USB-Stick am Schlüssel

13. November 2008, 17:00
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Die ersten Mobiltelefone, Commodore Amiga und Floppy-Disk - Oder: Trauer über verlorene Interviews, Urlaubsbilder und Steuererklärungen

+++Pro
Von Ute Woltron

Heutzutage wird man bereits innerhalb weniger Jahre quasi zu seiner eigenen Großmutter, weil sich technische Entwicklungen so dermaßen überstürzen. Wir können ruhig bekennen, dass wir einer Generation angehören, die sich noch an die ersten Mobiltelefone erinnert. Ist ja nicht lange her, dass diese fetten Kästen in den 80ern auftauchten. Oder gedenken wir eines Phänomens derselben Zeit, des Commodore Amiga und der Floppy-Disk. Letztere hatte eine Speicherkapazität von 80 KB, also so gut wie keine nach heutigen Standards. Ein paar Jahre später halten wir bei klitzekleinen USB-Sticks mit bis zu 64 GB, was eine der großartigsten Erfindungen überhaupt ist. Vor allem für die ebenfalls neumodische Schöpfung des nomadischen Arbeiters, der rastlos wie ein Eichhörnchen von Job zu Job huscht und dank USB-Stick am Schlüsselbund immer alle Produkte seiner digitalen Werktätigkeit dabeihat. Vielleicht wird man aber auch dadurch heute rascher zur eigenen Omi als früher. Aber das hinterfragen wir das nächste Mal, jetzt keine Zeit, wir müssen weiter ...

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Contra---
Von András Szigetvari

Hin und wieder chaotischen Menschen ist Eigentumsstreuung einer der wichtigsten Grundsätze, um im Alltag überleben zu können. Es sind ganz einfache Grundsätze der Eichhörnchenmentalität, die beachtet werden müssen: Tue im Urlaub niemals alle deine Dokumente in eine Tasche, wenn du je wieder heimkehren willst. Speichere deine Telefonnummern nicht nur im Handy ab. Verteile dein Geld - unsereiner hat das ja schon vor der Finanzkrise gewusst - so, dass du mehr als eine Reserve zum Anzapfen findest. Selbst wer sich an diese Prinzipien nicht hält, sollte zumindest niemals zusammenführen, was nicht zusammengehört. Zum Beispiel Schlüsselbund und USB-Stick. Das ist fahrlässig.

Zu dem Schmerz über die verschlossene Wohnungstür gesellt sich die Trauer, dass das dringend benötigte Interview mit dem Minister, die mühsam erarbeitete Steuererklärung und die Urlaubsbilder mit den Freunden weg sind. Kein Problem, die Daten sind ja eh alle am Rechner zu Hause? Na, dann sperren Sie einfach auf! Geht nicht? Na, klingelt's? (Der Standard/rondo/14/11/2008)

  • Niemals zusammenführen, was nicht zusammengehört.
    foto: der standard

    Niemals zusammenführen, was nicht zusammengehört.

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