Conrad Seidl war als Juror bei der Meisterschaft der Hobbybrauer
Warum nur tut sich jemand so etwas an? In der eigenen Küche Bier zu brauen ist viel Arbeit. Sehr viel Arbeit. Man muss schon ein sehr gutes Bier im Auge haben, wenn man sich diese Mühe macht.
Umso erstaunlicher ist es, dass viele Kleinstbrauer so versessen darauf sind, gängige Bierstile nachzubrauen. Gibt es nicht schon hervorragende Pilsbiere auf dem Markt? Und Märzenbiere, die genau den österreichischen Geschmack treffen? Ja, die gibt es. Und wenn man einige der Biere kostet, die für die Staatsmeisterschaft der Haus- und Kleinbrauereien eingereicht worden sind, dann muss man einräumen, dass die in kommerziellen Brauereien hergestellten Biere vielfach wirklich besser sind: Da sind die Sudhäuser und Gärkeller eben daraufhin optimiert, dass keine störenden Aromen auftreten - insbesondere das Dimethylsulfid (DMS), das durch ungenügende Kochtechnologie auftritt, kann den Bieren aus den Hobbysudanlagen einen unangenehmen Gemüsesuppengeruch verpassen.
Zur Ehre der Hobbybrauer sei gesagt: Natürlich tritt dieser Fehler nicht in allen Bieren auf - es gibt Bierstile jenseits von Pils und Märzen, bei denen ein allfälliger DMS-Fehler gar nicht auffällt. Und es gibt Biere aus Hobby-Produktion, die kommerziell gebraute Biere weit übertreffen. Bei der Meisterschaft vor zwei Wochen gewann etwa ein stark gehopfter Weizenbock - in ganz Österreich braut niemand etwas Vergleichbares. (Conrad Seidl/Der Standard/rondo/03/04/2009)