Jagd- Gründe

2. März 2009, 15:04
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Guter Wein muss nicht Unsummen kosten, meint Luzia Schrampf

"Gibt es tatsächlich Grüne Veltliner um zehn Euro und mehr?" fragt Freund Paul am Telefon. Grüner Veltliner in dieser Preisklasse findet in Pauls Welt nicht statt. Sein Arbeitsteam beschloss, dass er Getränke für ein internes Fest einkaufen wird, gute Getränke natürlich. Nach ersten Internet-Recherchen bei diversen Händlern wankt sein Weltbild.

Paul weiß guten Geschmack im Glas durchaus zu schätzen. Er gehört jedoch zu jenen Weintrinkern, deren Schmerzgrenze beim Einkauf mit fünf, maximal sechs Euro pro Flasche erreicht ist, und denkt nicht einmal an hohen Feiertagen daran, mehr als die erwähnte Summe auszugeben. "Und dann sicher nicht für Grünen Veltliner", setzt er nach. An große Enttäuschungen könne er sich nicht erinnern.

Anton wieder hat einen Hang zu guten Namen, egal ob Produzent oder Wein, am besten beides. Weine aus den aktuellen Hitlisten zum Beispiel werden gnadenlos aufgestöbert. Je schwerer es ihm dabei gemacht wird, desto spannender ist die Jagd für ihn. Und er greift für die Getränke seiner Begierde auch gern und tief in die Tasche. So unterschiedlich kann die Welt sein, und Freude haben beide an ihrem Tun.

Preis-Leistungs-Verhältnis ist wohl das zutreffende Schlagwort. Es kann anerkennend "So viel Wein um so wenig Geld" wie auch entschuldigend - "Dafür ist der Preis okay" - interpretiert werden, oder auch heißen "Das halbe Monatsgehalt zahle ich für genau diesen Wein ohne mit der Wimper zu zucken."

Wie ein gutes Verhältnis zwischen der Qualität des Getränks und dem dafür zu berappenden Preis aussieht, darüber befindet jeder Einzelne. Das Aufspüren gehört ebenfalls zur Herausforderung und kann zum freudvollen Hobby werden. Jammern über Weinpreise und Granteln über den Grad des Größenwahns der Erzeuger sind dabei unangebracht. Denn nur zu gern wird dabei vergessen, dass man als Weinkäufer eine wirkungsvolle Möglichkeit hat, sich das zu ersparen: Man deponiert ein freundliches Nein, wenn's für einen nicht passt. (Luzia Schrampf/Der Standard/rondo/27/02/2009)

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    So viel Wein um so wenig Geld.

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