Der Obama-Faktor

14. Februar 2009, 16:00
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Schwarze Models waren auf Modeschauen immer seltener zu sehen - Die Ära Obama bringt den Umschwung auf den Laufsteg

Im Regelfall laufen ein, maximal zwei schwarze Models bei einer Laufsteg-Schau mit. In den vergangenen Saisonen sah man manchmal überhaupt nur weiße Gesichter. Das hat eine heftige Diskussion über die Multikulturalität der Laufstege ausgelöst: Es gab runde Tische während der Modeschauen in New York und Aufrufe an die Designer. Journalisten schrieben böse Artikel über den Rassismus der Modebranche. An der Dominanz der bleichen knochigen Mädels und der weißen schmächtigen Buben ohne Bartflaum hat das wenig geändert.

Letztere dominierten auch die Männerschauen in Paris vor rund drei Wochen. Neben dem obligaten farbigen Quotenmodel gab es diesmal aber eine ganze Reihe von Schauen mit gleich mehreren dunkelhäutigen Männern - nicht selten in symbolträchtigen Situationen. Bei Dior Homme eröffnete ein schwarzer Beau mit Rastalocken die zur Gänze in Schwarz-Weiß gehaltene Schau, bei Paul Smith gab es am Ende ein Gruppenfoto des Designers mit zwei schwarzen Models im Arm. Jean-Paul Gaultier demonstrierte bei seiner Kollektion gleich "Black Power" und schickte die mehrheitlich schwarzen Models mit Afro-Perücken über den Laufsteg. Rechtzeitig zur Inauguration Obamas, so scheint es, überdenkt auch die Mode ihre Präferenzen. Ob das allerdings mehr als ein kurzfristiger Trend ist, vermag man in Mailand und Paris nicht zu sagen.

Trend deutlicher zu spüren

"Die schwarzen Models sind wieder da", bestätigt Caroline Doumeng, Bookerin der internationalen Modelagentur Next in Paris: "Lange konnten wir schwarze Models kaum vermitteln. In den vergangenen Monaten gab es aber verstärkt Anfragen. Wir trauen uns jetzt wieder neue Gesichter unter Vertrag zu nehmen." Drei schwarze Frauen würden bei Next in Paris derzeit gebucht, bei Next in New York seien es wesentlich mehr. Überhaupt sei der Trend in New York deutlicher zu spüren als in Paris.

In Mailand ist er überhaupt noch nicht angekommen. Zumindest nicht auf den Laufstegen der Männermode. "Ich hätte mir in dieser Saison ein wesentlich bunteres Gemisch an Models erwartet", meint Patrizia Wassermann, Bookerin bei der Agentur Beatrice, "Mailand reagiert bei solchen Dingen meistens zuletzt." Auch ihre Kollegin Elena Mansueto, die für die Frauen bei Beatrice zuständig ist, ist skeptisch: "Immerhin hatten wir mehr Anfragen für schwarze Models als in anderen Saisonen." Ob sich die Nachfrage allerdings auch auf die Modeschauen der Damenmode in einer Woche auswirken wird, ist fraglich. "Es gibt ja kaum neue farbige Gesichter."

Warum das so ist, da gehen die Meinungen auseinander. Die Agenturen bezichtigen Designer und Fotografen, schwarze Models nicht zu buchen zu wollen, diese hingegen beklagen das mangelnde Angebot. Als im Juli 2008 die italienische Vogue eine "Black Issue" auf den Markt brachte, war die Erregung jedenfalls groß. Sie war in manchen Ländern binnen Tagen ausverkauft. (Stephan Hilpold/Der Standard/rondo/13/02/2009)

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    Welches Model eine Modeschau eröffnet, kommt einem Statement gleich. Bei Dior Homme war es zuletzt der hübsche junge Herr.

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