Hofers heldenhaftes Haltbarkeitsdatum

4. März 2009, 16:55
7 Postings

Andreas Hofers Rebellion jährt sich zum 200. Mal. Die Konservierung eines Heldenmythos ist dem Museum in St. Leonhard aber zu wenig

Andreas Hofer, die Flasche, hat es weit gebracht an einem einzigen Nachmittag. Gegen zwölf in Meran zugestiegen - fast nach Mafia-Art: zack und hinein in den Kofferraum! Dann, vom Treffpunkt Vinothek aus, die Serpentinen hinauf und Tirol in drei Minuten durchquert. Nicht das ganze Land zwar, aber immerhin das Dorf Tirol mit seinem gleichnamigen Schloss, das seit mehr als 850 Jahren über dem Meraner Talkessel thront.

Im unterwegs aufgelesenen roten "Andreas Hofer" - einem fürs Jubeljahr gekelterten Vernatsch - haben die Produzenten des milden Vorderpasseier bereits eine Ahnung des Südens eingebettet: Mannder'sches Mandelaroma. Die Geschmäcker der Kindheit passiert man entlang der weiteren Route: Cox Orangenette, Reinette, Calville. Äpfel also, die einst in Watte gewickelt an Königshöfen landeten.

Auch jetzt, Ende Februar, prägt der Gleichschritt laubloser Bäumchen die terrassierten Hänge des unteren Passeiertals. Keck stehen hier und da ein paar Palmen-Hardliner im frischen Schnee. Schmäler sind die Straßen geworden und die Kurven enger, so, dass das Schütteln Andreas Hofer, der Flasche, vermutlich nicht bekommt. St. Leonhard liegt nun am Weg, und natürlich der alte "Sandwirt", wo einst alles begann: Der Aufmuck gegen Bayern und Franzosen, der ganze Mannder-Mythos, an den nun das neu restaurierte Museum erinnert, in das wir - Heiliges Tirolerehrenwort! - noch ehrfürchtig zurückkehren wollen.

Wo die Schönheit wohnt

Doch zunächst soll das Passeiertal, die herrliche Heimat des Andreas Hofer, dessen Rebellion sich heuer zum 200. Male jährt, noch ein wenig zeigen, wo die Südtiroler Schönheit wohnt. Also nur weiter bergauf! Per Gaspedal in Richtung Moos geklettert, wo der Weg ins Hinterpasseier bis zum gesperrten Timmeljoch immer abenteuerlicher wird. An den Felswänden schimmern meterlange Zapfen und blaues Eis - eine Outdoor-Orgel, durch die der Gebirgswind pfeift. Und Südtirols gigantischer Eisturm, ein zwanzig Meter hohes Konstrukt aus Eisnadeln und Traversen, lockt nicht nur die besten Eiskletterer der Welt nach Rabenstein. Auch unter den Amateuren ist die Trendsportart in Südtirol längst populär gewordenen.

Historische Relikte wie das einst höchstgelegene Bergwerk Europas am Hinterpasseier Schneeberg liegen am Weg. Bis zu tausend Knappen schürften dort Blei und Zink und errichteten ein eigenes Dorf, das sich längst in ein Schaubergwerk plus Freilichtmuseum verwandelt hat. Sinnlicher entfaltet sich die Hofer-Heimat aber an einem anderen Talschluss.

Wo vom Passeiertal in südwestlicher Richtung das Pfelderer Tal ansteigt, führt auch ein Weg in die Isolation des Naturparks Texelgruppe hinein. Bei Pfelders steht man schließlich vor den für Autos verschlossenen Schranken. Und steigt im ersten um sanfte Mobilität bemühten Südtiroler Dorf auf lokale Spasszüge um, auf wenige Skilifte, auf Wanderschuhe oder auf Langlauflatten vielleicht. Oder aber man nimmt einfach im rot lackierten Pferdeschlitten der Steinerhof-Cowboys Platz, darf sich in Goretex-Pelze hüllen. Die Fahrt ins verschneite Lazinsertal, bis zum achthundertjährigen Lazinserhof, dient sich dann als wahre Zeitreise an: Über das Schellengebimmel legt das Gekeuche des Haflinger-Blondies eine zweite, nicht minder rhythmische Tonspur.

Vehikel losgeschickt

Zurück in St. Leonhard, Versprechen eingelöst. Am Geburtsort des Übertirolers, wo Hofers "Sandwirt" nun auch das "Museum Passeier" abgibt, herrscht zum Zweihunderter aufgeregte Betriebsamkeit. Die privaten Besitztümer des Ehepaar Hofers sind auf Vordermann gebracht, die neue Ausstellung, die die Rebellionen aus der gewohnten Tiroler Perspektive herauslösen und in einen Europa-Kontext stellen will, verspricht eine gewisse Spannung. Das vom Museum losgeschickte Vehikel, der sogenannte Hofer-Bus, ist bereits in Richtung Hofer-Hinrichtungsort Mantua und nach Wien abgezogen, wo es historisch relevante Stätten der Jahre 1808 und 1809 besucht - und heute nur noch gegen Parksheriff-Obrigkeiten kämpfen muss. Von einem demnächst im Passeiertal gedrehten Hofer-Film ist gerade die Rede, vom Werk eines Passeier Regisseurs mit dem mäßig originellem Titel "Das Heilige Land Tyrol."

Durch den Magen geht die Heldenliebe natürlich auch. Zum Jubiläumswein gehört folglich ein Andreas-Hofer-Weinkäse der Passeirer Biokäserei St. Martin. Und als süßen Abschluss hat sich die Feinbäckerei Kobler aus St. Leonhard die "Andreas-Hofer-Kugeln" ausgedacht - Kalorienbomben aus Marzipan, Nuss, Nougat und dunkler Schokolade. Wer sich die hineinballert, sollte zum Ausgleich den Spuren des Andreas Hofer weiter durchs Passeiertal folgen.

