Miezen würden Minze kaufen

31. Oktober 2008, 11:31
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Aber auch haustierlose Gartenmenschen dürfen Freude an der Katzenminze haben, meint Ute Woltron

Eine der elementaren Regeln des Gärtnerns für relativ faule, oder sagen wir lieber zeitökonomisch orientierte Menschen jenseits des Berufsgärtnertums, die aber doch etwas größere Freiflächen zu betreuen haben, lautet: Du sollst nicht kleckern, sondern klotzen.

Die Kleckerer - nur um das zu präzisieren - denken in Quadratdezimetern. Auf kleinteiligem Raster buddeln sie die unterschiedlichsten Blümelein einzeln ein, jede Art und Sorte steht für sich auf ihrem Platz, und gleich daneben kommt etwas anderes in die Erde. Wenn der Garten klein genug ist, kann man das ja gerade noch bewältigen mit der Pflege und Hege derartiger Anordnungen, und die können im Übrigen äußerst reizvoll sein.

Doch in größeren Gärten mündet eine solche kleinteilige Bepflanzungsmethodik unweigerlich in eine Rund-um-die-Uhr-Freizeitbeschäftigung. Gesetzt den Fall, die Sache soll auch etwas gleichschauen.

Ungeniertes Klotzen

Deshalb empfehlen wir für geräumigere Betätigungsfelder ganz unbedingt die Methode des ungenierten Klotzens: Die Vertreter dieser gartenphilosophischen Gesinnung hantieren nicht mit Einzelpflanzen, sondern mit quadratmeterweisen Monokulturen, die sich - eher der Farbfeldmalerei eines Mark Rothko als dem Pointillismus eines Georges Seurat verpflichtet - ja ebenfalls elegant aneinanderreihen lassen.

Eine der befriedigendsten Pflanzen für diese Art, seinen Garten mit färbigen Feldern zu strukturieren, ist die Katzenminze, Nepeta cataria, eine mehrjährige, winterharte Vertreterin der Familie der Lippenblütler, die einen halben bis knapp einen Meter hoch werden kann.

Erstens blüht die sehr lang und sehr blau. Zweitens ist sie an Anspruchslosigkeit so gut wie nicht zu überbieten. Drittens kann man sie einfach durch Abstechen vermehren. Viertens breitet sich die Katzenminze sowieso von selbst in erstaunlich kurzen Zeiträumen aus und wird kaum von dazwischenwachsenden Unkräutern behelligt. Irgendwie regelt die sich das selbst. Zupfen so gut wie überflüssig. Großartig.

Absonderliche, rauschartige Zustände

Die Katzenminze ist darüber hinaus berühmt dafür, einen erstaunlich hohen Prozentsatz von Katzen durch ihren Geruch in absonderliche, rauschartige Zustände versetzen zu können. Das bemerkt man zum Beispiel dann, wenn man die erste vergehende Blüte im späteren Sommer abschneidet oder - noch ein Tipp für die Faulen unter uns - mit dem Rasenmäher absäbelt. Dann blüht sie nämlich noch einmal.

Doch zurück zu den Katzen: Nicht alle, aber deutlich mehr als die Hälfte von ihnen dreht zu diesen Anlässen komplett durch. Die Miezen wälzen sich regelrecht in den abgeschnittenen Minzehaufen, schnurren und maunzen und zeigen alle Symptome einer, sagen wir, chemisch beeinflussten Hochstimmung. Sehr eigenartig ist das jedenfalls anzuschauen.

Doch irgendwie verleitet die Katzenminze wie bereits angedeutet auch Zweibeiner zu einem gewissen suchtartigen Verhalten. Ganz einfach, weil sie so überaus praktisch ist. Irgendwann ertappt man sich dann dabei, schon wieder mit einem abgestochenen Katzenminzelappen in eine bis dato vermeintlich noch vernachlässigte Ecke seines Gartens zu eilen, um auch dort Katzenminzefelder entstehen zu lassen. Ja, dieses Kraut hat was. (Ute Woltron/Der Standard/rondo/31/10/2008)

Tipp:

Katzenminze mag es eher trocken und lehmig, mit dem Dünger darf gespart werden. Die Vermehrung erfolgt im Frühling oder Herbst durch Abstechen mit dem Spaten oder mit zierlicheren Geräten, je nach Temperament. Es gibt sie auch in Weiß und bläulichem Rosa, doch erfahrungsgemäß ist die blaue Katzenminze die robusteste und wucherfreudigste. Sie eignet sich zum Beispiel genial zur Bepflanzung sonniger Hänge und für Wegeinfassungen.

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    Sie ist an Anspruchslosigkeit so gut wie nicht zu überbieten.

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