Angeblich schmatzen sie so laut, dass sie die Nachtruhe stören, die Dickmaulrüssler - aber nicht mehr lang, sagt Ute Woltron
Einer der lieblicheren Nebeneffekte dieser Kolumne besteht darin, dass der Gesprächsstoff nie ausgeht. Auch nicht in ernsthaften Situationen, wenn man zum Beispiel die derzeitigen Höhen und Tiefen der internationalen Bauindustrie durch investigativ angelegte Gespräche auszuloten versucht.
Den Developern von Dubai, sage ich zu einem, der's wissen könnte, bröseln die Großprojekte jetzt aber schon deutlich weg. Oder?? Und wer denn da aller betroffen sei.
"Ja, ja", meint das nadelgestreifte Gegenüber nachdenklich, "alles ziemlich furchtbar dort unten in der Wüste." Pause. "Doch", sagt er, die plötzliche Stille überwindend, "Sie schreiben doch auch über Garten, nicht wahr?" Er habe da seinerseits eine Frage, die naheliegender sei als Dubais elende Hochhaustürme, weil gewissermaßen ums Eck auf seiner Wiener Terrasse gelegen: "Was, verdammt noch einmal, unternimmt man gegen Dickmaulrüssler?"
Es graue ihm vor der neuerlichen Invasion dieser erbärmlichen Käfer, die jetzt im April zu erwarten sei. Habe er doch bereits im Vorjahr zahllose Nächte gemeinsam mit der Gattin, mit der Taschenlampe um seine niedergefressenen Pflanzen herumkriechend, verbracht, um diese verdammten Käfer abzusammeln und zu vernichten.
Her mit den Nematoden
Gegen Dickmaulrüssler ist tatsächlich kaum ein Kraut gewachsen, und diese gefräßigen Viecher können selbst jedweder anderen Kreatur gegenüber ganz milde gestimmte Naturschützer in eine gewisse Radikalität treiben. Biologisch bewusste Gärtnerinnen und Gärtner gestehen dann in stillen Stunden, dass sie heimlich bereits zum Gift gegriffen hätten. Effekt gleich null.
Auch das Käfereinsammeln ist gar nicht so einfach, weil die etwa einen Zentimeter großen Viecher zum einen nachtaktiv sind und zum anderen im Falle der Gefahr eine erstaunliche Hurtigkeit an den Tag legen können. Sie lassen sich ins Unterholz fallen, auf Nimmerwiedersehen.
Außerdem sind Dickmaulrüssler äußerst resistente Naturen. Mit Gift kommt man ihnen sowieso nicht bei, man muss sie vielmehr mit ihren natürlichen Feinden zu Fall bringen. Der einzig gangbare Weg ist also das rechtzeitige Einbringen von Nematoden in den Erdboden. Nematoden sind Fadenwürmer, die den Dickmaulrüsslerlarven den Garaus machen, welchselbige übrigens noch wesentlich lästiger sind als die erwachsenen Käfer, weil sie unermüdlich die Wurzeln benagen und damit die ganze Pflanze ums Eck bringen können.
Balkonkasten- und Terrassentrogphänomen
Jetzt ist der ideale Zeitpunkt für den gezielten Angriff, denn die Nematoden wollen in Erde, die wärmer ist als zehn Grad, die aber noch nicht zu sommerlich aufgewärmt ist. Sie werden in der Dämmerung eingegossen, weil sie Licht nicht gut vertragen. Eine zweite Attacke kann dann im September in Angriff genommen werden.
Die Dickmaulrüsslerplagen sind eher ein urbanes Balkonkasten- und Terrassentrogphänomen. Man schleppt sie mit Blumenerde und Containerpflanzen ein, und in Trögen und Töpfen vermehren sie sich in der Folge mangels natürlicher Feinde wesentlich besser als in den weiten Erdböden des freien Landes.
Mitunter werden ihrer so viele, dass geplagte Balkongärtner, angststarr nächtens in den Betten liegend, ihr stetes, knisterndes Malmen zu hören vermeinen. Behaupten sie jedenfalls. (Ute Woltron/Der Standard/rondo/10/04/2009)
Tipp
Diverse Bezugsquellen für Nematoden und andere Nützlinge in
verschiedenen Verpackungsgrößen bekommt man über die Umweltberatung.
Dieser traditionsreiche Verband Österreichischer Umweltberatungsstellen
hat übrigens auf seiner Homepage (www.umweltberatung.at) eine ganze
Reihe sehr hilfreicher downloadbarer Broschüren für umweltbewusste
Gärtnerinnen und Gärtner parat. Zum Beispiel einen mit dem Titel
"Natur-Nische Hausgarten".
Übrigens haben die Nematoden noch
einen großartigen Nebeneffekt, wenn man die Dickmäuler mit ihrer Hilfe
einmal dezimiert hat: Sie vernichten auch Schnecken, die braven kleinen
Tierchen.