Die Jagger wird's schon einrichten

2. November 2008, 17:00
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Jade Jagger hat gemeinsam mit Philippe Starck ein Konzept für exklusives Wohnen von der Stange entwickelt - Andreas Tölke befragte die Tochter des Rolling Stone Mick Jagger

"Zeit ist Geld" ist wohl einer der Hauptgründe, weshalb perfekt eingerichtete Luxusdomizile mit dem Service eines Grand Hotels immer gefragter sind. Die 34-jährige Jade Jagger, die als Schmuckdesignerin bekannt wurde, hat mit Philippe Starck für die Firma "Yoo" unter anderem ein Konzept für ein solches Wohnen von der Stange in Manhattan entwickelt. Weltweit hat "Yoo" bereits mehr als 15 Wohnstätten von Moskau bis Buenos Aires realisiert. Im "Jade Tower", den die 34-jährige Designerin Jagger in New York fertiggestellt hat, gestaltete sie 326 Apartments auf 34 Stockwerken.

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DER STANDARD: Ich kenne wenige Menschen, nach denen ein Hochhaus benannt wurde.

Jade Jagger: Es ist doch nur der Vorname. Und ich habe das auch nicht ausgesucht.

DER STANDARD: Der Jade Tower wurde von der Fachpresse schon im Vorfeld gefeiert, und selbst die "New York Times" war voll des Lobes. Sind Sie glücklich mit dem Projekt?

Jagger: Es ist ein sehr starkes Konzept, und es war das erste Projekt, das ich mit dem Designer Tom Bartlett für Yoo gemacht habe. Und es war das erste Projekt in Zusammenarbeit mit Philippe Starck. Viele Gründe, sehr zufrieden zu sein.


DER STANDARD: Was muss ich hinblättern, wenn ich im Jade Tower hausen will?

Jagger: Um ein Preisbeispiel für circa 35 Quadratmeter zu geben: 700.000 Dollar für Wohnen, Schlafen und Bad. Das ist für Manhattan nicht wirklich teuer. Gut, die Wohnungen sind nicht sehr groß. Wenn wir aber von New York reden, bedeutet jeder Quadratmeter ein Vermögen.


DER STANDARD: Wie sieht denn das Raumkonzept aus?

Jagger: Wir haben alles sehr komprimiert. Es ist eine Art Box, eine Schachtel, in der die Nutzräume wie Bad und Küche in einem Block untergebracht sind. Dadurch wirkt selbst ein kleinerer Raum flächig. Wir wollten eine Studio-Atmosphäre und in den größeren Apartments einen loftartigen Eindruck erzeugen.


DER STANDARD: Bei der Größe und dem Preis ist das für europäische Ohren wirklich ein "Schatzkästchen", wie Sie die Apartments bezeichnen. Was bekommen ich denn dafür an Design?

Jagger: Alles bis zum Türgriff ist extra gestaltet worden. Es gibt Varianten, da öffnen Sie zum Beispiel die Küchentür, und der Raum erscheint in Rot und Gold getaucht. Wenn man die Türen schließt, verschwinden die Farben wieder. Es gibt ein Lichtkonzept, das in den Räumen den Eindruck erweckt, als fließe das Licht die Wände herunter. Wir spielen mit dem großen Auftritt.


DER STANDARD: Das ist ja nicht alles allein Ihrer Kreativität zu verdanken. Sie haben den Gestalter Tom Bartlett als kreativen Gegenpart.

Jagger: Tom und ich haben als Team schon vor Yoo verschiedenste Konzepte umgesetzt und dabei eine gemeinsame Formensprache entwickelt. Wir realisierten Projekte von unterschiedlichsten Privathäusern bis zu den Shops für Garrad, den Juwelier, für den ich als Kreativ-Direktorin arbeite ...


DER STANDARD: ... der unter anderem das englische Königshaus mit Preziosen versorgt. Und wie war das mit Philippe Starck? Hat er sich bei Ihnen gemeldet?

Jagger: Nein. Ich kenne seinen Partner John Hitchcox, mit dem er Yoo gegründet hat. John ist ein Freund von Tom Bartlett und mir, und er hat mitgekriegt, was wir beide so machen. Und er wollte die eigene Marke weiter entwickeln. So hat er uns das New Yorker Projekt vorgeschlagen.


DER STANDARD: Starck ist einer der Götter des Designs. Hatten Sie nie Angst, mit ihm in den Ring zu steigen?

