Jetzt geht's los

28. März 2009, 16:00
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Die Saison ist eröffnet, und der Winter kann uns gernhaben, frohlockt Ute Woltron

Strom und Bäche sind zwar noch nicht gänzlich vom Eise befreit, und so ganz in die rauen Berge hat sich der Winter auch noch nicht zurückgezogen, doch das ist uns hiermit wurscht. Denn: Ab sofort wird drinnen vorgezogen, was die Töpfe halten und was die Fensterbretter tragen. Jetzt ist die beste Zeit dafür.

Um Letztere, also den idealen Moment der Anzucht, werden erbitterte Glaubenskriege ausgetragen. Da wollen wir uns aber gar nicht einmischen - denn jeder, wie er muss. Fest steht jedenfalls, dass zu frühe Ansaat drinnen den kleinen Pflanzen eher schadet als nützt. Den meisten zumindest, es gibt auch Ausnahmen wie Artischocken oder Spinnenblumen, die länger brauchen, um zu keimen, oder ganz einfach langsamer wachsen. Auch bei Paprika und Pfefferoni schadet's erfahrungsgemäß nicht, ein bisschen früher zu beginnen.

Die überwältigende Mehrheit an Paradeisern und anderem Gemüsezeugs wird idealerweise aber erst jetzt gesät, weil die Pflanzen sonst bis zum Zeitpunkt des Aussiedelns in die freie Natur gerne zu langhaxig und bei der chronisch an den Tag gelegten Überbetutterung auch zu mastig werden, um den frischen Winden draußen später dann die entsprechenden Muskeln entgegensetzen zu können. Der Begriff "Glashauspflanze" kommt ja schließlich nicht von ungefähr, und von Luftzügen gebeutelte Pflanzen entwickeln eine ganz andere Stabilität als Kreaturen, die nie Widerständen ausgesetzt waren. Ein Sinnbild, auf welchselbiges hier aber nicht eingegangen wird ...

Umfächelte Pflänzchen

Bis Mitte Mai, wenn ausgepflanzt werden kann, ist es, wie gesagt, auch jetzt noch lang genug. Doch die Ungeduld treibt auch bei den Gärtnern die seltsamsten Blüten. Einer von ihnen, dem diese Warterei unerträglich wurde, nimmt die Abhärtung der Setzlinge frühzeitig folgendermaßen in Angriff: Er umfächelt seine Pflänzchen ab einer gewissen Größe regelmäßig mit einem mehrstufig regulierbaren Ventilator. Bei wechselnden Windrichtungen, versteht sich, denn krumm sollen sie ja auch wieder nicht werden, die lieben Kleinen.

Einen interessanten Tipp für Leute, die zum Beispiel einen Vorsprung mit Bohnen oder Erbsen herausschinden wollen, konnten wir dem im RONDO bereits besprochenen hervorragenden Buch "Gemüse für jeden Garten" von Alan Buckingham entnehmen: Man besorge sich eine Dachrinne aus Kunststoff, wie es sie in jedem Baumarkt gibt. In die fülle man Erde und in den gewünschten Abständen die Samen und horte je nach Gier ein paar Laufmeter davon an hellen Stellen. Zur rechten Zeit im Mai gräbt man dann im Garten eine wohldimensionierte Rille, schiebt aus der Rinne die gesamte Erde samt Setzlingen hinein - und hat auch wieder mächtig Zeit geschunden. (Ute Woltron/Der Standard/rondo/27/03/2009)

Tipp

Die Frage des Gießens feiner Keimlinge ist eine heikle, weil man ja nicht gleich mit groben Wassergüssen das zarte Grün ersäufen, knicken oder hinwegschwappen will. Deshalb empfiehlt es sich hier - wie übrigens an vielen anderen Stellen auch, worauf wir in Grünzeug-Folgen heuer noch näher eingehen werden - gewisse Instrumente zweckentfremdet einzusetzen. Diesfalls zum Beispiel jene kleinen Kunststofffläschchen mit gießrosettenartigen Deckeln, die vor ewig Zeiten erfunden wurden, um die Bügelwäsche einzuspritzen. Sie sind die idealen Gießinstrumente für Anzuchtschalen: sanfte Wassergaben, auf Fingerdruck perfekt dosierbar. Es gibt sie in den Haushaltsabteilungen von Baumärkten.

 

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    Fest steht jedenfalls, dass zu frühe Ansaat drinnen den kleinen Pflanzen eher schadet als nützt.

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