Taschengeld

12. Februar 2009, 16:58
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Der coolste Mensch der Gasse, dank Taschengeld - Oder: Wir wollen eine andere Mama und einen anderen Papa!

+++Pro
Von Michael Völker

Kann man denn gegen Taschengeld sein? Selbst wenn man mittlerweile in ein Alter geschlittert ist, wo man keines mehr bezieht, sondern es zahlen muss, schuldet man es der eigenen Jugend, bedingungslos für Taschengeld einzutreten. Je höher, desto besser. Wobei: Über die Höhe kann man streiten, vor allem, wenn man der finanzierende Part ist. Zu meiner Zeit als Empfänger war es jedenfalls zu wenig. Nicht nur im objektiven Vergleich mit meinen reichen Freunden, auch im subjektiven Empfinden: Ich wollte ein Moped, unbedingt, und träumte davon seit meinem zwölften Lebensjahr. Mit dem Taschengeld würde sich das nie und nimmer ausgehen. Selbst wenn ich auf Mickey Mouse, Playboy, Eis und Süßigkeiten verzichten würde, wäre ich 28, bis sich das weggelegte Geld zu einem Moped summiert haben würde. Schließlich kaufte ich (mit 15) günstig einen Schrotthaufen von Moped, aber er fuhr. Und ich war der coolste Mensch der Gasse. Wenn nicht des Bezirks. Dank Taschengeld. Und Moped. So cool war ich später nie wieder.

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Contra---
Von Christian Schachinger

Wenn das Geld aus ist, muss man zur Bank, neues holen. Dort gibt es genug davon. Sagen die Zwillinge und meinen es ernst. Eislaufschuhe, Helme, Pipifax - und was ist jetzt endlich mit dem Skiurlaub?! Alle anderen Kinder fahren, das ist so gemein! Sie sagen aber auch Sachen wie: "In der Garderobe haben wir Geld gefunden, das du nicht brauchst. Wir haben es in die Sparschweine gegeben. Das muss man machen für die Bank." All dies dient dem einen einzigen Ziel, dem sich alle erwerbstätigen Haushaltsmitglieder seit Wochen unterzuordnen haben. Handkonsolen von Nintendo müssen ins Haus. Jetzt. Sofort. Ohne Nintendo kein Kinderglück. Ohne Kinderglück kein elterlicher Friede. "Bühüüütte! Alle anderen Kinder haben Nintendo, nur wir nicht! Wir wollen eine andere Mama und einen anderen Papa!" Da sich die Lendenfrüchtchen also schon bestens in Kapitalismus und dem Wunschkonzert über Erpressung auskennen, brauchen sie kein eigenes Geld. Nintendo kommt. Wo ist mein Gewehr? Ich muss kurz auf die Bank. (Der Standard/rondo/13/02/2009)

  • Wenn das Geld aus ist, muss man zur Bank, neues holen.
    foto: der standard

    Wenn das Geld aus ist, muss man zur Bank, neues holen.

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