Eis und Glut

13. Dezember 2008 17:00
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    Näher können Berg und Meer kaum zusammenkommen: Der Strand von Tazacorte gilt als einer der schönsten der Insel La Palma. Nur zu baden wäre hier aber Verschwendung: Dafür sind die restaurierte Hauptstadt Santa Cruz sowie die Wanderwege im Nationalpark Caldera de Taburiente einfach zu beeindruckend.

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    Bevor der Tourismus kam, brachte die Seide Geld auf die westlichste Kanareninsel. Heute wird der Weg von der Rohseide bis zur fertigen Krawatte nur noch aus Tradition gegangen. Nicht wirtschaftlich, sondern wissenschaftlich wird naturgemäß im Observatorium auf dem Roque de los Muchachos gearbeitet. Dort, auf 2400 Metern, droht mitunter Eiseskälte.

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    Weberin

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Interessante Speisen, seltsame Bräuche: La Palma bietet mehr als nur Besuche bei aktiven Vulkanen

Kopfweh bekam man als Ureinwohner der Kanareninsel La Palma besser nicht. "Ich will sterben", seufzten kranke Benahoari nämlich, anschließend wurden sie in einer Höhle auf Blättern oder Steinen gebettet, eine Schale Milch wurde neben ihren Kopf gestellt - und die Höhle zugemauert. Seltsam? Aber so steht es zumindest auf den Schautafeln geschrieben, die im kleinen Archäologie-Museum von La Zarza-Zarcita im Nordwesten La Palmas hängen.

Draußen kann man durch die üppige grüne Vegetation zu den Ornamenten wandern, die die Benahoari neben ihren Wohnhöhlen in die Felsen gemeißelt haben. Nur wenige Zeugnisse dieser Kultur haben überdauert - auch, weil ihre Menschen vor 500 Jahren noch in der Steinzeit gelebt haben.


Petroglyphen

Mit dem Einfall der Spanier verschwanden sie - getötet und assimiliert, nachdem sie seit 250 vor Christus ihre Ziegen durch Landschaften wie diese getrieben hatten. Bergauf, vorbei an den Lorbeerbäumen und den wuchernden Farmen, den Steinen, die unter der Sonne zu dampfen beginnen, wenn das Regenwasser verdunstet.

Hoch und grün, mit diesen Adjektiven lässt sich die jüngste aller kanarischen Inseln am kürzesten beschreiben, am besten lässt sich das zu Fuß feststellen.

Ihre Existenz verdankt La Palma vulkanischer Tätigkeit, die bis heute noch nicht geendet hat. Ersichtlich im Süden der Insel, in Fuencaliente. Vorbei an den Plantagen voller mit EU-Geldern gestützten Bananenstauden und den typischen, knapp über dem Boden dahin kriechenden Weinreben kommt man plötzlich in eine Mondlandschaft. Die Straße durchschneidet ein schwarzes Lavafeld, entstanden bei einem Ausbruch des Teneguia im Jahr 1971.

Ein- bis zweimal pro Jahrhundert melden sich die Vulkane, die älteren geben aber auf und werden zum begehrten Touristenziel. Der gewaltige Caldera de Taburiente zum Beispiel, ein mehr als 2400 Meter hoher Kegel, den die Erosion auf einer Seite in einen Canyon verwandelt hat. Nach einer Fahrt über die Serpentinen, die für die an Reisekrankheit leidenden Menschen eine Qual ist, und einem kurzen Spaziergang durch die duftenden Kiefernwälder des Nationalparks kommt der Gast auf eine Aussichtsplattform, die das in Jahrtausenden entstandene imposante Panorama offenbart.

Hunderte Meter fallen die Geröllfelder vom Grat ab, nur einige verwegene Bäume trotzen der hiesigen Baumgrenze. Wer die Augen zusammenkneift, kann auf der anderen Seite die Kuppeln des Observatoriums auf dem Roque de los Muchachos erkennen. Dessen Zufahrtstraßen auch vereisen können - Wanderer sollten sich im Winter entsprechend ausstatten.

Auf Meeresniveau ist das Wetter zivilisierter: Wenn Mitteleuropa im Schnee versinkt, hat es hier tagsüber um die 20 Grad. Zwischen Berg und Meer bewegt sich auch die Küche auf der 700 Quadratkilometer großen Insel. Mit durchaus ungewöhnlichen Speisen. Wie die von den Felsen geschnittenen Napfschnecken, die man gebraten als Vorspeise serviert bekommt. Oder die eher sehr gewöhnungsbedürftigen gekochten Schweinsrippchen - oder der Gofio, Getreide, das geröstet und dann erst zu Mehl vermahlen wird und in Variationen angeboten wird - vom mit Rindsuppe vermischten braunen Teig bis hin zu einem mehligen Grammelschmalz. Ein Gericht übrigens, das noch von den Benahoari stammt - und von dem man keine Kopfschmerzen bekommt.


