Nicht spitzeln

6. Februar 2009, 12:07
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Wahrscheinlich haben die zu viel übergekochten Vanillepudding gegessen und sind deshalb zu Denunzianten geworden

Im "Holland" stieg das Misstrauen. Als die drei Gäste mit dem auffallend gesunden Aussehen das Café betraten, raunte Yvonne: "Die schauen mir aus wie diese Schutzgemeinschaft für Nichtraucher. Die kommen sicher hierher, um uns zu bespitzeln." Sie legte vorsichtshalber eine Zeitung über den Aschenbecher. "Diese Schutzgemeinschaft ruft die Bevölkerung ja auf, alle zu verpetzen, die gegen das Rauchverbot verstoßen."

Yvonne dachte, dass sich diese Leute von der Schutzgemeinschaft vielleicht schon als Kinder gefreut haben, wenn sie jemand anderen beim Fehlermachen erwischt hatten. "Wahrscheinlich wollten die ursprünglich alle Fahrscheinkontrollore werden. Und dann konnten sie dieses Berufsziel nicht erreichen, weil man ganz einfach nicht so viele Fahrscheinkontrollore braucht. Und jetzt haben sie eine Chance gewittert, ihre Kontroll- und Bestrafungslust gegen die Raucher auszuleben", überlegte sie laut.

Zora ärgerte sich: "Ja, Yvonne, und wahrscheinlich haben die, als sie drei Jahre alt waren, zu viel übergekochten Vanillepudding gegessen und sind deshalb zu Denunzianten geworden. Wieso hast du immer so viel Verständnis für diese Glücksverderber? Denen muss man sofort zeigen, dass wir keinen Zentimeter Platz machen. Sie sind Gegner der Freiheit und der Menschenwürde. Mit denen muss man Tacheles reden."

Zora stand auf, ging zu einem der drei verdächtigen Gäste, beschnüffelte seinen Anzug und sagte: "Buh, das riecht aber nach Rauch." Der Typ strahlte sie an: "Schön, dass du herkommst. Du bist mir auch schon aufgefallen. Willst einen Tschick?" (Adelheid Wölfl/Der Standard/rondo/06/02/2009)

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    "Buh, das riecht aber nach Rauch."

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