Wozu eigenes Bier?

07. Februar 2009 17:59
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    Foto: hersteller

    Im Salzburger Mittersill gab es jedenfalls seit 1681 mindestens eine Brauerei - ab 1823 wurde sie von Rupert Schwaiger geführt und erst im Ersten Weltkrieg eingestellt.

Conrad Seidl über die Qualität der Biere in Brewpubs

Es hat Zeiten gegeben, da hat jeder Ort eine Brauerei gehabt, die größeren Städte (oder was man damals eben für eine größere Stadt gehalten hat) sogar mehrere. Klar: Die meisten Biere, mit Ausnahme der sehr starken, hielten lange und mit dem Pferdefuhrwerk lang andauernde Transporte nicht aus, gleichzeitig waren die Produktionskapazitäten beschränkt.

Im Salzburger Mittersill gab es jedenfalls seit 1681 mindestens eine Brauerei - ab 1823 wurde sie von Rupert Schwaiger geführt und erst im Ersten Weltkrieg eingestellt.

Das Brauwirtshaus von damals steht heute noch als Hotel "Bräurup", benannt eben nach jenem Bräu Rupert. Seit man Kleinbrauereianlagen quasi von der Stange kaufen kann, liegt es nahe, dass man solche ehemaligen Brauereien wiederbelebt. Das hat auch der Urururenkel des ehemaligen Brauereibesitzers gemacht und vor einigen Jahren eine Brauanlage in sein Hotel gebaut.

Ein Statement für sich

So wurde der Hotelier Matthias Gassner zum Bierbrauer. Ungewöhnlich ist das, wie gesagt, nicht mehr: Im deutschen Sprachraum gibt es inzwischen hunderte Gastronomen, die ihr "eigenes" Bier brauen. Merkwürdig ist allerdings, mit wie wenig fachlicher Qualifikation und mit wie wenig Ambition zur Produktion von Spezialitäten da vorgegangen wird.

Es reicht eben nicht, einfach irgendein Bier zu brauen, in der Hoffnung, dass das billiger als der Bierbezug von einer Brauerei wäre. Immer mehr Gäste wollen ja, dass das Bier eines Brewpubs mindestens so gut schmeckt wie das einer in größerem Maßstab betriebenen Brauerei - und da können Kleinanlagen oft nicht mit, weil ihre Biere schon aus technischen, oft leider auch aus hygienischen Gründen nicht so "sauber" schmecken wie die größerer Anbieter. Das Schöne beim Bräurup ist, dass das hier anders ist - weil Biere gebraut werden, die ein Statement für sich sind: Gassner braut ein "Helles Märzen", das durchaus als Pils durchgehen könnte, und ein Weizenbier, das keine Konkurrenz zu scheuen braucht. Da macht das Selberbrauen Sinn. (Conrad Seidl/Der Standard/rondo/06/02/2009)

Hotel Bräurup

Kirchgasse 9

5730 Mittersill

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Dunkelbunter Kristof
17.04.2009 19:09
Seeland-Bräu in Nidau (bei Biel/Bienne, Schweiz)

Kleine Bar mit eigener Brauerei. Supergutes Bier, ausgezeichneter Geschmack, wirklich toll. Die haben sechse verschiedene Sorten (u.a. Vollkornbier, Honigbier und Hanfbier) und für die Schweiz echt gute Preise.
Also ich kann eigenen Brauereien nichts entegensetzen.

Graf Usance
10.02.2009 16:16
Eigenes Bier

Ich gehe (oder ging) persönlich sehr gerne in Wirtshausbrauerein (7Stern, Salm, Fischer etc.), finde die Biere dort meist um einiges besser, als die "Normalo-Biere", die man sonstwo bekommt.
Eine Ausnahme ist natürlich das köstliche Budweiser im Schweizerhaus, oder auch ein frisches Schwechater Zwickl.
Allerdings muss ich auch dazu sagen, dass die Preise, die aktuell verlangt werden (z.B. Leupold 4,10 für Hopfenperle und 4,40 fürs Zwickl, aber auch sonstwo im 1. kaum ein Bier mehr unter 4 Euro), mMn schon ziemlich jenseitig sind.
Ich weiß, den Vergleich können viele schon nicht mehr hören, aber 60 Schilling für ein Krügerl hätt wohl kaum jemand mal bezahlt.

eierimschmalzpfandl
13.02.2009 18:45
Salm-Biere beglücken immer!

