Nachrichten in aller Kürze
Alles zur Community
Nachrichten, die zu Ihnen kommen: Newsletter, Feeds und SMS
Alles zu unseren mobilen Angeboten: Apps, Mobilversion und SMS
Unsere Radio- und TV-Angebote
Die Zeitung im Internet: Abo, E-Paper, Anzeigen und mehr
Alles über die Redaktion von derStandard.at
Alles über Onlinewerbung, Stellenanzeigen und Immobilieninserate

Ein Stopfholz muss her!
+++Pro
Von Tanja Paar
Stricken war gestern! Noch gar nicht lange ist es her, da war es von London bis N.Y. auf einmal wieder hip, die Pullis, die wir uns schon vor 20 Jahren geweigert hätten anzuziehen, liebevoll selber zu stricken - und das öffentlich im Kaffeehaus. Noch bevor dieser Trend auch Österreich erreichen konnte, wird er überholt von einem Phänomen, das wir dem BIP zu danken haben.
In Zeiten, in denen es zum guten Ton gehört, sich in neuer Bescheidenheit zu übertrumpfen, legen wir die Stricknadel weg - und greifen beherzt zu Strumpf und Socken. Ein Stopfholz muss her! Welches Insignium der verzopften Hausfräulichkeit wäre besser geeignet, dem Luxus abzuschwören, als dieses Werkzeug des nachhaltigen Haushaltsbudgets? Wie haben wir sie als Kinder gehasst, die Löcher an den bestrumpften großen Zehen - mehr jedoch noch die andersfarbigen Ergebnisse der mütterlichen Stopfversuche. Das sollte unseren Kindern erspart bleiben. Jetzt aber werden sie es erleben, und wir alle werden uns wunderbar fühlen dabei, wir neuen Trümmerweiber!
******
Contra---
Von András Szigetvari
In Zeiten schrumpfender BIPs und steigender Arbeitslosenzahlen klingt das mit dem Sockenstopfen natürlich gut. Wer will schon inmitten der Krise viel Geld für Strümpfe ausgeben? Nur ist dieser Ansatz brandgefährlich, denn er führt nur zu einer Vertiefung der Krise.
Wer den Kauf neuer Socken ver- weigert und lieber selbst Hand anlegt, bringt auch noch die milliardenschwere Strumpfindustrie in die Bredouille. Reichen denn marode Banken und ruinierte Autobauer nicht? Die Probleme betreffen aber nicht nur die Wirtschaft: Durch das Stopfen entstehen Druckstellen an den Füßen. Im schlimmsten Fall ist man also nicht nur arbeitslos und pleite, sondern trägt auch veraltete Strümpfe und hat Riesenblasen am Fuß.
Wer also sockenmäßigen Handlungsbedarf ortet, sollte gleich die richtigen Forderungen stellen. Warum nur eine Verschrottungsprämie für Pkw? Wie wäre es mit einem Socken-Rabatt? Wer seinen alten Socken abgibt, bekommt die neuen verbilligt. Die Krise frisst uns alle. Aber einige von uns gehen wenigstens stilvoll unter. (Der Standard/rondo/20/02/2009)
Die Suche in Taschentiefen oder Zimmerfluchten ersparen oder Understatement mit einem einzigen Klingelton
So ein charakterstarker Sattelschutz gibt uns den allerschönsten Schliff im Meer des seriösen Gleichklangs - Oder: der Schoner steht dem Wesen des Radfahrens entgegen
Die dumme Augustine trug sie und wurde umjubelt, aber der Modetrend gilt als Gegenteil von Freiheit
Maunchmoi is scho vü gscheida, ma bleibt bei dem wos ma dalernt hot oder Hochsprache ist Facebook-Sprache
Die gedruckte Zeitung darf nicht sterben - oder: Wenn gedruckte Gedanken zu Wischdiensten abkommandiert werden, sterben sie einen feuchten Tod
Einen Goldfisch damit nach Hause transportieren oder Liebe geht durch den Magen
Ein Zeichen einer erwarteten Gemütlichkeit oder so graziös wie Bambi auf dem zugefrorenen Teich
Ein gerade unübertreffliches Glücksrezept oder logistischer Stress durch neumodisches Brauchtum?
