Neue Weinreviere

21. Februar 2009, 16:00
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Im Supermarkt auch gleich eine Flasche Wein mitzunehmen, das machten Weinfans bislang eher nicht - Ändert sich aber gerade

Immer öfter landen beim Einkauf im Supermarkt nicht bloß Alltagsdinge wie Milch, Butter oder Spülmittel im Einkaufswagerl, sondern auch Wein fürs Abendessen oder sonstige Gelegenheiten. Der Weinkauf ab Hof (für österreichische Weine) war lange Zeit neben der Gastronomie die Säule im heimischen Weinverständnis. Mit der Professionalisierung und steigendem Arbeitsdruck sind viele Betriebe - verständlicherweise - nicht mehr bereit, Tür und Tor zu jeder Tages- und Nachtzeit offenzuhalten.

Der Ab-Hof-Verkauf ging zurück, und der Lebensmittelhandel wurde als Versorgungsschiene entdeckt, was einige Verbesserungen im Angebot dort bewirkte. Die Bandbreite der Preise für Supermarkt-Weine erweiterte sich, was vor allem den heimischen Erzeugern (teure Produktion) entgegenkam. Kunden, die heute im Supermarkt Wein einkaufen, sind bereit, auch acht und mehr Euro hinzulegen.

Die Handelsketten haben auf die Entwicklung reagiert. Angeboten werden auf Standort und Filialtyp abgestimmte Weinsortimente. Einkäufer in den Handelsketten sind ausgebildete Fachleute, die Qualitäten, Preis-Leistungs-Relationen und Markt beurteilen können und nicht mehr ausschließlich billig kaufen. Spar richtete bereits vor längerem einen Wein-Fachmarkt mit Internetverkauf ein (www.weinwelt.at). Selbst Diskonter wie Aldi-Hofer, Lidl und Co offerieren nicht nur die schlichtesten aller Tropfen. Hofer hat heute einen Ruf als ergiebiges Revier für Wein-Schnäppchenjäger.

Regalpflege

Bei allen Verbesserungen im Grundangebot kann es dennoch passieren, dass der gleiche Wein in verschiedenen Filialen gekauft völlig unterschiedlich schmeckt. Eine Erfahrung, die auch die beiden Autoren von "Weinkauf im Supermarkt", der Önologe Konrad Hackl und der Weinjournalist Alexander Jakabb, bestätigen, die sich für ihren Guide 2009 durch 1300 vor Ort gekaufte, österreichische Supermarkt-Weine kosteten. Knackpunkt ist die Regalpflege im jeweiligen Geschäft.

"Oft werden die letzten Flaschen in den Regalfächern nicht ausgetauscht, sondern beim Umräumen einfach nach hinten geschoben, bis sie eines Tages wieder auftauchen", beobachtete Jakabb. Außerdem seien viele Weinregale entweder direkt unter der Geschäftsbeleuchtung oder auch in Auslagen platziert, wobei Licht dem Wein in der Flasche schaden kann. Ob Flaschen dabei liegen oder stehen, sei, so Jakabb, nicht so wichtig, da immer öfter Schraubverschlüsse verwendet werden, die eine relativ stabile Qualität versprechen.

Für österreichische Produzenten, die sich mit dieser Vertriebsschiene anfreunden, bedeutet dies auch eine technische Herausforderung. Hans und Christine Nittnaus, einer von mehreren Weinproduzenten namens Nittnaus aus Gols, der viel für den Lebensmittelhandel erzeugt , baut seine Weine technisch gesehen "robuster" aus: mit bestmöglicher Filtration, in dunklen Flaschen und mit Verlässlichkeit. "Man greift zu einer Flasche, weil man den Geschmack mag, unabhängig von Jahrgang oder Filiale", so Nittnaus. (Luzia Schrampf/Der Standard/rondo/20/02/2009)

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    Kunden, die heute im Supermarkt Wein einkaufen, sind bereit, auch acht und mehr Euro hinzulegen.

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