Max Edwin
11.02.2009 10:55
Kozel rulez

abgesehen vom wirklich einmaligen budweiser im schweizerhaus schmeckt mir das kozel sehr gut.
wie immer kommt´s ja sehr auf´s zapfen an. budweiser zb bekommt man vielerorts, aber ein krügel, das in 3 sec. runtergelassen wird, kann einfach nicht so gut schmecken, wie ein langsam und fraktionert gezapftes. beim kozel machen das die burschen im gasthaus wild tadellos.

das problem an vielen großen braukonzernen ist ja eigentlich, daß sie einfach ein allerwelts-schmeckt jedem-bier brauen, also eines ohne "ecken und kanten".

und über die bierpreise denk ich schon lang nimmer nach - das verdirbt einem den gusto.

Bierpapst
15.02.2009 21:02
Kozel

Just for the record: In Großpopowitz/Velké Popovice wurde und wird sehr gutes Bier gebraut - aber die örtliche Brauerei gehört seit 1995 zur Radegast-Gruppe, diese seit 1999 zu Pilsner Urquell und Pilsner Urquell wurde ebenfalls vor rund zehn Jahren von South African Breweries (heute SAB Miller) übernommen.
Das ist nicht gut, nicht böse - es bedeutet einfach, dass das Kozel aus dem zweitgrößten Konzern der Welt kommt.
Und zur Orientierung jener, die Budweiser Budvar für eine kleine unabhängige Brauerei halten, die tapfer gegen den weltgrößten Bierkonzern um die Markenrechte an Budweiser kämpft: Daran stimmt vor allem nicht, dass es sich um eine unabhängige Brauerei handle. Budvar ist der letzte Staatsbetrieb unter den tschechischen Brauereien, die Bierproduktion dort hatte immer (auch) eine politische Dimension.
Auch das ist weder gut noch böse - aber es ist halt weitgehend unbekannt. Mehr unter derstandard.at/?id=1233586837822 und demnächst in einer meiner Kolumnen.

Max Edwin
15.02.2009 21:26
kein geheimnis

dass alle braukonzerne nach der ostöffnung auf einkaufstour gegangen sind, ist eigentlich kein geheimnis (trifft ja im übrigen auf alle branchen zu).
trotzdem wurden (zumindest mM nach) die von den aufgekauften brauereien gebrauten biere glücklicherweise nicht dem geschmack des mutterkonzerns angepaßt (Sie kennen da sicher ausnahmen - keine frage).
es ging mir allein um die großen und faden marken, nicht unbedingt um den eigentümer.

ps. testfrage: wer hat die bulgarische shumensku brauerei gekauft? ;-)

trifasciata
10.02.2009 18:16

"Eine Ausnahme ist natürlich das köstliche Budweiser im Schweizerhaus, oder auch ein frisches Schwechater Zwickl. "
Das sind genau die zwei Biere, die ich bei keinem Wienbesuch auslasse, freu mich schon auf´s nächste Mal!

Karl Schreckt
09.02.2009 12:16
Oft eh eines der großen Brauereien

Leider weiß man ja auch oft nicht, was man da wirklich trinkt. Da steht auf der Karte "karlis bräu" (erfunden) und in wirklich trinkst eh ein schwechater, das man halt unter dem namen verkauft. stehen tut das nirgends. klingt aber halt cooler

Bierpapst
09.02.2009 12:47
"Karlis Bräu" und andere Hausmarken

Völlige Zustimmung. Markentechnisch hat ein zugekauftes "Hausbier" nur dann Sinn, wenn der jeweilige Wirt eine größere Markenstärke hat und mehr Vertrauen in seine Bierkompetenz genießt als die Brauereien, von denen er das "Hausbier" beziehen könnte.
Dasselbe gilt, wie gesagt, auch für Gasthausbrauereien: Nur wenn die mindestens so kompetent oder kompetenter sind als gewerblche oder industrielle Brauereien, macht es Sinn, dass sie selber brauen. Das Ergebnis beim Bräu-Rup, aber auch bei einigen anderen Kleinstbrauern spricht dafür, dass das durchaus möglich ist. In den letzten Tagen etwa bei Verkostung von Forstner Bieren, Eipeltauer und 1516 erlebt.

Timagoras
 
09.02.2009 12:02
"Wozu eigenes Bier?"


weils - im konkreten fall - gut ist!

Das Lama Dalai
09.02.2009 09:32
"Wozu eigenes Bier?"

