Nicht ernst nehmen

9. Jänner 2009, 09:25
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Zora war überzeugt, dass man gewisse Sorgen eben nicht ernst nehmen, sondern entlarven muss

"Vielleicht hat der ja recht, und man muss die Ängste und Sorgen der Menschen ernster nehmen", sagte Yvonne. "Möglicherweise fühlen sich die Leute wirklich nicht verstanden und haben deshalb so viele Vorurteile gegen Ausländer." Zora zog die Augenbrauen hoch: "Sicher sogar. Man muss sofort die Krisenintervention anrufen, wenn sich jemand schreckt, weil im Bus zwei Menschen Türkisch sprechen. Und wenn einer zittert vor Panik, weil er sieht, wie ein Inder an der Straßenkreuzung Zeitungen verkauft, musst du diesem armen, verängstigten Menschen alles Verständnis der Welt entgegenbringen. Ich will ja auch, dass man mir das Handerl hält, wenn ich an einem japanischen Restaurant vorbeigehen muss, da könnten ja schließlich Japaner drinnen sein."

Zora war überzeugt, dass man gewisse Sorgen eben nicht ernst nehmen, sondern entlarven muss. "Denn wenn du die ernst nimmst, dann schürst du eigentlich nur die Ängstlichkeit."

Leslie, die, während sie ihren Freundinnen zugehört hatte, das von Weihnachten übrig gebliebene Lametta in ihre Haare flocht, meinte: "Die Angst beschäftigt sich nur mit uns, wenn wir uns nicht mit ihr beschäftigen. Ich glaube, was wirklich am besten gegen diese Xenophobie hilft, ist Solidarität mit den Ausländern. Dann gehst du einfach nicht der Angst nach, sondern in die genau andere Richtung und schenkst zum Beispiel etwas her. Ich war jedenfalls oft ziemlich glücklich, wenn ich jemandem etwas gegeben habe." Leslie begann in ihrer Wohnung nach Geschenken zu suchen. (Adelheid Wölfl/Der Standard/rondo/09/01/2009)

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    "Die Angst beschäftigt sich nur mit uns, wenn wir uns nicht mit ihr beschäftigen."

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