Interessante Speisen, seltsame Bräuche: La Palma bietet mehr als nur Besuche bei aktiven Vulkanen
Kopfweh bekam man als Ureinwohner der Kanareninsel La Palma besser nicht. "Ich will sterben", seufzten kranke Benahoari nämlich, anschließend wurden sie in einer Höhle auf Blättern oder Steinen gebettet, eine Schale Milch wurde neben ihren Kopf gestellt - und die Höhle zugemauert. Seltsam? Aber so steht es zumindest auf den Schautafeln geschrieben, die im kleinen Archäologie-Museum von La Zarza-Zarcita im Nordwesten La Palmas hängen.
Draußen kann man durch die üppige grüne Vegetation zu den Ornamenten wandern, die die Benahoari neben ihren Wohnhöhlen in die Felsen gemeißelt haben. Nur wenige Zeugnisse dieser Kultur haben überdauert - auch, weil ihre Menschen vor 500 Jahren noch in der Steinzeit gelebt haben.

Petroglyphen
Mit dem Einfall der Spanier verschwanden sie - getötet und assimiliert, nachdem sie seit 250 vor Christus ihre Ziegen durch Landschaften wie diese getrieben hatten. Bergauf, vorbei an den Lorbeerbäumen und den wuchernden Farmen, den Steinen, die unter der Sonne zu dampfen beginnen, wenn das Regenwasser verdunstet.
Hoch und grün, mit diesen Adjektiven lässt sich die jüngste aller kanarischen Inseln am kürzesten beschreiben, am besten lässt sich das zu Fuß feststellen.
Ihre Existenz verdankt La Palma vulkanischer Tätigkeit, die bis heute noch nicht geendet hat. Ersichtlich im Süden der Insel, in Fuencaliente. Vorbei an den Plantagen voller mit EU-Geldern gestützten Bananenstauden und den typischen, knapp über dem Boden dahin kriechenden Weinreben kommt man plötzlich in eine Mondlandschaft. Die Straße durchschneidet ein schwarzes Lavafeld, entstanden bei einem Ausbruch des Teneguia im Jahr 1971.
Ein- bis zweimal pro Jahrhundert melden sich die Vulkane, die älteren geben aber auf und werden zum begehrten Touristenziel. Der gewaltige Caldera de Taburiente zum Beispiel, ein mehr als 2400 Meter hoher Kegel, den die Erosion auf einer Seite in einen Canyon verwandelt hat. Nach einer Fahrt über die Serpentinen, die für die an Reisekrankheit leidenden Menschen eine Qual ist, und einem kurzen Spaziergang durch die duftenden Kiefernwälder des Nationalparks kommt der Gast auf eine Aussichtsplattform, die das in Jahrtausenden entstandene imposante Panorama offenbart.

Hunderte Meter fallen die Geröllfelder vom Grat ab, nur einige verwegene Bäume trotzen der hiesigen Baumgrenze. Wer die Augen zusammenkneift, kann auf der anderen Seite die Kuppeln des Observatoriums auf dem Roque de los Muchachos erkennen. Dessen Zufahrtstraßen auch vereisen können - Wanderer sollten sich im Winter entsprechend ausstatten.
Auf Meeresniveau ist das Wetter zivilisierter: Wenn Mitteleuropa im Schnee versinkt, hat es hier tagsüber um die 20 Grad. Zwischen Berg und Meer bewegt sich auch die Küche auf der 700 Quadratkilometer großen Insel. Mit durchaus ungewöhnlichen Speisen. Wie die von den Felsen geschnittenen Napfschnecken, die man gebraten als Vorspeise serviert bekommt. Oder die eher sehr gewöhnungsbedürftigen gekochten Schweinsrippchen - oder der Gofio, Getreide, das geröstet und dann erst zu Mehl vermahlen wird und in Variationen angeboten wird - vom mit Rindsuppe vermischten braunen Teig bis hin zu einem mehligen Grammelschmalz. Ein Gericht übrigens, das noch von den Benahoari stammt - und von dem man keine Kopfschmerzen bekommt.

Statue mit dem Herrn Diaz auf dem Hauptplatz der Hauptstadt Santa Cruz.
(Michael Möseneder/DER STANDARD/Rondo/12.12.2008)
Anreise: Mit Iberia über Madrid
Allgemeine Infos: Spanisches Fremdenverkehrsamt: www.spain.info
Veranstalter: ÖAMTC Reisen bietet komplette Pakete mit Flug vonWien (NIKI, Air Berlin) oder München (Condor) und Unterbringung (Aparthotel Las Olas) an.