren, als Fremdenführer daran teilhaben, als Winzer für den Geschmack Santorins sorgen, können selber durchatmen, haben wieder Zeit für einen Plausch - und erzählen, was sie an ihrer Insel so lieben.

Joy Kerluke zum Beispiel stammt aus Vancouver, ist seit zwanzig Jahren hier, kam natürlich der Romantik und blieb der Liebe wegen. Sie verliebte sich in den Fischer Dimitri und machte eine Taverne mit ihm auf. Abseits vom ganz großen Rummel direkt an der Kaimauer des alten Fischerhafens Ammoudi: das letzte Haus, bevor die Felsen beginnen. Das Meer schwappt nur fußbreit von den Tischbeinen entfernt. Es duftet nach gegrilltem Hummer, nach Dorade mit Dill und Zitrone. Wenn sie die Stille von vor zwanzig Jahren wieder haben will, steht Joy morgens früh auf, läuft den schmalen Pfad am Felsrand, der neben ihrer Taverne beginnt, bis zum Ende - und badet ganz allein im 22 Grad warmen Wasser: "Du siehst von dort aus niemanden, hörst nur die Wellen gegen den Stein schlagen, kannst bis zum Grund schauen."

Paris Sigalas unterdessen ist die Tageszeit egal - Hauptsache er ist in der Nähe seiner Reben. Sein Lieblingsplatz ist vor der kleinen Kirche von Kira Panagia auf einer Anhöhe außerhalb von Oia - weil er Gott nah sein kann. Und weil er von dort aus sein Weingut überschaut. 300.000 Flaschen, vor allem kräftig-harzigen Asirtiko-Athiri und süße Dessertweine produziert er jedes Jahr. Zu seinen Kunden gehört sogar Spitzenkoch Alain Ducasse - und Hotelier Kostis Psychas, dessen traditionelles Höhlenhotel am Ortsrand von Oia keine drei Kilometer entfernt ist. Psychas hat seinem Koch vorgeschlagen, Rindsfilet in einer Soße aus Sigalas' Vinsanto-Wein anzurichten. In den Genuss dieser Kreation kommen ausschließlich die 40 Gäste von Psychas' "Perivolas Traditional Houses", denn sein Restaurant ist den Hausgästen vorbehalten. Zu den Stammgästen des Honeymooner-Resort zählt der Dorfpriester - weil er immer wieder Hochzeiten auf der Terrasse neben dem Pool zelebrieren muss. Manche durchaus spontan. (Helge Sobik/DER STANDARD/Rondo/10.4.2009)

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6 Postings
Werde am 6.6.2009 heiraten und in Santorin nach einer Woche Unterricht in der Freizeitakademie flittern...

Freu mich schon wie ein Hutschpferd, auf die Hochzeit, das Seminar und die Zeit mit meiner Herzallerliebsten :-)

Ich habe dort im Mai 2004 geheiratet!

Es war wunderschön - Ja-Wort (fast) im Sonnenuntergang! Ich kann's echt empfehlen (Santorin, nicht die Ehe)!

Santorin vs. Ehe

Wenn das nur nicht ihre Frau liest!

mir egal,

wir lassen uns g'rad scheiden.

ma, so scheee

so ein artikel, direkt an einem arbeitstag, NACH den feiertagen, ist fast schon gemein....
*seufz*

...und zu empfehlen ist die taverna kapari in thira. sehr gemütlich und vor allem seehr schmackhaft und süffig!

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