Statue mit dem Herrn Diaz auf dem Hauptplatz der Hauptstadt Santa Cruz.

(Michael Möseneder/DER STANDARD/Rondo/12.12.2008)

Anreise: Mit Iberia über Madrid

Allgemeine Infos: Spanisches Fremdenverkehrsamt: www.spain.info

Veranstalter: ÖAMTC Reisen bietet komplette Pakete mit Flug vonWien (NIKI, Air Berlin) oder München (Condor) und Unterbringung (Aparthotel Las Olas) an.

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Kommentar posten
11 Postings
Girigaribaldi
15.01.2009 12:56
Parque Cultural La Zarza y La Zarcita

mit Besucherzentrum,
in der Gegend von Garafia
im Norden der Insel.

Ali Quantus
13.01.2009 11:38
Gofio

als Gericht eine Art "Flüssigzement", welcher dann betonartig im Magen liegt; doch kein Schädlweh!

pinka_botanika
26.12.2008 11:28

Leider hat man den originellen, schönen Ortsnamen "Fuencaliente" in "Los Canarios" verschlimmbessert!

hollerstraub'n
02.01.2009 23:33

Vom velbesuchten Kraterrand des erloschenen Vulkans nahe Fuencaliente kann man bei schönem Wetter nicht nur Teneriffa mit dem Teide sondern auch die Inseln La Gomera und El Hierro gut sehen.

amodl atag
14.12.2008 15:32

der caldera ist natürlich eine sie, und ist auch nicht der berg sondern der kessel, der u.a. vom 2400m hohen roque de los muchachos begrenzt wird.
laut wikipedia ist die caldera de taburiente, die namensgebend für diese geologischen formationen (vulkankrater bzw eingestürzte magmakammer) ist, selbst vermutlich gar keine. im übrigen gilt für la palma: bike'n'fun.

pinka_botanika
28.12.2008 10:21

Die Caldera ist kein "Kegel" sondern ein KESSEL!

edgar einstein
13.12.2008 21:04
also wenn sies wirklich romantisch haben wollen

fliegen sie nach malaga oder barcelona und von dort mit dem schiff nach las palmas oder teneriffa. dann mit einen weiteren schiff nach la palma. echt starke sache. war dort 2 monate vor etwa 30 jahren. hab mit rucksack und schlafsack den berg überquert, im nadelwald geschlafen, richt hervorragend. die haben auch einen ganz schweren wein dort, das zeug geht runter wie superwasser. absolut tolle sache. auf der westseite sind jede menge palmenplantagen. aber vorsicht alle strände sind schwarz, ist vulkansand.

gegen die wand
14.12.2008 10:59

tja, vor 30 jahren wäre ihr posting vielleicht interessant gewesen.

quinquatrus maiores
22.12.2008 17:31
Empfehlenswert heute immer noch das regelmäßige Schiff von Cadiz nach Las Palmas de Gran Canaria und Santa Cruz de Tenerife.

Weiterfahrt von Teneriffa nach San Miguel de la Palma (voller Inselname) von Santa Cruz de Tenerife mit eigenem Zubringerbus nach Los Cristianos und von dort per Linienschiff direkt nach Santa Cruz de la Palma. Die Insel La Palma ist auch durch regelmäßige, relativ häufige und preisgünstige Flüge mit Teneriffas Nordflughafen Los Rodeos (westlich Teneriffas alter Inselhauptstadt San Cristobal de La Laguna) verbunden.
Die Inselhauptstadt Santa Cruz de la Palma hat einen schönen, kleinen und bemerkenswerten Spätrenaissance-Altstadtkern, ein Kleinod der Kanaren.

pinka_botanika
27.12.2008 11:49
Siehe das abgebildete Portal der Salvatorkirche

am "Spanien-Platz" (gegenüber dem Rathaus mit Habsburger-Wappen).

hollerstraub'n
01.01.2009 17:01
Santa Cruz de la Palma

war einmal als spanischer Verzollungshafen für Schiffe in die Neue Welt et vv. die wichtigste Stadt der Kanaren.

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