So, als wäre er nie anders gewesen

17. Oktober 2008, 17:00
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Es ist ein Déjà-vu-Effekt: Die Schlagzeilen nach der Wahl am 10. Oktober 1994 und dem 29. September 2008 gleichen einander: "Debakel für die Koalition, Triumph für Jörg Haider" - "Debakel für die große Koalition, Triumph für das rechte Lager".

Diese Übereinstimmung war nicht geplant. Die Veränderungen in der politischen Landschaft in Österreich sind häufig erst auf den zweiten Blick erkennbar: Von einer Zweidrittelmehrheit sind SPÖ und ÖVP inzwischen weit entfernt, sie sind unter die 30-Prozent-Marke gerutscht.

So ist es auch bei der Zeitung. Veränderungen sind häufig erst auf den zweiten Blick erkennbar. DER STANDARD hat sich im Laufe der Zeit gewandelt und ist doch das geblieben, was er ist: Eine Qualitätszeitung in diesem vom Boulevard dominierten Land. Dass wir als Qualitätsmedium an- und wahrgenommen werden, im In- und Ausland, bedeutet eine Verpflichtung auf hohem Standard. Zwanzig Jahre nach der Gründung erst recht.

Wir waren und sind eine klassische Tageszeitung, die das Prinzip der Trennung von Bericht und Kommentar praktiziert. Das unterscheidet uns von Mitbewerbern. 
Hintergrundberichterstattung, Kommentare und Analysen waren schon immer wichtig für eine Zeitung unseres Zuschnitts. Mit den Schwerpunktausgaben und den Infografiken haben wir unsere Bemühungen noch verstärkt.

Mit dem "Kommentar der anderen" hat der Standard eine publizistische Plattform eröffnet, die in diesem von Konsens und Partikularinteressen geprägten Land den Diskurs mitbestimmt. Damit hat der Standard dieses Land auch verändert, zumindest dessen Diskussionskultur.

der Standard steht für Weltoffenheit und Unabhängigkeit, für Unbestechlichkeit und Unbeugsamkeit. An diesen Prinzipien, an der Blattlinie hat sich auch durch den Wechsel in der Chefredaktion nichts geändert.

Optisch hat sich DER STANDARD aber sehr wohl verändert. Wer die ersten Ausgaben durchblättert, wundert sich über das enge, gedrungene Aussehen. Im Laufe der Jahre hat die Zeitung den Weg eines sukzessiven Wandlungsprozesses beschritten. In den vergangenen Monaten hat sich das Erscheinungsbild stärker geändert, wenn es auch von vielen nicht so wahrgenommen wurde. Das lag am Anti-Relaunch, den kleinen Schritten: zuerst die Skyline unter dem Schriftzug auf der Titelseite, dann die Paginierungen und Linien zwischen den Geschichten, weniger Kästchen, mehr Schwerpunkte. Die Autorzeilen und Vorspänne wurden verändert, kurze Kommentare bekamen Schlagwörter zur besseren Einordnung. Der für die Redaktion größte Schritt war die Reduktion der Spalten von sechs auf fünf, anschließend haben wir auch die Schrift verändert - etwas größer, um die Lesbarkeit zu erhöhen.

Das Ziel: mehr Klarheit, mehr Strukturiertheit - und ein Aussehen, als ob DER STANDARD nie anders gewesen wäre: Wir setzen diesen Weg der optischen Veränderungen in kleinen Schritten fort. Und bleiben, was wir sind: Die Zeitung für Leserinnen und Leser. (Alexanra Föderl-Schmid, DER STANDARD; Printausgabe, 18./19.10.2008)

  • STANDARD-Ausgabe vom 29. September 2008.
    foto: standard

    STANDARD-Ausgabe vom 29. September 2008.

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