Doppelt deckt besser

16. Februar 2009, 16:54
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Londons Routemaster steht vor einer Neuauflage: Norman Foster und Aston Martin legten einen Siegerentwurf für den ikonischen Doppeldeckerbus vor

Die Berliner Typografen-Legende Erik Spiekermann benützte einmal ein Bild der Londoner Innenstadt, um an diesem Grundprinzipien des Corporate Design zu erklären: Rote Telefonhäuschen und Doppeldecker lassen uns unmittelbar an London denken, einen derart hohen Wiedererkennungswert können sich Designer von aktuellen Markenschöpfungen nur erträumen.

Kein Wunder, dass Ken Livingstone, als er noch Londons Bürgermeister war, polterte: "Nur ein Kulturbanause würde die Routemaster einfach abschaffen." Der Routemaster, das war der Doppeldeckerbus mit offener Plattform, offenem Hinterteil und Fahrkartenverkäufer. Und doch war es Livingstones Stadtregierung, die Ende 2005 diese Busse in den Ruhestand schickte. Prompt flammten Proteste auf, die die Ikone zumindest auf zwei Linien zurückkehren ließen.

Nachdem Livingstones Nachfolger Boris Johnson während seines Wahlkampfs die Rückkehr des Routemasters in ganz London versprochen hatte, veranstaltete er nun einen Designwettbewerb, um einen "ikonenhaften Bus zu finden, der fit für das 21. Jahrhundert ist". Kinder und Jugendliche durften teilnehmen, vor allem aber Designprofis.

Den mit 25.000 Pfund dotierten Hauptpreis teilt sich das Designbüro für Lastwagen- und Busdesign, Capoco, mit einem Team des Sportwagenherstellers Aston Martin und des Architekturbüros Foster+Partners. Der Entwurf von Capoco Design ist konventioneller und formal stärker am Vorbild angelehnt, aber technisch anspruchsvoll mit einem Hybrid-Elektro-Motor ausgestattet. Foster und Aston Martin schlagen vor, den Bus rein elektronisch mit einem Drive-by-Wire-System zu steuern, fast wie mit dem Joystick beim Computerspiel.

Britisches Ingenieur-Design

Architekt und Autodesigner spielen auch mit Reminiszenzen an den Routemaster: Neben der Plattform am Wagenende soll es Holzböden geben und einen zusätzlichen komfortablen Einstieg, doch auch Innovationen wie LED-Außenwerbung und Solarpanele auf dem Dach. Frühestens im Jahre 2011 könnte der neue Routemaster durch London gleiten. Die Opposition im Stadtparlament ist zwar von den Entwürfen beeindruckt, hält das ganze Vorhaben aber für ein eitles PR-Projekt.

Den Original-Routemaster hatte man 1954 auf die Straßen geschickt und damit Oberleitungsbusse und Straßenbahnen abgelöst. Er wurde konzipiert, als Großbritannien noch Industrieland war und von seiner Tradition robuster, reparaturfreudiger Mechanikkonstruktionen profitieren konnte. Der damals neuartige Bus mit liebenswerten Details musste sich gegen die Privatwagen behaupten, die erstmals Londons Straßen ordentlich verstopften.

So bot die Plattform am Ende des Busses die Gelegenheit, während des Staus auf- und abzuspringen. Die modernen Nachfolgemodelle, Niederflur- und Gelenkbusse, sind sparsamer im Verbrauch und ermöglichen auch Rollstuhlfahrern, Kinderwagen oder Gepäck die Mitfahrt. Und doch fehlt ihnen das gestalterische Etwas, das britisches Ingenieurdesign der Nachkriegszeit hatte.

"Gehen diese Entwürfe auf ihre Umgebung zurück, oder verbinden wir sie im Rückblick mit Britishness, weil sie so sehr eingebettet sind in die kulturelle Landschaft?", fragt die Royal Mail, die im Jänner zehn Briefmarken mit Beispielen britischen Spitzendesigns herausgab, auch den Routemaster. Sicher ein wenig von beidem. Ob das Redesign Chancen hat, realisiert zu werden, ist noch offen. Die Siegerentwürfe werden jetzt den Busherstellern vorgelegt. (Thomas Edelmann/DER STANDARD/Rondo/13.2.2009)

  • Als Spielmobil im Bob-der-Baumeister-Stil kommt der Entwurf für den Routemaster daher.
    foto: nigel young, foster + partners

    Als Spielmobil im Bob-der-Baumeister-Stil kommt der Entwurf für den Routemaster daher.

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