Scharfe Sachen im Quartier

13. Februar 2009, 16:00
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Mit "Sharp Chic" wurde ein Assoziationsraum ganz ohne Strass und Pailletten geschaffen - Dafür mit Mode und Kunst

Hierzulande ist Kristall eindeutig besetzt. Eine Ausstellung über das Kristalline ohne den Namen Swarovski kommt also fast einem Vergehen gleich. Die beiden Kuratoren Angelika Höckner und Gerald Moser haben es trotzdem getan - und einen mit "Sharp Chic" übertitelten Assoziationsraum ganz ohne Strass und Pailletten geschaffen. Dafür mit Mode und Kunst. Wie der aussieht, ist bis 19. April im Freiraum des Quartier 21 im Wiener Museumsquartier zu sehen.

Aus skulpturalen Kleidern ragen etwa riesige Kristalle wie in den Arbeiten von Andrea Cammarosano, einem jungen italienischen Designer, der bei Walter Van Beirendonck in Antwerpen arbeitet. Miriam Lehle - eine deutsche Designerin, die zuletzt beim Modefestival in Hyères teilnahm - verschmort dagegen goldene Kunstfaserstoffe. Dabei entstehen amorphe Gebilde von großer Schönheit. Mit den scharfen Umrissen des Kristallinen haben sie wenig zu tun, diese sind eher in den Arbeiten von Schmuckdesigner Florian Ladstätter oder Ali Zedwitz zu bestaunen.

Die ehemalige Studentin der Angewandten zeigt ihre im vergangenen Jahr mit dem RONDO-Swarovski-Modepreis ausgezeichnete Kollektion. Ein formalistisches Spiel rund um geometrische Formen. Oder anders ausgedrückt: Kristalle werden in eine neue Ordnung gebracht. Das ist auch der Ansatzpunkt mancher Künstler in der Schau: Andrea Maria Krenn verfolgt ihn, indem sie Kristalle ins Unendliche demontiert, Oona Peyrer-Heimstätt gibt Oberflächen von Textilien eine neue, an den Körper angelehnte, aber geometrisch strenge Struktur. Das dabei entstandene Gebilde wirft man sich über den Kopf, die kühle Erotik des Kristallinen erleidet dabei einen Dämpfer. Es muss nicht alles glitzern, was mit Kristallen zu tun hat. Auch das lernt man in dieser Schau. (hil/Der Standard/rondo/13/02/2009)

  • Bis 19. April im Freiraum im Wiener Museumsquartier.
    foto: hersteller

    Bis 19. April im Freiraum im Wiener Museumsquartier.

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