Funktion, nicht Mode

31. Oktober 2008, 13:39
1 Posting

Norwegens Ski-Star Lasse Kjus betreibt seit 2000 auch ein Skimode-Label - Aussehen, betont er im E-Mail-Interview, ist im Schnee zweitrangig

DER STANDARD: Kam der Skifahrer zum Ski-Modelabel - oder kam das Modelabel zum Skifahrer?

Lasse Kjus: Zuallererst: Wir sehen uns nicht als Modelabel. Wir wollen uns als Marke positionieren, deren Hauptaugenmerk auf Funktionalität liegt. Als Rennläufer habe ich den Unterschied zwischen guter und schlechter Skibekleidung oft und bitter am eigenen Leib erlebt. Ich weiß also, worauf es ankommt, wenn man bei jedem Wetter draußen unterwegs ist. Das heißt: keine Kompromisse beim Material, innovatives Design - und dazu noch ein Höchstmaß an Tragekomfort und Bewegungsfreiheit.


DER STANDARD: Es gibt viele coole Ski-Labels. Was macht Kjus besonders?

Lasse Kjus: Die Kompromisslosigkeit. Deshalb konzentrieren wir uns auf Skifahrer. Für uns ist Skifahren ein Lifestyle. Ein Way of Life - und aus diesem Way of Life kommt unsere Identität.


DER STANDARD: Welche Rolle spielt da das Design?

Lasse Kjus: Unser Design spricht eine klare, einfache Sprache: Ein Skifahrer sieht gut aus, wenn die Kleidung gut sitzt. Deswegen betonen wir, dass Funktion wichtiger ist als Mode. Wir suchen die perfekte Kombination von Leichtigkeit, Weichheit und Dehnbarkeit. Auf der Suche nach Stretch-Stoffen forschen wir mit einem japanischen Unternehmen zusammen - und arbeiten derzeit mit Vier-Weg-Stretch. Der lässt sich in 360 Grad dehnen. Wichtig ist aber der Test am Berg: Viele Materialien funktionieren bei Zimmertemperatur hervorragend, aber bei minus 30 Grad sieht das oft anders aus. Deshalb ist es wichtig, dass Leute wie Bode Miller, Michaela Gerg oder Daniel Mahrer für uns testen. Die bringen uns eine Menge Feedback darüber, was funktioniert - und was nicht.


DER STANDARD: Aber wie entwirft man nun Skimode?

Lasse Kjus: Wir sehen uns um. Auf Modeschauen - und anderswo: Auto-, Möbel- oder Flugzeugdesign zeigen deutlich, wohin der Trend geht. Daraus werden Vorgaben und Konzepte. Aber vor allem muss jeder Designer wissen, wie das Teil sich dann im Einsatz verhalten soll: Die Funktionalität steht also auch hier an erster Stelle.

DER STANDARD: Gibt es Stile, die Sie gerne wiedersehen würden?

Lasse Kjus: Da halte ich mich lieber zurück. Aber es stimmt: Wir beziehen uns immer wieder auf Dinge, die man vor 20 Jahren schon gesehen hat. Das ist ein natürlicher Kreislauf.

DER STANDARD: Dann schauen wir nach vorn: Was kommt an Innovation in den nächsten Jahren auf uns zu?

Lasse Kjus: Es gibt enormes Potenzial bei den Stoffen und den Möglichkeiten, Materialien zu kombinieren. Wir denken über intelligente Materialien nach, die über Membrane die Körpertemperatur regulieren. Auch Beweglichkeit und Atmungsaktivität bieten Potenzial - und etwas, das wir "Body-Mapping" nennen: Das richtige Material an der richtigen Stelle einarbeiten - je nachdem, wo es gebraucht wird.

DER STANDARD: Technik im Skigewand ist oft eine Spielerei mit MP3-Spielern im Gewand. Aber wohin geht diese Reise?

Lasse Kjus: Auch wir haben seit dem Vorjahr eine Jacke im Programm, in die die Bedienung eines MP3-Players in den Ärmel integriert ist. Da gibt es enorme Nachfrage. Außerdem haben unsere Teile Recco-Reflektoren - für den Fall einer Verschüttung durch eine Lawine. Darüber hinaus arbeiten wir mit einem Hersteller von intelligenten, in die Kleidung integrierten Protektoren zusammen: Bei einem plötzlichen Aufprall verhärtet sich da ein spezielles Material in der Kleidung. Solche Schutzfunktionen waren uns immer extrem wichtig - und sie werden auch immer wichtiger.

DER STANDARD: Wieso gibt es dann keine Kjus-Helme?

Lasse Kjus: Unsere Kompetenz heißt Kleidung. Es wäre seltsam, wenn wir plötzlich behaupten würden, auch in diesem Gebeiet Experten zu sein. Wir wollen einfach die beste Skibekleidung machen. Allerdings bedeutet das nicht, dass wir nicht irgendwann auch andere Aspekte des Skifahrens in unser Portfolio aufnehmen könnten. (rott/Der Standard/rondo/31/10/2008)

Das Label Kjus wurde 2000 auf der ISPO in München präsentiert.

www.kjus.com

Zur Ansichtssache: Ab auf die Piste

Zum Artikel: Steile Sachen

  • Lasse Kjus war 1996 und 1999 Ski-Weltcup-Gesamtsieger und 1999 Doppelweltmeister (RTL, Super-G). Der Norweger gewann bei Olympischen Spielen einmal Gold (Kombi), dreimal Silber (2 mal Abfahrt, Kombination) und einmal Bronze (RTL).
    foto: hersteller

    Lasse Kjus war 1996 und 1999 Ski-Weltcup-Gesamtsieger und 1999 Doppelweltmeister (RTL, Super-G). Der Norweger gewann bei Olympischen Spielen einmal Gold (Kombi), dreimal Silber (2 mal Abfahrt, Kombination) und einmal Bronze (RTL).

Share if you care.