Jagger: Nein. Es macht Spaß. Wir respektieren, was er macht, und er kann mit einer neuen Prinzessin (Jagger lacht) auch gut leben. Es ist natürlich hilfreich, so einen Namen im Hintergrund zu haben.

DER STANDARD: Mischt er sich ein?

Jagger: Nein. Er ist mehr auf der Investorenseite, und er glaubt einfach an das Projekt. Das reicht.


DER STANDARD: Sie sind die Einzige in der Gruppe, die keine Ausbildung als Designerin hat.

Jagger: Ich mache den Job genauso gut wie die anderen. Tom behauptet sogar, ich wäre der innovativste und anstrengendste Partner, den er ja hatte. Gerade bei einem Projekt, das nicht an eine Person gebunden ist, muss man sehr genau auf alles achten. Wir haben ja keinen direkten Kunden, der uns sagt, ich brauche hier Platz für meine Bücher usw. Ich respektiere Ausbildung, aber ich glaube auch, dass zu viel Ausbildung den Sinn für das Praktische nehmen kann.


DER STANDARD: Wie sieht es mit Individualität aus? Sie bestimmen die Regeln, Sie geben ja die Farben und vieles anderes vor und gestalten einen eher extravaganten Grundriss?

Jagger: Das müssen Sie aber bei jedem Haus und bei jeder Wohnung akzeptieren. Überall hat ein Designer oder Architekt seine Vorstellungen umgesetzt oder zumindest mit eingebracht. Was ist also falsch daran, dass wir es auch tun? Und gerade Leute, die rund um die Uhr arbeiten, haben keine Zeit, sich mit Türgriffen und Bodenbelägen zu beschäftigen.


DER STANDARD: Wie leben Sie selbst? Ihr Lebensmittelpunkt ist mittlerweile London?

Jagger: Ich reise sehr viel. Ich bin gestern Nacht aus Moskau zurückgekommen, nur als Beispiel, und fliege morgen - wo fliege ich eigentlich hin? ... Egal. Aber es stimmt, London ist meine Heimat.


DER STANDARD: Wie haben Sie sich eingerichtet?

Jagger: Ich habe soeben ein Haus gekauft, das renoviert werden muss. Ich mag eine Atmosphäre, die flamboyant, aufregend, aber nicht überwältigend ist. Ich möchte Harmonie schaffen.


DER STANDARD: Was heißt das konkreter?

Jagger: Privat bin ich viel radikaler. Ich würde am liebsten alle Wände rausreißen und alles neu machen. Es ist ein kleines Haus im viktorianischen Stil, und ich möchte kommunikative Orte schaffen, zum Beispiel offene Küchen.


DER STANDARD: Kann man sich Ihre private Einrichtung ähnlich wie Ihr Konzept für den Jade Tower vorstellen?

Jagger: Wir haben vieles zu Hause getestet, vom erwähnten Türgriff bis zur Badezimmerausstattung. Vieles davon ist auch in meinem Haus geblieben. Man könnte sagen, es war ein "Testgebäude".


DER STANDARD: Mögen Sie das Leben auf einer Baustelle?

Jagger: Es ist nicht der Idealzustand, vor allem, wenn man drei Kinder hat, aber ich kann mich komischerweise nicht zurückhalten. Es ist fast ein Zwang, immer wieder etwas Neues ausprobieren zu müssen. (Andreas Tölke/Der Standard/rondo/31/10/2008)

  • Mit der Designerin Jade Jagger realisierte er den "Jade Tower" in Manhattan.
    foto: hersteller

    Mit der Designerin Jade Jagger realisierte er den "Jade Tower" in Manhattan.

  • Das Projekt "Yoo", hinter dem vor allem Philippe Starck steht, bietet
in Metropolen auf der ganzen Welt fertig eingerichtete Wohnungen an.
    foto: hersteller

    Das Projekt "Yoo", hinter dem vor allem Philippe Starck steht, bietet in Metropolen auf der ganzen Welt fertig eingerichtete Wohnungen an.

  • Wohnt man mit "Yoo", muss man nur noch seinen Koffer mitbringen. Für alles andere wurde in diesem Falle von Jade Jagger gesorgt.
    foto: hersteller

    Wohnt man mit "Yoo", muss man nur noch seinen Koffer mitbringen. Für alles andere wurde in diesem Falle von Jade Jagger gesorgt.

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