Lammhaxen und Armleuchter

  • Ein bisschen behübscht präsentiert sich das Interieur des "Limes" am Hohen Markt.
    foto: gerhard wasserbauer

    Ein bisschen behübscht präsentiert sich das Interieur des "Limes" am Hohen Markt.

  • Die Küche aber zeigt jetzt ganz ordentlich auf.
    foto: gerhard wasserbauer

    Die Küche aber zeigt jetzt ganz ordentlich auf.

Konstantin Filippou, gefeierter Koch des Novelli, zeichnet nun auch für das preiswerte Essen im Limes verantwortlich

Als das Limes vor bald einmal vier Jahren als durchaus gutmütige Promenadenmischung aus Versicherungskantine und gelacktem Restaurant aufsperrte, da waren die Nuller-Jahre noch ziemlich jung - und Zebranoholz, lederne Loungesofas und retromodernistische Möblage noch kein Grund, auf dem Absatz kehrtzumachen. Selbst Fusion-Cuisine (die einst angestrebte Küchenlinie) hatte da noch nicht den Beigeschmack einer gefährlichen Drohung.

Inzwischen sieht das Design aber ziemlich altbacken aus, weshalb die Betreiber nun ein paar neue Fauteuils aufstellen und die Tische mit mächtigen Armleuchtern versehen ließen. Was soll man sagen? Schiacher ist es nicht geworden, durch die Kerzen wurde das Licht sogar deutlich wärmer als mittels der altmodischen Halogenleuchten.

Urtümliche Mittelmeerküche

In der Küche hingegen wurde richtig umgerührt: Konstantin Filippou vom ungleich hochklassigeren Novelli (das auch zu den Lokalen der Brüder Haslauer gehört) konnte für die Konzeption der Karte gewonnen werden. Dieser Tage steht er sogar immer wieder selbst hinterm Herd, um die Mannschaft auf Linie zu trimmen. "Wir wollen geradlinige, durchaus urtümliche Mittelmeerküche bieten", sagt er, "mit kraftvollen Suppen, viel Geschmortem. Außerdem will ich zeigen, dass sich aus günstigen Fischen wie Sardine, Sepia, Makrele unwiderstehliche Gerichte machen lassen".

Die Preispolitik war bei der Gestaltung der Karte nämlich durchaus zentral. Mit Hauptspeisen zwischen 8,50 und 15 Euro präsentiert sie sich nun einigermaßen krisenfest. Die dicke Fischsuppe ist mit reichlich Bouchotmuscheln, einem ordentlichen (und wunderbar saftig pochierten) Stück Goldbrasse und obligater Garnele prächtig ausgestattet - sehr gut. Sie wird bei Tisch aus der Terrine geschöpft und reicht locker als Hauptspeise. Roh marinierte Sardinenfilets mit Chili, Koriander und knackigen Gemüseschnipseln sind eine frühlingshafte Vorspeise.

Frittierte Seppioline schmecken geradezu süß vor Meeresfrische, hinterlassen aber einen wenig animierenden Fettfilm auf dem Teller. Lammhaxe wird mit allerhand Gewürzen löffelweich geschmort, fällt mürb und doch saftig vom Knochen und schmeckt samt Polenta und gebratenem Gemüse durchaus so, dass auch die sprichwörtliche Nonna ihre Freude daran hätte. Viel besser wird man in der Stadt um dieses Geld derzeit kaum mediterran essen können - das Ambiente muss man halt schlucken. (Severin Corti/Der Standard/rondo/13/03/2009)

Limes
Hoher Markt 10
1010 Wien
Tel.: 01/90 58 00
Mo-Sa 9-24 Uhr
VS EURO 6,50-10,50 HS EURO 8,50-15,50 Mittagsteller EURO 5,80-7,50
samstags Brunch 9-17 Uhr

Fotos: Gerhard Wasserbauer

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