Sei kein Schaf, bau selber an!

5. März 2009, 14:18
  • Artikelbild
    foto: apa/harald schneider

    Sitzt nicht herum, sondern fangt einfach an!

Eigenes Gemüse im Garten und auf Balkonen zu ziehen galt lange als leicht hinterwäldlerisch - Damit ist endgültig Schluss, sagt Ute Woltron

Diese Geschichte ist die Aufforderung, ausnahmsweise über ein Thema nachzudenken, dessen man sich in Zeiten des Überflusses und des Wohlstandes vielleicht gerade einmal als Hobby annimmt. Ein Thema, das für viele wenig mehr als eine reizende Schrulligkeit darstellen mag, das aber in mageren Zeiten das Überleben von Millionen Menschen sicherte: Es geht um das Thema Selbstversorgung mit Gemüse, mit Früchten und anderen pflanzlichen Lebensmitteln.

Wir haben als "Grünzeug" im RONDO, dessen Jubiläumsnummer Sie in Händen halten, in den vergangenen Jahren versucht, dieses Äckerchen auf humorvolle Art und Weise zu bereiten. Wir haben über Paradeiser und Erdäpfel berichtet, über Erdbeerzüchter und Röhrlsalat-Schnitter. Heute wird's aber ernst: Wir fordern Sie nämlich auf, Ihren persönlichen Beitrag zu Umwelt und Klimaschutz zu überdenken.

Denn, wie der US-amerikanische Garten- und Nahrungsexperte Michael Pollan unlängst keinem Geringeren als dem neuen Präsidenten Barack Obama in einem offenen Brief zur Kenntnis brachte: "Wenn wir uns aus dem industrialisierten Nahrungssystem ernähren, essen wir Öl und spucken Treibhausgas."

Zehn fossile Kalorien

Nach dem Auto ist die Produktion von Nahrungsmitteln mit geschätzten 19 Prozent der zweitgrößte Verbraucher von fossilen Energieträgern. 1940, rechnete Pollan vor, bedurfte es erst einer einzigen Kalorie fossiler Ressourcen, um 2,3 Kalorien verwertbarer Nahrung herzustellen. Mittlerweile sind wir mitsamt Düngemitteln und Pestiziden, mitsamt dem Irrsinn transkontinentaler Transportwege und dem entsprechenden Verpackungswahnsinn bei zehn fossilen Kalorien angelangt, um eine einzige verzehrbare zu produzieren.

Wenn wir also von Klimastrategien und Umweltschutz reden, dann muss die Nahrungsmittelproduktion direkt und unverblümt mit eingerechnet werden. Und, wie bereits erwähnt, können wir alle, wenn wir wollen, einen kleinen Beitrag auch dazu leisten. Unsere Ausgangsposition als Nation ist nicht übel. Erstens verfügt Österreich über eine vergleichsweise kleinteilige und erfreulich bio-orientierte Landwirtschaft. Zweitens gibt es jede Menge Leute, die sich auskennen und von denen diejenigen, die keine Ahnung haben, rasch lernen könnten.

In Großbritannien, in den USA, in allen möglichen anderen Ländern dieses prachtvollen Erdenrundes keimen derzeit nicht zuletzt im Schatten der sich abzeichnenden Krise diverse Initiativen, die die Menschen wieder in die Gärten locken wollen.

Freiluftbetätigung und Geschmackserlebnisse

Gerade hat der britische National Trust seinen eigenen Garten im Zentrum Londons seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern als Gemüsegarten zur Verfügung gestellt und die im Besitz befindlichen Latifundien im gesamten Königreich nach zu bepflanzenden Freiflächen analysiert. Die werden um geringstes Entgelt Privaten zur Verfügung gestellt und mit Gemüse bepflanzt. Die Nachfrage übersteige bei weitem das Angebot, sagte Trust-Chefin Fiona Reynolds unlängst zum Guardian: "Da liegt eindeutig etwas in der Luft."

Gärtnern bedeutet, die Sonne zu ernten, die Nahrungstransportkette zu verkürzen, totale Befriedigung bei körperlicher Freiluftbetätigung zu erfah- ren und köstlichste Geschmackserlebnisse einzufahren. Frei nach Goethe also unsere Aufforderung: Sitzt nicht herum, sondern fangt einfach an! (Ute Woltron/Der Standard/rondo/06/03/2009)

Ain't got no how watchamacallit
00
15.3.2009, 21:45

gute idee, hab das in unserem kleinen gärtchen in wien mal probiert… 5 tomatenpflanzen brauchen im sommer täglich literweise wasser, geerntet wird dann was die vögel überlassen und das reicht für zweimal tomatensalat für 2 personen, zahlt sich vom aufwand für mich nicht aus…

(k)eine Österreicherin
00

das literweise wasser stimmt schon, aber sonst bin ich über die reichliche tomatenernte in meinem winzigen wiener gärtchen glücklich :D

Boba Fett
00
Wien muss London werden.

zumindest von den »100 pieces« nicht der schlechteste einfall, nur kam der zu einem zeitpunkt, der das ganze als [kunst?]-alibihandlung entlarvte: das »Trümmerfrauengarterl« in der Hofburg.

mittlerweile doch sehr ueberlegenswert, die Londoner idee fuer Wien zu uebernehmen. gaertnern im Augarten, super!

Sima, uebernehmen Sie!

spectaculans
00
Super!

Dort werden ja die original Automaten gezogen,
Auauberginen könnte es auch prächtige geben!

invisiblehand
00
Au-Garten!

Klingt super, aber: haben Sie die Schnecken bedacht? :-)

Boba Fett
00
schnecken aller art - immer willkommen!

;))

und wenns schon zuviel werden - die Ute hat doch eh unter
http://derstandard.at/?id=1577836882884
einen [gegen][vor][schlag] in petto, oder?

invisiblehand
01
Gegen-Schläge

Danke für den Hinweis - ich lese wohl noch immer zuwenig! Werd's mir zu Herzen nehmen und all die netten Tipps dieses Jahr ausprobieren. Bisher hat ein Konservenglas mit purem Essig als letztes Bad für die Eingesammelten gut funktioniert, aber da muss man wirklich um 5 Uhr losziehen... und die so Konservierten isst mir daheim auch keiner :-)

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.