Knofeln wie bei Kaisers

26. Dezember 2008, 19:02
  • Aus dem Neu-Wien in der Bäckerstraße wurde ein rumänisches
Restaurant in den Farben der Doppelmonarchie.
    foto: gerhard wasserbauer

    Aus dem Neu-Wien in der Bäckerstraße wurde ein rumänisches Restaurant in den Farben der Doppelmonarchie.

  • Balkans, here we go
again!
    foto: gerhard wasserbauer

    Balkans, here we go again!

Schwarz-Gelb von Schnitzel bis Cevaberl: Restaurant Mamaia

In manchen Teilen Osteuropas grassiert die Verklärung des Kommunismus ebenso wie jene der Austro-Monarchie samt Kaiserkönig und schönbrunngelben Bahnhofsruinen. Umgekehrt wird dieses Gefühl der Zusammengehörigkeit nicht so deutlich erwidert, wie man sich das wünschen möchte. Umso schöner, dass sich Michael Eltes dadurch nicht abbringen ließ, jetzt ein rumänisches Restaurant zu eröffnen, wie man es sich in der einstigen Hauptstadt des Reichs eigentlich schon seit Jahrzehnten hätte erwarten dürfen: zentral gelegen, verschwenderisch ausgestattet, mit einer beachtlichen Weinkarte (wenn auch ohne rumänische Gewächse) und einer Speisenauswahl, die den Geist der lange vergangenen Zeit atmet.

In Zukunft will Eltes auf autochthone Spezialitäten setzen, Wurst von regionalen Produzenten importieren und Käse wie den unglaublich köstlichen, in Nadelholzrinde gereiften, transsylvanischen Schafskäse "Brânza de burduf" (ein Slow-Food-Präsidiums-Produkt!). Für den Anfang meint er, mit einer schaumgebremsten Version besser gerüstet zu sein, den Geschmack der Hauptstädter zu treffen - ein Irrtum, der durch aktives Nachfragen korrigiert werden sollte!

Feine Derbheiten

Also: Wo bleibt die Hühnersuppe mit hausgemachten Nudeln, die Ciorba de burta (Kuttelsuppe mit Sauerrahm), das berühmt knusprige, aus Kartoffelteig gebackene Brot, das mit Ei frittierte Kalbshirn, die Matiti-Würste, der Topfenstrudel Brinza?

Die Karte weist schon in die richtige Richtung: Die Vorspeisenplatte mit Bohnenpüree (1a!), Melanzanisalat, toll gewürztem Karpfenmilchner, sehr rustikal geräuchertem Schinken und anderen feinen Derbheiten mehr bietet wesentlich Interessanteres, als man sich an anderen Balkan-Adressen der Stadt erwarten darf. Der Ciorba-Suppentopf mit ordentlich fettem Rindfleisch wird mit Liebstöckel gewürzt; die Cevapcici-Variante "Mititei" gerät locker, saftig, würzig, so gut wie selten. Spätestens nach den mit viel kleingewürfeltem Knoblauch kontaminierten, gegrillten Paprika aber will in der U-Bahn auch nach Tagen noch niemand neben einem sitzen. So soll es sein! (Severin Corti/Der Standard/rondo/24/12/2008)

 

Mamaia
Bäckerstr. 5
1010 Wien,
Tel.: 0676/636 78 58
tägl. 18-24 ab Jänner 11.30-24 Uhr
VS EURO 4,80-11,20 HS EURO 6,90-21,50

Fotos: Gerhard Wasserbauer

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Also die Ciorba de burta ist ja eher was für Spezialisten, jedenfalls die, die ich in Bukarest bekommen habe. Außer man mag Kutteln. Aber um wieder mal gute Sarmale zu bekommen, wäre das Lokal schon einen Versuch wert. Ist notiert.

Wie knofelt man bei Kaisers eigentlich?

Wie wird dort geknobelt?

Liest sich interessant!

Kann man dort das Essen/Trinken genießen ohne ständig Zigarettenqualm in der Nase zu haben?

Bitte um kurze Info, danke!

rumänien und balkan?
hmm...hmm...

definitiv ja.

