Verschrotten

19. März 2009, 17:07
posten

Da hast du beim Verschrotten sogar Glücksmomente, die nennen das dort nämlich Umweltprämie

Zora konnte mit dem Schauspielen kein Geld mehr verdienen und setzte jetzt auf Schrott. "Das ist krisensicher", erklärte sie ihren Freundinnen. "Du kaufst billig einfach einen alten Wagen, dann lässt du ihn verschrotten, kriegst diese Verschrottungsprämie, kaufst dir ein neues Auto, das du wieder verscherbelst, und es bleibt dir das Geld von der Prämie." Zora war durch die Finanzkrise ziemlich wohlhabend geworden. Am besten, flüsterte sie Leslie ins Ohr, laufe das Geschäft zurzeit in Italien. "In Spanien kriegst du ja nur 1800 Euro Verschrottungsgeld, in den Niederlanden überhaupt nur 1000 Euro, richtig gut sind aber die italienischen Incentivi alla rottamazione", Zora rollte das "r" genussvoll: "5000 Euro auf die Hand." Auch ganz o. k. zum Verschrotten sei Deutschland. "Da hast du beim Verschrotten sogar Glücksmomente, die nennen das dort nämlich Umweltprämie, und deshalb fühlst du dich während des Verschrottungsaktes moralisch gut."

Leslie wollte auch eine Prämie. "Ich bin immer mit der U-Bahn gefahren und habe sicher mit dem Benützen Ihrer Wagengarnituren dafür gesorgt, dass Sie einige von den Waggons schon verschrotten konnten", schrieb sie an die Verkehrsbetriebe. "Bitte teilen Sie mir mit, wie viele Waggons Sie in den vergangenen 35 Jahren verschrottet haben. Ich stelle Ihnen dafür auch nicht die Verschrottungsprämie für die Busse in Rechnung, obwohl ich acht Jahre lang mit Ihrem Bus gefahren bin. Allerdings habe ich da wenig zum Verschrotten beigetragen, weil ich meistens nur gestanden und nicht gesessen bin, weil kein Platz mehr war." (Adelheid Wölfl/Der Standard/rondo/20/03/2009)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Am besten, flüsterte sie Leslie ins Ohr, laufe das Geschäft zurzeit in Italien.

Share if you care.