Wertsachen: Interview mit Martin Wiesmann

28. Februar 2009, 16:55
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Blechschere, BMW und Finanzkrise: Warum Martin Wiesmann Autos selbst baut

DER STANDARD: Herr Wiesmann, wie ist die Idee entstanden, Sportwagen in Kleinserie zu produzieren?

Martin Wiesmann: Schon als Kind habe ich davon geträumt, ein eigenes Auto zu konstruieren und zu bauen. 1985 war ich auf der Essen Motor Show. Ich dachte mir: Das kannst du besser! Außerdem wollte ich immer mit meinem Bruder zusammenarbeiten.

DER STANDARD: Aber nicht jeder greift gleich zur Blechschere

Wiesmann: Stimmt! Wir wollten zunächst einen Sportwagen nur für uns bauen. 1986 habe ich in meiner Freizeit angefangen, den Roadster zu entwickeln. Das hat bis 1988 gedauert. Danach stellte sich die Frage: Ziehen wir das professionell auf, oder bleibt es beim Unikat? Ich habe dann meinen Job aufgegeben. Um die Produktion auf ein wirtschaftliches Fundament zu stellen, haben wir zunächst einen Hardtop gebaut.

DER STANDARD: Die Motoren bekommen Sie von BMW. Anfangs ist die Zusammenarbeit in der Münchener BMW-Zentrale auf wenig Gegenliebe gestoßen.

Wiesmann: Wir haben unseren Roadster mit einem BMW-Motor entwickelt. Als 1993 die ersten Wagen in Bau waren, bekamen wir Probleme. Die Rechtsabteilung von BMW schickte uns eine Abmahnung. In der Münchner Zentrale hatte man erfahren, dass wir unseren Roadster mit BMW-Technik entwickelt hatten. Man verlangte von uns die Zusicherung, auf BMW-Technologie zu verzichten.

DER STANDARD: Wie ist es Ihnen gelungen, BMW umzustimmen?

Wiesmann: Wir haben recherchiert, und immer hieß es, nur eine Person könne zu unseren Gunsten entscheiden. Das war Wolfgang Reitzle, der damalige BMW-Vorstand. Wir sind nach München gefahren und haben ihm persönlich das Auto und unser Konzept präsentiert. Danach war er von der Qualität unseres Produktes überzeugt. Seitdem werden wir von BMW beliefert.

DER STANDARD: Inwieweit sind Sie von der Automobilkrise betroffen - muss auch Wiesmann die Produktion herunterfahren, weil Aufträge storniert wurden?

Wiesmann: Als Kleinserienhersteller im Luxussegment sind wir als Nischenanbieter nur bedingt konjunkturabhängig. Generell lässt der Aufwärtstrend der vergangenen Jahre bei uns nicht nach, obwohl auch wir eine gewisse Zurückhaltung im Markt spüren. Ein Herunterfahren der Produktion ist für uns nicht nötig und kommt auch gar nicht in- frage. In den aktuell unruhigen Zeiten schaffen wir für unsere Kunden bleibende Werte. Eine allgemeine Rezession wird sich mittelfristig natürlich in allen Branchen bemerkbar machen. (Interview: Michael Marek/DER STANDARD/Rondo/27.2.2009)

> Zum Artikel "Gecko auf Rädern"

  • Martin Wiesmann, Autobauer.
    foto: wiesmann

    Martin Wiesmann, Autobauer.

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