Designer wie Walzerorchester

17. Oktober 2008, 14:59
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Herr Mailath-Pokorny, was haben Sie eigentlich auf der Modemesse in Paris gemacht?

Ich habe eine freundliche Einladung von österreichischen Modemachern angenommen und mir mit einer Gruppe von Leuten angesehen, wie sich diese Designer international präsentieren. Ich bin richtiggehend enthusiasmiert zurückgekommen, weil ich rausgefunden habe, dass a) österreichisches Modedesign international einen guten Namen hat und b) teilweise sogar stärker wahrgenommen wird als in Österreich selbst.

Ich war bei der Präsentation von Wunderkind, dem Label von Wolfgang Joop. Da hat Mühlbauer die Hüte gemacht. Das ist ja toll! Ich habe mir auch im Showroom Romeo die Präsentation von Petar Petrov angesehen. Mir war gar nicht bewusst, wie groß die Nachfrage nach seinen Kreationen ist, da reisen Einkäufer extra aus Asien an! Ich hatte immer den Eindruck, dass das alles eine künstlerisch anerkannte und schöne Geschichte ist, aber dass österreichische Mode auch ein Wirtschaftsfaktor ist, war mir in dieser Form nicht bewusst.

Wenn wir dies stärker herausstreichen, könnten wir von unserem eigenen, sehr gepflegten Museumsimage wegkommen. Wir müssen uns in Zukunft auch unsere Förderstrukturen genauer anschauen. Was mich interessiert: Wie wir eine Förderung für diejenigen schaffen, die noch nichts vorweisen können. Wir müssen auch Ideen entwickeln, wie man der Mode auf offizieller Ebene Geltung verschafft. Man könnte die Designer genauso herzeigen wie ein Walzerorchester. Vielleicht könnten wir auch unsere Repräsentanten in österreichischer Mode auftreten lassen! (Stephan Hilpold/Der Standard/rondo/17/10/2008)

  • Andreas Mailath-Pokorny ist Wiener Kulturstadtrat
    foto: heribert corn

    Andreas Mailath-Pokorny ist Wiener Kulturstadtrat

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