Naja, ganz praktisch wenn einen der Nachbar nicht mittrinken lassen will.

leonid
09.02.2009 08:50
ich nehme mir immer aus tschechien original GAMBRINUS mit

(nicht zu verwechseln mit der gleichnamigen ottakringer billigschiene)

Bierpapst
09.02.2009 12:52
Gambrinus

Das tschechische Gambrinus kommt ja auch aus einer viel größeren Brauerei als der Ottakringer - nämlich von Pilsner Urquell, Tochterunternehmen von SAB Miller...
Brauereigröße hat also wenig mit erlebtem Biergenuss zu tun.

die_eidechse
09.02.2009 10:11
ich geh meistens um 9:30 aufs häusl

nicht zu verwechseln mit dem 15:30 schiss.

Dunkelbunter Kristof
17.04.2009 19:10

Ihren Darmtrakt möchte ich haben...

extraescheresque
09.02.2009 12:14
sehr diszipliniert

der elch mit dem kelch
09.02.2009 00:00
die meisten wirtshausbrauerei biere sind

ja doch eher ein charakterloses geschluder ohne geschmackliches rückgrat.

auch sind die regionalen unterschiede zwischen den "brauerei" bieren doch beträchtlich; man denke nur an das ottakringer oder an ein schwechater im vergleich einem zipfer, murauer, stiegl oder trumer. so gesehen lebt man ja in wien biermässig in einer diaspora.

Aux Armes Citoyens!
02.11.2009 12:03
würd ich so nicht unterschreiben...

leider sind viele fass biere nicht mehr unterscheidbar, weil in zu vielen wirtshäusern zu unhygienisch gearbeitet wird, d.h. man spart am schankservice mit dr reinigung der leitungen, und dann schmecken alle biere gleich säuerlich. wenn dann das glas nicht ordentlich mit reinem wasser gespült wurde und man beim ersten tiefen schluck glaubt, dass man am nassen fell von einem deutschen schäferhund lutscht, der nur mit kutteln gefüttert wird... ich meine, wer kennt das nicht?

ich bin flaschenbier-fan. und da schmecken mir das zipfer sparkling und auch das ottakringer helle (beide in 025er bzw033er als dreh- und-drink.) dann kommt lange nix, dann kommt das gösser.
in österreich.

ansonsten: jever pilsener, stella artois

Girigaribaldi
16.02.2009 17:21
Zipf vergiss'!

Stiegl und Murauer gehören zu den besten.

Ottakringer weniger, da ist ja das Schankbier "Sixtus" beim Hofer viel besser (trotz nur 4,2%), welches das Zipfer geschmacklich übertrifft.

Günther Hase
 
10.02.2009 16:54
Der nächste :(

Über Geschmack lässt sich ja vortrefflich streiten. Aber Ottakringer und Schwachater pauschal zu verunglimpfen zeugt von Ahnungslosigkeit. Das Goldfassl Pils gehört zu meinen absoluten Lieblingsbieren ... (und wenn wir jetzt schon beim Vergleich Kraut/Rüben sind) da können mir die von Ihnen Zweitgenannten Biere gestohlen bleiben. Murauer gehört mMn zu den meistüberschätzten Bieren. Böse Zungen sagen "Jugendgetränk" dazu.

Bier Teufel
13.02.2009 18:25
an alle marketingeingelullten!

morgen auf eurer einkaufsliste:
ottakringer helles
schwechater lager
puntigamer märzen
gösser märzen
stiegl goldbräu
murauer märzen
schladminger märzen
zipfer märzen
alle biere min. 4 monate noch haltbar.
dann bei gleicher temperatur in gleiche und neutrale gläser füllen und blind verkosten (=ohne zu wissen was im glas ist - einzig euer freund weiß was drinnen is).
und dann bitte nimma deppad daherreden, wie gut/schlecht dieses oder jenes bier schmecht - ihr werdet es schlicht und einfach nicht zuordnen können!! gleiches malz, gleicher hopfen, gleicher hefestamm.
prost !

Dunkelbunter Kristof
17.04.2009 19:12
Habe schon Blindverkostung gemacht.

Mit Mohrenbräu, Zipfer, Gösser, Fohrenburger und Frastanzer.
Habe alle auseinandergehalten.

War lustig.
Die Biere schmecken echt unterschiedlich.

Kann man übrigens auch mit Mineralwasser machen.

eierimschmalzpfandl
13.02.2009 18:46
Murauer Märzen ist deutlich herausschmeckbar viel besser als der Rest!

Bierpapst
13.02.2009 22:10

Stimmt, das Murauer ist tatsächlich anders. Ob es deswegen auch besser ist, ist Geschmackssache - es hat ja einen böhmischen Charakter, der nicht jedem schmecken muss...

eierimschmalzpfandl
14.02.2009 10:08

Sie haben recht, es ist persönliche Geschmacksache; danke Ihnen aber für die Bestätigung der "Erkennbarkeit" des Murauer Märzen in dieser Gesamtaufstellung.

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