Zum Aufwärmen reicht ein Spaziergang im Freilicht des Hofer-Museums, wo ein vollständig aufgebauter Passeirer Haufenhof die autarke Lebensweise und somit die Basis des Hofer'schen Geistes vermittelt: von der Schmiede über die Lodenwalke und den Bienenstand bis hin zur Kegelbahn - alles da. Etwas härter ist dann schon der historische Weg zur Pfandler Alm in Prantach auf 1350 Meter Seehöhe von St. Martin oder von St. Leonhard aus. Hier harrte Hofer, trotz Warnung, im Winter 1809/10 dickköpfig der Verhaftung. So viel hatte der Sandwirt heutigen Winterwander-Weicheiern wohl voraus: Schwitzen? Nit mit mir! (Robert Haidinger/DER STANDARD/Printausgabe/28.2./1.3.2009)

Informationen:
Südtirol Info

  • Dass es im Hofer-Gedenkjahr (gedacht wird dem Tiroler Aufstand von 1809) in Tirol, Südtirol und im Trentino auch durchaus reflektierte und amüsante Zwischentöne gibt, kann man dem überregionalen Programm entnehmen; abrufbar unter: www.1809-2009.eu
    foto: tv passeiertal

    Dass es im Hofer-Gedenkjahr (gedacht wird dem Tiroler Aufstand von 1809) in Tirol, Südtirol und im Trentino auch durchaus reflektierte und amüsante Zwischentöne gibt, kann man dem überregionalen Programm entnehmen; abrufbar unter: www.1809-2009.eu

  • Die neue Dauerausstellung Helden & Hofer wurde vergangenes Wochenende im Museum Passeier in St. Leonhard eröffnet - täglich außer Montag von 10 bis 18 Uhr. Rund um Hofers Geburtshaus, den Sandwirt, hat sich zwar bereits eine komplette Museumslandschaft gebildet, am schönsten bleibt aber die alte Stube des nach wie vor als Wirtshaus geführten Hofes.
    foto: tv passeiertal

    Die neue Dauerausstellung Helden & Hofer wurde vergangenes Wochenende im Museum Passeier in St. Leonhard eröffnet - täglich außer Montag von 10 bis 18 Uhr. Rund um Hofers Geburtshaus, den Sandwirt, hat sich zwar bereits eine komplette Museumslandschaft gebildet, am schönsten bleibt aber die alte Stube des nach wie vor als Wirtshaus geführten Hofes.

  • Für die fünf Skigebiete im Meraner Land gibt es eine neue Verbundkarte, interessant sind im Passeiertal aber vor allem die alternativen Wintersportaktivitäten:
    foto: tv passeiertal

    Für die fünf Skigebiete im Meraner Land gibt es eine neue Verbundkarte, interessant sind im Passeiertal aber vor allem die alternativen Wintersportaktivitäten:

  • Den zunehmend beliebten Eisturm in Rabenstein können bis zu 18 Kletterer gleichzeitig benutzen (sonntags ab 14 Uhr und dienstags und freitags ab 19 Uhr), die Ausrüstung ist vor Ort erhältlich. Auch das Angebot an Naturrodelbahnen ist hier ausgezeichnet. Die mit fast zehn Kilometer längste Bahn des Landes findet man am Rosskopf bei Sterzing, Rodeln können ausgeliehen werden, zu bezahlen ist die Bergfahrt. Rund um Moos und Pfelders gibt es acht weitere, kürzere Bahnen.
    foto: eisklettern.it

    Den zunehmend beliebten Eisturm in Rabenstein können bis zu 18 Kletterer gleichzeitig benutzen (sonntags ab 14 Uhr und dienstags und freitags ab 19 Uhr), die Ausrüstung ist vor Ort erhältlich. Auch das Angebot an Naturrodelbahnen ist hier ausgezeichnet. Die mit fast zehn Kilometer längste Bahn des Landes findet man am Rosskopf bei Sterzing, Rodeln können ausgeliehen werden, zu bezahlen ist die Bergfahrt. Rund um Moos und Pfelders gibt es acht weitere, kürzere Bahnen.

  • Auch ohne eigenes Auto kommt man in Südtirol gut weiter. Für die Benützung des gesamten Transportsystems (Busse, Züge, Seilbahnen und Stadtbusse) wurde eine Mobilcard für drei und sieben Tage (13 bzw. 22 Euro) aufgelegt, die Busse im Passeiertal verkehren häufig. Die öffentlichen Verkehrsmittel von Pfelders im Naturpark Texelgruppe können kostenlos benutzt werden, man kommt so ohne Probleme vom Hotel zu den Skiliften. Wer auf das eigene Auto verzichtet, ist entweder dort oder in Meran am besten untergebracht. Freie, also tatsächlich verfügbare, Zimmer in der Region findet man unter: www.meranerland.com
    grafik: der standard

    Auch ohne eigenes Auto kommt man in Südtirol gut weiter. Für die Benützung des gesamten Transportsystems (Busse, Züge, Seilbahnen und Stadtbusse) wurde eine Mobilcard für drei und sieben Tage (13 bzw. 22 Euro) aufgelegt, die Busse im Passeiertal verkehren häufig. Die öffentlichen Verkehrsmittel von Pfelders im Naturpark Texelgruppe können kostenlos benutzt werden, man kommt so ohne Probleme vom Hotel zu den Skiliften. Wer auf das eigene Auto verzichtet, ist entweder dort oder in Meran am besten untergebracht. Freie, also tatsächlich verfügbare, Zimmer in der Region findet man unter: www.meranerland.com

Share if you care.