Patschenpflicht

20. November 2008, 17:00
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Die Socken bleiben sauber - Oder: Wer Patschen trägt, kann nicht so leicht flüchten

+++Pro
Von Thomas Rottenberg

Mitunter erreichen dasSchreibvolk Klagen aus der Echtwelt. Immer mit der gleichen Botschaft: Der Nutzwert von Kolumnen wie dieser sei gering. Denn "die Menschen da draußen", heißt es, suchen nicht eloquente, witzige Miniaturen (wie jene nebenan), sondern Halt, Service und Information.

Denn das gebe Sicherheit im Alltag und schaffe Vertrauen. Eine Win-win-Geschichte: Leser fühlen sich geborgen und umhegt – die Zeitung wird glaubwürdig und unverzichtbar. "Haustierfunktion" nennt das Falter-Gründer Armin Thurnher.

Und darüber, dass Zonen wie diese der richtige Platz für angewandte Lebenshilfe ("Dein Wort soll sein: Ja ja, nein nein") sind, besteht ja auch kein Zweifel. Also sei es:
Patschenpflicht ist super, weil
1.) Füße warm bleiben.
2.) Socken sauber bleiben.
3.) Damenstrümpfe heil bleiben.
4.) man weiß, dass man daheim ist.

So eine Aufzählung, meinen Sie nun, sei trocken, espritfrei und einfach nur stinkfad? Stimmt. Aber das war nicht die Frage.

Contra---
Von Christian Schachinger

Im wesentlichen geht es bei der Pflicht zu Hausschuhen um eines: Wer Patschen trägt, kann nicht so leicht flüchten. Man nennt das Domestizierung. Darum müssen Schulkinder Schlapfen tragen. Lehrer sind alt und langsam. Kinder sind schnell, verdammt schnell. Bei Zwillingen ergibt der Schuleintritt vier Paar Hausschuhe, jeweils eines für die Klasse und eines für den Hort. Ein Paar ist schon in der zweiten Schulwoche auf unerklärliche Weise verschwunden. Das ergibt fünf Paar Schuhe in nur einem Monat. Die sind nicht billig. Auch sechsjährige Frauen sind schon sehr preisbewusst. Alles, was billig ist, ist schiach. Das ist erwiesen.

Zu Hause laufen wir in Socken. Das hält die Böden sauber. Selbstverständlich besitzen wir alle Hausschuhe. Ich schätze einmal, jeweils zwei Paar. Aber wir sind doch nicht blöd! Einzig die Frau trampelt konsequent in Kuhfell-Holzschuhen aus dem Bregenzer Wald herum. Ursprünglich sind diese dazu gedacht, nicht im Stalldreck zu versinken. Aber Kühe sind langsam. Verdammt langsam. (Der Standard/rondo/21/11/2008)

  • Man nennt das Domestizierung.
    foto: photodisc

    Man nennt das Domestizierung.

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