Hundert Wasser für den Saubermann

8. November 2008, 17:00
1 Posting

Das Österreichische Umweltzeichen gibt's jetzt auch für komplette Reiseangebote

Seit Mai dieses Jahres gibt es "den Hundertwasser" für Pauschalreisen. Zuvor zierte dieses 1990 vom Wiener Künstler entworfene Österreichische Umweltzeichen im touristischen Bereich ja nur einzelne Betriebe - die erweiterte Angebotskette (also insbesondere die Anreise) blieb von der Auszeichnung unberührt. Eine der größten Schwierigkeiten bei der Überprüfung von kompletten Reiseangeboten auf Umweltverträglichkeit bestand in der Trägheit des Zertifizierungsprozesses: Ein Reiseveranstalter, der einzelne Angebote mit dem Umweltzeichen auszeichnen lassen wollte, musste unter Umständen länger auf die Zertifizierung warten, als er die Reise überhaupt im Programm hatte. Ein Internet-Tool zur Überprüfung der Kriterien soll es den Veranstaltern nun ermöglichen, ein Angebot selbst auf die Umweltzeichen-Tauglichkeit abzuklopfen.

Eine Verwendung für den neuen "Pauschalreisen-Hundertwasser" hatte man erst in diesem Oktober. Der Reiseveranstalter Mondial, oder besser gesagt: eine Handvoll seiner Angebote entsprach der neuen Umweltzeichen-Richtlinie. Diese sieht zunächst vor, dass die angebotenen Unterkünfte mit dem Österreichischen oder dem Europäischen Umweltzeichen gekennzeichnet sein müssen, weiters ist aber eben auch die umweltverträgliche An- und Abreise Teil des Gesamtangebots. Im konkreten Fall bedeutet das, die Bahnverbindung zum Zielort wird ermäßigt oder überhaupt kostenlos angeboten und die Betriebe müssen zumindest für den Transfer garantieren.

Schwieriger wird die Umsetzung der Richtlinie dann, wenn die Pauschalreise etwa in eine der gefragten und immerhin ökologisch sinnvoll (etwa mit Solarenergie) betriebenen Selbstversorgerhütten von Mondial führt. Die Anreise mit dem eigenen Auto ist dann unumgänglich und anstelle einer sanften Mobilitätslösung gibt's nur gut gemeinte Ratschläge: Vollbesetzt soll das Fahrzeug sein und die CO2-Emissionen können eigenverantwortlich über den "My Climate"-Rechner kompensiert werden.

Im Schnee mobil

Entscheidend ist auch die Frage, welche Aktivitäten man wann mit dem Umweltzeichen überhaupt anbieten kann. "Im Winter ist es schwieriger", sagte Beate Mondré der Zeitschrift Integra, die von respect, dem Institut für integrativen Tourismus und Entwicklung als Schwerpunktausgabe zum Thema "Tourismus und Klimaschutz" herausgegeben wurde. Frau Mondré betreibt gemeinsam mit ihrem Mann die Pension Hubertus in Zell am See und damit einen Betrieb, wo weit über die Auflagen des Umweltzeichens Eigeninitiative gezeigt wird. Unter anderem gibt es dort für die Mobilität vor Ort auch Elektro-Räder - im Winter tut man sich aber schwerer, der "sanften Freizeitgestaltung" verpflichtet zu bleiben. So liegt das Haus wohl direkt an der Zeller Bergbahn, was die Gäste freut, doch das moderne Skifahren kann man guten Gewissens eigentlich nicht empfehlen.

Als "große Belastung für das sensible Ökosystem der Berge" stuft Mondial den industrialisierten Skizirkus nämlich ein, eine Skipauschalreise mit dem Umweltzeichen wird man daher im Angebot vergeblich suchen. Wer in Österreich im Winter "FairReisen" - so der Name der Umweltzeichen-Angebote - will, dem wird etwa das Schneeschuhwandern oder das Eisstockschießen ans Herz gelegt.

Kann es unter dem Gesichtspunkt des Energiehaushalts überhaupt umweltverträgliche Wellness-Pauschalen geben? Im Einzelfall ja (immerhin acht Einzelfälle sind es bei Mondial), und die Bahnanreise mit Transfer zu Betrieben wie dem Rogner Bad Blumau sind dann dank der Eigeninitiative der Hoteliers wohl nicht mehr als reine Formsache. Das "Hundertwasser-Badehaus" mit dem Hundertwasser-Umweltzeichen wird von einer Geothermieanlage versorgt. Dieser autonome Energiehaushalt hat ungefähr denselben Klimaschutzeffekt, wie wenn 2700 Pkws weniger pro Jahr auf den Straßen unterwegs wären.

Seit dem Mai 2008 gibt es überdies eine Kooperation zwischen dem Hotel und dem World Wildlife Fund, die darauf abzielt, auch weitere Kompensationsleistungen zugunsten einer positiven CO2-Bilanz nicht an Freiwilligkeit zu knüpfen. Mit jedem gebuchten Zimmer gehen pro Nacht 60 Eurocent an ein Projekt zum Schutz des Amazonasregenwaldes. Das bedeutet, eine Fläche größer als Wien (rund 500 km²) soll damit innerhalb eines Jahres vor der Rodung bewahrt werden. Nach der ersten Halbzeit, also bis zum 22. Oktober wäre immerhin Helsinki (rund 186 km²) durch dieses Projekt vollständig im Regenwald verschwunden. Das größenmäßig wieder einmal völlig unterschätze Wien bleibt bislang auch die einzige Destination, in die ein Mondial-Städtetrip mit Umweltzeichen führen kann. (Sascha Aumüller/DER STANDARD/Printausgabe/1./2.11.2008)

  • Betriebe wie das Rogner Bad Blumau, die auch unterm Dach "grün" sind, bekommen das "Hundertwasser-Umweltzeichen".
    foto: rogner bad blumau

    Betriebe wie das Rogner Bad Blumau, die auch unterm Dach "grün" sind, bekommen das "Hundertwasser-Umweltzeichen".

Share if you care.