Weshalb das viel gepriesene "Runner's High" in der Stadt mitunter auf sich warten lässt und das duch-die-Stadt-joggen eine Sightseeing-Tour ersparen kann
"Damit sich nicht wieder irgendein Armleuchter in den Luster hängt" oder "Fröhlichkeit ganz ohne Alkohol ist immer etwas gezwungen"
Seine Entscheidung - "eine oda auße?" - jederzeit staufrei revidieren oder es ist nicht der Mensch, der den Rhythmus vorgibt
Her mit der heißen Ware, oder sind erotische Geschenke einfach nur peinlich?
"Welcher Superstar wird dich heiraten?" oder Danke, wir wollten es echt nicht so genau wissen
Wer die Lure aus dem Stockwerksautomaten am Platz genießt, versäumt nichts Spannendes - oder die Sitten im Büro sind immer nur so rau wie das Leben auf der Straße
"Das WC ist nicht Rückzugsraum, sondern reine Bedürfnisanstalt" oder: "Undenkbar, dieses Elend den Blicken einer weiblichen Laufkundschaft preiszugeben"
Heißer Tee, Suppe oder auch Punsch oder die Eismischerzunft soll endlich auf den Klimawandel reagieren
Rockgott versus Gott der Allmächtige - zumindest wenn es um die Frage nach hell oder dunkel geht
"Mindestens haltbar bis ..." - "Best before" ist schlicht irreführend übersetzt oder ein farbenprächtiger Abdruck einer Fontäne an der Toilettenwand
Weshalb der Alltag der KollegInnen schon interessant ist und portionierte Grußbekanntschaften einem weißen Wal das Leben schwer machen
In der Leichtigkeit muss man das Üppige wählen oder der Schaum, ein Traum
Gluck, gluck, und runter damit oder rot steht für Wärme, Leidenschaft und große Gefühle
Wer nicht mit Kanonen auf Brösel schießt, greift zum Bartwisch und dessen Zwilling, dem Schauferl oder ihr Traditionsritter von der traurigen Gestalt
"Du, in meinem Zelt ist eh Platz für zwei!" oder eine Mischung aus Schweiß und Uringeruch
Man kann sich, muss sich aber nicht festlich kleiden oder das Wohnzimmer ist und bleibt eine pinguinfreie Zone!
Es wird beim Socken-stopfen wohl nicht bleiben.
Das qualitativ hochwertige Garn mit dem die Socken gestopft, wird sich schon bald als Mürbe und brüchig erweisen. mit dem Ergebnis das nicht nur das Garn vergeudet sondern das auch der Socken vollends kaputt. Gehen, ohne Socken, möglicherweise in bereits löchrigen Schuhen, ist unangenehm. Wird jedoch der Schuh unbrauchbar, und ich meine das wird er, ist die Option möglichst viel Hornhaut an den Fuss-sohlen zu bilden Gebot der Stunde.
...... doch wehe Dem der dies nicht kann ............
Simpel:
Zehnerpackung "Kellnersocken" Baumwoll/Kunststoffmischung schwarz, Zehnerpack 3 Euro.
Die Dinger halten ewig; ich hab einige der Socken seit geschätzten 15 Jahren, als ich irgendwamm im Studium fünf Zehnerpacks besorgt hab, um nicht so oft waschen zu müssen ... -- die sind zwar inzwischen hellgrau, halten aber immer noch.
Stopfen? Wozu? Damit ich mir von dicken Nähten die Hornhaut aufscheuern lass? Oder weil 15 Minuten Arbeitszeit lohnen, um einen 10 Jahre alten Socken (Neukaufswert 15 Cent) zu retten?
Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.