Der Balkan liegt größtenteils in Bulgarien,

ein kleiner westlicher Teil des Gebirges liegt in Serbien.

Der Balkan fängt am Rennweg an...

...lernen Sie Geschichte

In den Begriff der Balkanhalbinsel

wird Rumänien schon lange miteinbezogen.
Selbst der Alpenstaat Slowenien wird von erdunkundigen Politikern neuerdings dem
"Westbalkan" in dubioser Weise zugeordnet!

Teile Sloweniens (Küste) sind sehr wohl Teil der Balkanhalbinsel.

Manche rechnen die Save als einen Teil der Nordgrenze der Balkanhalbinsel!

... und Südtirol gehört zur Apenninen-Halbinsel?
... Portugal ist ein Westpyrenäenstaat?

"autochthon"!

in einer Wirthauskritik!
wow!

"schaumgebremst" erinnert leider irgendwie an Seife - passt vielleicht nicht so gut zum fugenessigen Käs.

aber am Besten gefällt mir der "kleingewürfelte Knoblauch":
'Man nehme Knoblauch und würfle ihn solange, bis er klein ist.'

Brinza ist der Topfen, nicht der Topfenstrudel.

Topfenpalatschinken (im Banat vielerorts sehr fein!) sind dann Clatite cu brinza (Hacek unter dem zweiten t).

i glab du musst a bissi traman ...

Clatite cu brinza (Hacek unter dem zweiten t).

dann würde man das so aussprechen: clatitze cu brinza. falsch!!!!

clatite cu branza (kapperl über erstes A in branza).

Sie glauben auch an die rumänische Rechtsschreibreform, stimmts? Die ist m.E. schwer überbewertet.

aha ...

das hat mit der rechtschreibreform nichts zu tun. das schreibt man so, und man wird es immer so schreiben. da gibts a nix zu reformieren. höchstens ihre schreibweise, die falsch ist.

Man hat das aber bis vor kurzem (1999/2000?) noch anders geschrieben, wie Sie offenbar nicht wissen dürften.

aha

das ist mir sehr wohl bekannt. aber das ist schon 10 jahre her!!! ich selber habs in der schule auch mit i gelernt, und in österreich auf a umgelenert. ist ja kein kunststück. oder schreiben sie noch immer "daß". wär ja traurig!

ich habe mich eigentlich auf clatite bezogen (Hacek unter dem zweiten t), und nicht auf branza. das branza schreib ich von haus aus so, ohne zu überlegen.

und die rechtschreibreform ist keine glaubensfrage!! sie sollten rumänische bücher lesen, damit wäre sogar ihnen geholfen, und sie wären up to date.

bei Kaisers?

wärma gern norddeutsch.
essen bei kaisers
lesen bei cortis

unfug wie bei standards?



Auch nördlich des Weißwurschtäquators

sagt man "bei Kaisern" (wenn nicht gerade ein Familienname gemeint ist, aber dann sagt man auch bei uns "bei Kaisers" oder "bei den Kaisers").

Ja, wobei das bei Kaisers bei Familiennamen auch norddeutsche Umgangssprache ist. Das "s" als Plurarl für Familiennamen, wird hier auch gelegentlich schon gesichtet, ist aber nicht ok. Niemand würde sagen die Habsburgers oder die Hohenzollers oder die Wittelsbachers.

3 Beispiele zuletzt sind falsch

Die 3 Adelsgeschlechter sind nicht in der Art, wie Sie schreiben, Familiennamen. Herr Habsburg oder Herr von Habsburg kann es bei denen heißen, aber nicht Herr Habsburger (einen bürgerlichen Namen Habsburger kann es geben, das ist was anderes).

Wehret den Anfängen,Kaiser>s< nur ....

,,,nördlich von Frankfurt! Herr Ranftl, Ihr Spiel.

Völlig richtig.

Es fehlt noch der Dank für die beiden
wirklich echt exzellenten Spitzenfotos!

Weder verunreinigt noch gar verstrahlt kenn Paprika durch Knoblauch in diesem Zusammenhang werden.
Der unrichtige Fremdwörtergebrauch im Standard senkt dessen Niveau.

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