Die kleinen fünf

20. Dezember 2008, 17:00
  • Touristen und Schulklassen ebenso wie Anbieter von Quadbike- Touren sollen für das Ökosystem Wüste sensibilisiert werden.
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    Touristen und Schulklassen ebenso wie Anbieter von Quadbike- Touren sollen für das Ökosystem Wüste sensibilisiert werden.

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Die "Little Five" sind die Protagonisten einer Tour durch die Dünen der Namib, einer der trockensten Wüsten der Welt

Der Weg aus der Stadt ist der Weg in die Wüste. In den Dünentälern um Swakopmund hängt der Morgennebel. Die Wüste liegt wie ein konturloses Gemälde vor uns. Tommy Collard (52) schaltet den Allradantrieb zu, dröhnend stürzt sich der Landrover 101 vom Asphalt in den Sand, durch das ausgetrocknete Bett des Swakop-Flusses und weiter in die Dünen. Minuten später zieht sich der Nebel im Zeitraffer zurück und hinterlässt nur Sand und wolkenlosen Himmel, die Sonne brennt.

"Ich komme erst ab 30 Grad so richtig auf Touren", sagt Tommy, während er den Landrover durch die Dünen steuert. Seine Haut ist sonnengebräunt, am Gürtel über den Khaki-Shorts trägt er zwei Ledertaschen, auf dem Kopf einen breiten Krempenhut. Natürlich spricht er Deutsch, das ist so üblich in Swakopmund. In der Altstadt sieht man Jugendstilarchitektur aus der Zeit, als das Land noch "Deutsch Südwestafrika" hieß, und liest Namen wie Putensen Bäckerei oder Adler Apotheke. Viele Namibia-Touristen kommen in die Hafenstadt, um etwas von dieser eigenwilligen Mischung aus Deutschtum und Afrika, aus norddeutschem Schietwetter, sprich Nebel, und Namib-Wüste mitzubekommen.

"One moment", ruft Tommy plötzlich und tritt ruckartig auf die Bremse. Barfuß springt er aus dem Wagen, läuft ein paar Meter die Düne hinauf und buddelt beidhändig im Sand, der im hohen Bogen davonfliegt. "Got it!" Mit breitem Grinsen kommt er zurück, eine Hand hinter dem Rücken. Fast jeden Tag führt Tommy Touristengruppen bei seiner fünfstündigen "Living Desert Tour" in die Wüste und zeigt ihnen die kleinen Bewohner dieser scheinbar so lebensfeindlichen Umwelt. Auf seinem linken Zeigefinger sitzt ein Gecko, den er mit dem Daumen sanft festhält. Ein zartes Geschöpf mit weißem Bauch und zu großen, dunklen Augen. "Der kann keine Hitze vertragen", sagt Tommy und stellt sich schützend mit dem Rücken zur Sonne.

Palmatogecko rangei, so sein wissenschaftlicher Name, kommt ausschließlich in der heißen Namib vor, mag es aber eigentlich viel lieber kühl. "Tagsüber vergräbt er sich, wie viele Wüstenbewohner", erklärt Tommy. "Vierzehn Zentimeter unter der Oberfläche ist es etwa vierzehn Grad kälter." Er setzt den Gecko wieder auf die Düne, Sekunden später hat er sich wieder eingegraben. Der Sand schließt sich hinter ihm, als würde er in ein Meer eintauchen.

Wer durch Namibia reist, kommt unweigerlich mit der Wüste in Berührung. Auf dem Weg durch das Land fährt man stundenlang auf staubigen Pisten durch karge Wüstenlandschaften. Wer sich aber zu Fuß aufmacht, findet Erstaunliches. Zwar ist die Namib eine der trockensten Wüsten der Welt, doch leben hier rund 120 Reptilien-, 180 Vogel- und mehr als 90 Säugetierarten, darunter auch die riesigen Wüstenelefanten, die in der Gegend von Twyfelfontein umherziehen und bis zu vier Tage ohne Wasser auskommen können. Die Evolution scheint durch die extremen Bedingungen zu besonderem Einfallsreichtum angeregt. Auch im Kleinen. Der Käfer Onymacris unguicularis etwa macht Kopfstand, um zu überleben. Er stellt sich am Dünenkamm in den Morgennebel, der auf seinem Rücken kondensiert und zu seinen Fresswerkzeugen rinnt. Bis zu 40 Prozent seines Gewichts kann er an Flüssigkeit aufnehmen. Andere Tiere fressen ihn und nehmen Wasser so über die Nahrung zu sich.

"Mobile Wasserflaschen", kommentiert Tommy. Um sich zu ernähren, sammelt Onymacris unguicularis abgestorbene Tier- und Pflanzenteile, die vom Wind an den Dünenflanken zusammengeweht werden - "Detritus" im Fachjargon, "Käfer-Müsli" sagt Tommy. Es ist die bröselige Grundlage der Nahrungskette in der Namib.

