Mist! Kein Beet

13. Februar 2009, 12:45
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Warum intelligente Gärtnerinnen dem Eis trotzen, zu diversen Reitställen pilgern und Pferdeäpfel ernten, erklärt Ute Woltron

Eine aktuelle Umfrage unter Gartenmenschen in Zeiten des Schnees und Eises ergab Folgendes: So was von fad wie jetzt im Februar ist uns sonst das ganze Jahr über nicht. Der Februar ist gartenaktivitätstechnisch das Letzte. Weil - es ist schlichtweg nichts zu tun da draußen.

Die kolportierten Gegenstrategien sind lachhaft: Die einen ordnen die Gartenfotos der vergangenen Saison und lassen sie in unterschiedlichen Formationen als Bildschirmschoner über die Computerschirme ziehen. Die anderen gestehen, in Momenten ärgster Fadesse hinaus ins Freie zu gehen und verschämt unterm Schnee nachzuschauen, ob sich schon was tut.

Ja. Eh. Es tut sich da und dort schon ein bisschen was. Wie immer ist zum Beispiel die Minze eine der Ersten, die grün spitzelnde Hoffnung treibt. Aber Blätter wegräumen und irgendwelche Stingel abschneiden ist gerade jetzt verboten, weil man die lieben kleinen Viecherln ja nicht verstören und ums Eck bringen will, die da drinnen überwintern.

Intakte Mistbeete

Es gibt aber kluge Menschen, die haben im Herbst schon für diese graue und echt quälende Zeit der Untätigkeit vorgesorgt und zum Beispiel ein Mistbeet angelegt. Und zwar eines, das nicht von Winterstürmen ab- und davongetragen wurde, aber das ist eine andere Geschichte und soll ein andermal erzählt werden.

Diejenigen mit den intakten Mistbeeten (verdammt!) eilen jedenfalls hurtig und geschäftig durch die Gegend wie die Eichhörnchen im Herbst. Sie befüllen ihre Konstruktionen zuunterst mit einer Schicht Herbstlaub. Dann suchen sie den nächstgelegenen Pferdestall auf und bemächtigen sich genüsslich der dort in Haufen liegenden Pferdeäpfel, die mit Strohhäcksel vermischt die Basis jedes guten Mistbeetes bilden.

Weil brave Bakterien das Stroh im Mist zersetzen und dadurch Wärme produzieren natürlich. Bis zu 70 Grad warm wird es da drinnen, was auch bei im Februar logischerweise zu erwartenden Minus-Temperaturen eine vorzügliche Heizung ergibt. Diese klugen Leute füllen etwa 40 Zentimeter Mist-Stroh-Gemisch in ihre Frühbeete und stampfen dann ein Weilchen gummibestiefelt zum Zwecke der Verdichtung ordentlich darauf herum.

Turbo-Bodenheizung

Doch merke: Dichtes Stampfen ergibt langsame Zersetzung, also weniger Wärme. Lockere Schichtung verspricht vergleichsweise die Turbo-Bodenheizung. Sobald das erledigt ist, kommt erst eine dünne Schicht Misthaufenerde, also Kompost, darüber und dann zum Abschluss etwa 15 Zentimeter hoch Gartenerde. Dann müssen sich selbst diese Klugen ein wenig in Geduld üben, zumindest drei, vier Tage, auf dass die vergrabene Bio-Heizung anlaufe. Dann dürfen sie, von uns anderen selbstverständlich neidvoll beobachtet, anbauen, also säen.

Zu Saisonbeginn, der sich mit einem solchen Mistbeet je nach klimatischer Lage bereits in den Jänner oder Februar vordatieren lässt, kommen Salat, Spinat, Radieschen, Rucola und sogar Kohlrabi in die Erde. Die gläserne oder kunststoffene (und jedenfalls sturmsicher ausgeführte) Abdeckung darüber, gefolgt von täglichem Betrachten und Betuttern - das ist genau das, was uns anderen jetzt sehr abgeht. Aber sicher zum letzten Mal. So ein derart fader Februar kommt nicht noch einmal übers Land. (Ute Woltron/Der Standard/rondo/13/02/2009)

Tipp

Diesmal empfehlen wir ein besonders nett und übersichtlich gemachtes Buch, das quer durch die Jahreszeiten führt und deshalb auch "Quer Beet durchs Gartenjahr 2009" (Burkhard Mücke, av Buch, EURO 19,90) heißt. Die Publikation begleitet die beliebte gleichnamige Gartensendung (Bayerisches Fernsehen) und hat auch für diejenigen Anregungen parat, die eh schon alles zu wissen glauben. Zum Beispiel, wie man ein ordentliches Mistbeet baut, das sturmsicher ist ...

  • Der Februar ist gartenaktivitätstechnisch das Letzte.
    foto: woltron

    Der Februar ist gartenaktivitätstechnisch das Letzte.

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