Schon küssen

28. November 2008, 09:20
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Die zusätzliche Produktion des Zelltreibstoffs Adenosintriphosphat sorgt außerdem für zusätzliche Energie - Warum das verbieten?

"An der Gunskirchner Hauptschule wurde das Küssen verboten", las Zora vor. "Das ist insofern unverständlich, als das Küssen die Schüler wahrscheinlich glücklich gemacht hat", kommentierte sie. "Ja ich würde sogar so weit gehen", fuhr Zora wissend fort, "dass nur das Küssen die Gunskirchner Schule überhaupt erträglich macht. Ohne zwischendurch fünf Minuten Küssen ist diese Schule nämlich eine Zumutung."

"Adrenalin, Dopamin, Serotonin", Yvonne zählte die Hormone auf, die beim Küssen ausgeschüttet werden. "Die zusätzliche Produktion des Zelltreibstoffs Adenosintriphosphat sorgt außerdem für zusätzliche Energie. Warum das verbieten?", fragte Yvonne, ganz Biologin. Leslie glaubte, dass es vielleicht Lehrer gab, die gegen das Küssen waren, weil sie sich selbst daran erinnerten, dass sie in ihrer Schulzeit nicht genug geküsst hatten. Und nun vergönnten sie es ihren Schülern nicht. "Aber das ist natürlich sehr kurzsichtig gedacht", sagte sie. "Denn mit dem jetzigen Kussverbot können diese Lehrer ihre versäumten Küsse auch nicht aufholen. Ich fürchte also, sie müssen einsehen, dass ihnen wirklich etwas entgangen ist. Das ist traurig. Aber jetzt dürfen sie wenigstens nicht noch einmal den gleichen Fehler bei den Schülern machen."

Leslie schrieb einen offenen Brief an die Schulleitung: "Gunskirchen wird bald Kusskirchen sein." Denn sie war überzeugt, dass sich in Gunskirchen ein grundsätzliches Prinzip noch durchsetzen musste. Das Prinzip nämlich, dass man keinem Menschen die Möglichkeit nehmen darf, sich gut zu fühlen. "Verboten gehört, dass jemand die Liebe verhindert." (Adelheid Wölfl/Der Standard/rondo/28/11/2008)

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    "Gunskirchen wird bald Kusskirchen sein."

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