Ein Chamäleon steht reglos im Sand. Tommy nähert sich langsam, nimmt es auf die Hand und hält ihm einen Käfer hin. Es krallt sich an Mittel- und Zeigefinger fest und faucht empört, dass das gelbe Innere seines Maules zu sehen ist. Dann fokussieren seine riesigen Glupschaugen die Beute. In Bruchteilen einer Sekunde lässt es den Leckerbissen verschwinden. "Seine Zunge ist mindestens genauso lang wie der ganze Körper samt Schwanz", sagt Tommy und setzt Chamaeleo namaquensis wieder in den Namib-Sand.

Wie eine kleine Stadt

Er zeigt auf eine Talerpflanze in der Nähe. Seht ihr die Schlange? Zwischen den Stängeln zeichnet sich eine Kontur ab. Es ist eine Zwergpuffotter, die sich durch Seitenwinden über den Sand bewegt. "Jeder dieser Büsche in der Namib ist wie eine kleine Stadt, da sollte man besser nicht drin herumstochern." Wenige Sekunden später hängt Bitis peringueyi am Schlangenhaken und baumelt vor uns in der Luft. Wir bleiben in respektvoller Entfernung.

Noch mehrmals bremst Tommy abrupt, springt aus dem Wagen, wühlt hektisch im Sand und kommt kopfschüttelnd oder grinsend zurück. Etwa mit einer sandtauchenden Eidechse. Meroles anchietae ist bekannt für ihren Thermaltanz, bei dem sie jeweils zwei Beine in die Luft hält, um die Körpertemperatur im heißen Sand zu regulieren. Und sie erweist sich als ziemlich bissig, schnappt nach Tommys Ohrläppchen und baumelt wie ein zu großer Ohrring vor den Zoomlinsen der Digitalkameras. Oder mit einem beinlosen Skink - Typhlacontias brevipes. Obwohl blind, ist Typhlacontias brevipes ein hervorragend angepasster Wüstenbewohner, der unter der Sandoberfläche lebt und sich von Insekten ernährt. Als Tommy ihn wieder in den Sand setzt, ist er blitzschnell zwischen den Quarzkörnchen verschwunden.

Sicher könnte man kritisieren, dass die Tiere durch diese Vorführungen gestresst werden und in ihrem natürlichen Lebensraum gestört. Doch trägt die Tour auch zur Sensibilisierung gegenüber dem Lebensraum Wüste bei. Im vergangenen Jahr etwa waren 500 Schulkinder unterwegs, um die Wüstenlebewesen kennenzulernen. Und auch die Anbieter von Quadbike-Touren hat Tommy eingeladen. Quad-Fahren ist in den Dünen von Swakopmund und Walvis Bay sehr verbreitet, oft brettern die Fahrer rücksichtslos durch die Landschaft. "Unsere Tour hat ihren Blick verändert, die Anbieter bleiben jetzt auf festen Routen, wie ich es auch mache", sagt Tommy. Doch noch immer kommen jedes Jahr am Osterwochenende tausende Südafrikaner zum Quad-Fahren nach Swakopmund, und niemand kontrolliert sie.

"Im vergangenen Jahr haben wir danach sieben tote Chamäleons gefunden", erzählt Tommy. Auch die seltene Damara-Seeschwalbe ist dadurch gefährdet, sie hat einen ihrer wenigen Nistplätze in den Dünen. "Wenn da einer mit 60 Stundenkilometern entlangrast, dann sieht er die Tiere nicht", sagt Tommy. "Wir müssen verstehen, dass wir hier draußen alle Freiheit haben, aber auch viel Verantwortung." Dann, auf dem Rückweg nach Swakopmund, zieht der Nebel wieder vom Meer über die Dünen. Und irgendwo macht ein Onymacris unguicularis Kopfstand. (Mirco Lomoth/DER STANDARD/Rondo/19.12.2008)

Anreise & Unterkunft

Anreise: Mit Austrian Airlines und Air Namibia über Frankfurt nach Windhoek

Übernachtung: in Swakopmund im zentral gelegenen Sam's Giardino

Die Living Desert Tour startet täglich um acht Uhr morgens in Swakopmund, dauert fünf Stunden und kostet 45 Euro. Die Abholung vom Hotel ist inklusive. Tommy bietet für 25 Euro auch eine Nachttour an, bei der man mit Taschenlampen durch die Wüste wandert und viele Tiere sieht, die sich am Tag unterm Sand verstecken. Tel.: 0 02 64/64 46 10 38, www.tommys.iway.na

Weitere Informationen:
Namibia Tourism Board
Tel.: 0049/69/1337360
E-Mail: info@namibia-tourism.com

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Durch die Wüste

mit dem Allradwagen, abseits aller Routen, ist die reinste Idiotie.....

macht nix

wenn du dich nicht traust. es gibt auch trucktouren wo man sich anschließen kann. sehr zu empfehlen. sehr nah an der natur.
hab genau dasselbe foto gemacht wie oben. wunderschön die wüste. und der rest von namibia auch.

...idiotie..

...das musst jetzt aber erklären. wieso soll das so sein?

In Zeiten

von GPS und Satellitentelefon nicht wirklich eine Hexerei.

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