Führe uns in Versuchung

14. November 2008, 17:00
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Die Wiener Cartier-Boutique hat wieder geöffnet und besinnt sich in Sachen Interieur auf ihre klassischen Wurzeln

Es ist umgebaut. Die renovierte Cartier- Boutique in Wien, genau dort gelegen, wo die Luxusversuchungsmeilen Kohlmarkt und Graben aufeinandertreffen, sperrte vor wenigen Tagen wieder auf. Wobei, renoviert klingt etwas hart, schließlich war das 2001 eröffnete Geschäft rein substanztechnisch wohl kaum renovierungsbedürftig. Es ging dann doch eher um eine Imagekorrektur des Hauses. "Das Shopkonzept geht wieder Richtung klassisch-konservativ. Man könnte auch sagen, back to the roots", so Clemens Ritter von Wagner, der neue Manager des Shops. "Das Motto der alten Boutique war eher puristisch-asiatisch angehaucht. Jetzt haben wir sogar gemütliche Ecken", sagt er weiter.

Passiert man das gläserne Portal des Hauses Kohlmarkt 1, findet man sich in einem ruhigen, hellen Ambiente. Brauntöne dominieren den Raum, getragen werden sie von Teppichen, polierten Holzpaneelen, Eichenholzwänden und bronzenen Schaukästen auf schlanken Beinen. Dezent findet sich hier und dort, eher als Farbtupfer, das charakteristische Cartier-Rot. Ansonsten ist hier freilich das große Funkeln angesagt. Steinchen und Steine, zu den unterschiedlichsten Preziosen verarbeitet, blitzen aus Vitrinen und Schaukästen.

"Browsing nennt man das"

An den großen Raum schließt der Bereich für Accessoires an. Von dort geht es in die sogenannte Bibliothek, die wirklich schon fast als gemütlich durchgeht. Doch, ein paar Bücher gibt's hier auch, "ansonsten ist dieser Raum besonders zahlungskräftigen Kunden vorbehalten, welchen hier die besonders exklusiven Stücke zur Begutachtung vorgelegt werden", sagt Wagner. Während er sichtlich stolz von seiner neuen Arbeitsstätte erzählt, stehen hinter ihm drei junge Frauen aus Japan. Mit großen Augen studieren sie, wie ein Knäuel zusammenklebend, ein Collier. Kaufen werden sie nichts. "Browsing nennt man das", erklärt von Wagner. "Die Versuchung ist dann der nächste Schritt. Von der leben wir", erzählt er weiter.

Im Keller gibt's weniger spannende Büros und mehr spannende Safes, im ersten Stock werken die Uhrmacher. Die denkmalgeschützte Fassade blieb so gut wie unangetastet, beigefarbener Naturstein, schwarzer Granit mit dem obligaten Wappen und ein Guilloche-Muster in Bronze sind ihr Erscheinungsbild. Bis 2011 sollen weltweit alle Cartier-Boutiquen in diesem neuen Kleid auftreten.

Klassisches Konzept

Umgesetzt hat das Ganze der französische Architekt Bruno Moinard, der mehr als 15 Jahre lang wichtigster Partner von Andrée Putman war und unter vielem anderem für das Rodin Museum arbeitete, die Auktionsräume für Christie's in New York oder das Museum Roland Garros gestaltete.

Der Architekt möchte sein Konzept als ein klassisches verstanden wissen, und auf die Frage, was die größte Herausforderung bei der Arbeit an einem Schmuckgeschäft sei, meint er, "ein solches Geschäft darf einfach nicht wie ein Bunker daherkommen, es muss Offenheit ausstrahlen und einladen". Aber bei welchem Bunker wird einem schon von einem breitschultrigen Mann mit Knopf im Ohr die Tür geöffnet? (maik/Der Standard/rondo/14/11/2008)

  • Vom Hauptraum des neuen Shops geht es in die Bibliothek.
    foto: hersteller

    Vom Hauptraum des neuen Shops geht es in die Bibliothek.

  • So nennt sich jener Raum, in dem besonders kaufkräftigen Kunden die außergewöhnlichsten Stücke feilgeboten werden.
    foto: hersteller

    So nennt sich jener Raum, in dem besonders kaufkräftigen Kunden die außergewöhnlichsten Stücke feilgeboten werden.

  • Ein paar Bücher gibt's hier auch.
    foto: hersteller

    Ein paar Bücher gibt's hier auch.

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