Kosten verboten

3. Februar 2009, 13:13
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Bis auf ihre Giftigkeit sind Rittersterne brave Gewächse, wenn man sie nicht ersäuft, sagt Ute Woltron

Sollten Sie dieser Tage einen Ritterstern in voller Blüte geschenkt bekommen, erfreuen Sie sich unbedingt seiner flüchtigen Pracht. Stellen Sie ihn am besten dorthin, wo sie seine bis zu 40 Zentimeter großen Blütenstände in Rot, Rosa, Weiß - oder das Ganze gestreift, je nachdem - am gefälligsten betrachten können. Denn wenn die Blütengiganten verwelkt sind, wird das verbleibende labbrige Blattwerk dieser Pflanze die restlichen 50 Wochen des Jahres nicht eben zur Zier Ihres Heimes gereichen.

Aber das macht nichts. Der Ritterstern, fälschlicherweise als Amaryllis in aller Munde, sammelt in dieser Zeit eben Kraft, um im nächsten Jahr wieder mit einer der ungeheuerlichsten Blüten zu betören, mit denen Zimmerpflanzen aufwarten können. Nur wer sich zu viel um ihn kümmert, den lässt er im Stich. Er ist sozusagen eine ideale Pflanze für alle Faulen, ein Diszipliniert-Genügsamer, für vergessliche Gießer wie geschaffen.

Der Ritterstern hört auf den botanischen Namen Hippeastrum. Er gehört zwar zur Familie der Amaryllisgewächse, die echte Amaryllis ist aber eine Südafrikanerin. Der Ritterstern hingegen ist in den phasenweise trocken-kargen Gegenden der peruanischen Anden beheimatet. Dort blüht er im Jänner und Februar, weil dann südamerikanischer Sommer ist.

Kleine Kinderzwiebelchen

Wenn Sie ihn auf der nördlichen Halbkugel über die Runden bringen wollen, ist folgendermaßen vorzugehen: Die verwelkten Blüten sind unbedingt abzuschneiden, weil etwaige Samenbildungen der Zwiebel die Kräfte rauben. Sie können natürlich auch den Versuch unternehmen, die Samen ausreifen zu lassen und daraus kleine Rittersternchen zu ziehen. Doch davor ist aus folgenden Gründen abzuraten: Die meisten hierzulande vertriebenen Rittersterne sind Hybride, also nicht sortenrein. Und - bis die gekeimten, sich zu Zwiebeln geformten Pflanzen blühen, gehen mindestens drei, vier Jahre ins Land.

Die Vermehrung erfolgt rascher mittels ausgewachsener Zwiebeln, an denen sich unweigerlich im Laufe der Zeit seitlich kleine Kinderzwiebelchen bilden, was am hervorlugenden Blattwerk leicht zu bemerken ist. Die kann man von Muttern trennen und in eigene Töpfe setzen. Das alles ergibt sich aber nur, wenn Sie zuvor folgende Regeln beachten: Nach der (nunmehr abgeschnittenen) Blüte braucht die Zwiebel, die immerhin offensichtlich ihr Letztes gegeben hat, Nahrung. Es muss also wöchentlich gedüngt werden. Nicht zu nass halten, sonst fault die Angelegenheit. Am besten zwischendurch wirklich völlig durchtrocknen lassen. Sobald die Gefahr morgendlicher Fröste nicht mehr gegeben ist, wandern die Rittersterntöpfe hinaus ins Freie, idealerweise an einen verborgenen, hellen Ort, und dort überlässt man sie ohne Untertopf und ohne jegliche Skrupel der Witterung. Hin und wieder ein wenig Wasser samt Dünger, wenn's grade besonders trocken ist, schadet nicht.

Ungefähr zu Schulanfang im September wandern die Töpfe wieder hinein ins Wärmere, werden aber ab sofort weder gedüngt noch gegossen und können auch gerne ziemlich dunkel stehen. Das labbrige Blattwerk verdorrt. Es kann abgeschnitten werden. Der Ritterstern ruht. Anfang Dezember darf er sanft mit sehr sparsamen Wassergaben wieder zum Leben erweckt werden. Jetzt will er's auch wieder heller. Er wird alsbald austreiben und bei guter Laune und entsprechend reifem Alter durchaus auch zwei Blütenstände treiben, auf denen jeweils bis zu vier Blütentrichter sitzen. Prachtvoll. (Ute Woltron/Der Standard/rondo/30/01/2009)

 

Tipp

Die Mühe, die Rittersternzwiebeln aus dem Topf und dem Substrat zu schälen, muss man sich nur alle paar Jahre machen. Wenn der Gute nämlich umgetopft wird. Natürlich kann man ab Herbst die Zwiebel auch quasi nackt lagern, aber das ist nicht notwendig. Unbedingt beachtet

werden muss aber die Regel, dass beim Eintopfen das obere Zwiebeldrittel rausschaut. Und - wichtig - der Topf darf keinesfalls zu groß sein, denn zu reichlich Erdvolumen befördert wiederum zu lange Feuchte und damit die gefürchtete Zwiebelfäule.

 

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    Nur wer sich zu viel um ihn kümmert, den lässt er im Stich.

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