Jung, aber alt

19. März 2009, 17:06
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The Reverend Peyton's Big Damn Band: "The Whole Fam Damnily" - William Elliott Whitmore: "Animals In The Dark" - Bonnie 'Prince' Billy: "Beware"

THE REVEREND PEYTON'S BIG DAMN BAND: "The Whole Fam Damnily"
(Side One Dummy / Trost)

Das Familienunternehmen aus Indiana spielt laut eigenen Angaben "Down Home Low Down Roots Blues" und entwickelt dabei eine interpretatorische Wucht, die in der Bluesszene ihresgleichen sucht. Mit National-Steel-Gitarre, Waschbrett und minimalem Schlagzeug poltert der Reverend gemeinsam mit Gattin und seinem Bruderherz entlang der brutal aufgebrochenen Trennlinie zwischen Country Blues und Punk. Er besingt mit gewichtigem Bariton das harte Leben (Can't Pay The Bill, Wal-Mart Killed The Country Store, Why Is Everybody Getting Paid But Me) wie auch das gute Essen (Mama's Fried Potatoes). Grandios und herzerwärmend, wie hier einem abgespielten Stil frisches Leben eingeprügelt wird. Ausgerechnet in Österreich hat diese große kleine Band eine Entsprechung, die Los Torpedos aus dem Mühlviertel. Live kann man den Reverend am 23. Mai in Völkermarkt erleben - und am 24. 5. im Wiener Chelsea.

WILLIAM ELLIOTT WHITMORE: "Animals In The Dark"
(Anti-/Edel)

Der Expunk und heutige Farmer aus Iowa schlägt in eine ähnliche Kerbe wie Reverend Peyton. Nur dass es dem 31-Jährigen mit der altersgebrochenen Stimme im Vergleich doch sehr an Jux und Tollerei mangelt. Mit Gitarre, Cello, Orgel und Banjo rührt uns der manchmal an Tom Waits erinnernde Trauer- und Bluesbarde allerdings auch auf seinem mittlerweile fünften Album zu Tränen, etwa in den großen Songs Who Stole The Soul oder im ganz und gar nicht depressiven Schlusstitel A Good Day To Die.

BONNIE "PRINCE" BILLY: "Beware"
(Domino/Edel)

Songwriter-Gottheit Will Oldham aus Kentucky veröffentlicht mittlerweile schneller Platten, als man diese als Konsument überhaupt noch nachhören kann. Die neuesten, behutsam zwischen Gospel, Country und Folk instrumentierten Songs bieten herzergreifende Melodien und doppelbödige Texte, die dem Tod ins Gesicht lachen. Der letzte Humor ist bekanntlich der Galgenhumor. (Christian Schachinger, RONDO - DER STANDARD/Printausgabe, 20.03.2009)

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    cover: side one dumme / trost
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