Das Luxus-Achterl

20. Oktober 2008, 14:36
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Rechtzeitig zur Wirtschaftskrise: Die einen teilen sich das Auto, die anderen die Luxusyacht

Das vom Londoner Unternehmen YachtPlus entwickelte Ship-Sharing findet regen Anklang. Das mag auch am Design von Lord Norman Foster liegen.

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Von Steuerbord eine feine Brise, im Glas ein Schlückchen Dom Pérignon. So schön das Leben auf so manchem Weltmeer auch sein mag, so kurz ist für gewöhnlich auch die Zeit des maritimen Müßiggangs. Die meiste Zeit des Jahres liegen die noblen Wasserkarossen nämlich vor Anker. Unbeaufsichtigt, ungenutzt und noch dazu für Unsummen an Hafenmiete.

Das in London ansässige Unternehmen "YachtPlus" hat die Lösung zum Luxusproblem. In Anlehnung an Car-Sharing kauft jeder Kunde ein Achtel des Bootes und wird so zum Miteigentümer innerhalb einer kleinen Eigentümergemeinschaft. Jeder Eigentümer darf die Yacht insgesamt fünf Wochen pro Jahr besitzen und muss sie danach an den Nächsten aus der Rund weitergeben. Die übrige Zeit des Jahres wird die Yacht gereinigt, gewartet und an die gewünschten Orte überstellt.

Ungewöhnlich ist nicht nur die Akquise des 40 Meter langen Superbrummers, sondern auch das Design. Nicht von ungefähr erinnert die Form der Signature an moderne Architektur. Silbrige Fassade, Fenster vom Boden bis zur Decke, Tageslicht auf allen drei Decks: Könnte von Lord Norman Foster stammen - ist es auch. Der Architekt als Bootsdesigner, warum nicht. "Die langjährige Arbeit an Luxushotels, Wohnungen und Häusern hat sich gelohnt", erklärt Foster, "unser Verständnis von Raumqualität, Privatheit und Komfort fügt sich gut in die Tradition der Seefahrt."

Temporäres Wohnen

50 Quadratmeter misst der große Salon am Hauptdeck. Selbstredend, dass man hier vergeblich nach kitschigen Versatzstücken nautischer Romantik wie Steuerrädern nachempfundenen Aschenbechern sucht. Keine Messingtaue ums Bullauge, kein Holz an der Wand. Stattdessen erstrahlt der Raum in klarer Eleganz. Holzboden, Kokosfaser und hochwertige Kunststoffe fassen das temporäre Wohnen in einen schicken Rahmen. Vor der Glasfassade liegt das weite Meer - oder die Mole von Saint-Tropez.

Highlight ist das Schlafgemach des Gastgebers. Ganz vorn situiert schaut man über ein Panoramaglas nach außen und kann auf eine Terrasse an die frische Luft treten - in Fahrtrichtung. Etwas zurückhaltender sind die Kajüten im Unterdeck. Von nautischer 08/15-Ästhetik auch hier keine Spur: Fein gemasertes Holz zieht sich in einem Bogen von der Decke bis zum Boden herab. Teppiche, diverse Textilien und Leder komplettieren das Ambiente. Damit auch in den Gangbereich noch Tageslicht strömt, windet sich durch alle Geschoße eine Wendeltreppe aus Glas.

Schampus exklusive

"Die Innenraumplanung der Yacht kann bei Bedarf den konkreten Wünschen der Eigentümer angepasst werden", sagt Foster, "und auf Anfrage fer- tigen wir auch Entwürfe für Geschirr, Besteck und Uniformen an." Doch warum will ein Architekt, der schon die Lande erobert, auch noch hinaus aufs weite Meer? "Ich glaube an diesen ganzheitlichen Ansatz des maritimen Lifestyles. Das Angebot an Designqualität, Gastfreundschaft und Serviceleistungen von YachtPlus hat mir mächtig imponiert. Daher habe ich beschlossen, mich auch selbst an einem Teil einer solchen Yacht zu beteiligen", lobpreist der Architekt seine Partner.

Die Preise sind kein Geheimnis. 1,85 Millionen Euro kostet ein Yacht-Achtel. Der Kunde darf die Signature dann zwei Wochen in der Hochsaison und drei Wochen in der Nebensaison nutzen. Die jährliche Pauschalgebühr für alle Hafenmieten, fürs Service und für die Erhaltung sowie für das gesamte Management und die Koordination der Eigentumsansprüche beläuft sich auf weitere läppische 150.000 Euro. Für Kraftstoff, Dom Pérignon oder Tabletten gegen Seekrankheit zahlt man extra. (Wojciech Czaja/Der Standard/rondo/17/10/2008)

  • Da lässt sich's schon aushalten.
    foto: hersteller

    Da lässt sich's schon aushalten.

  •  Damit das Ganze ein wenig erschwinglicher wird, teilt man sich bei "YachtPlus" das Schiff mit sieben anderen Eignern.
    foto: hersteller

     Damit das Ganze ein wenig erschwinglicher wird, teilt man sich bei "YachtPlus" das Schiff mit sieben anderen Eignern.

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